Proteste in Iran: So könnte Trump das Regime stürzen
VonChristian Stör
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Nach den Protesten im Iran erwägt Trump eine Militäraktion. Die USA evakuieren Soldaten aus Katar. Steht ein Angriff unmittelbar bevor?
Teheran/Washington, D.C. – Im Iran wächst die Sorge vor einem militärischen Konflikt. Nach dem brutalen Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte gegen die Massenproteste hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass er eine schnelle und entscheidende Militäraktion gegen den Iran in Betracht ziehe. „Hilfe ist unterwegs“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social, ohne weitere Angaben zu machen.
Tatsächlich begannen die USA auf dem Militärstützpunkt Al-Udeid am Rande der katarischen Hauptstadt Doha mit der Evakuierung Hunderter Soldaten, wie die US-Sender CBS und NBC News berichteten. Es handle sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, hieß es. Später riet die US-Botschaft in Doha dazu, auf nicht notwendige Fahrten zu dem Militärstützpunkt zu verzichten. Al-Udeid in Katar ist der größte US-Militärstützpunkt im Nahen Osten, der bei einem möglichen Konflikt mit dem Iran wohl eine Schlüsselrolle spielen würde.
Spannungen zwischen USA und Iran nehmen weiter zu
Die Spannungen eskalierten weiter, nachdem das Mullah-Regime laut Reuters seine Nachbarländer, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei, gewarnt hatte, dass US-Stützpunkte auf deren Territorium angegriffen würden, sollte Trump den Iran attackieren. Zudem wurden die direkten Kontakte zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araktschi und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff ausgesetzt. Trump riskiere eine regionale Eskalation, heißt es seit Tagen aus Teheran.
Zugleich erklärte Ali Schamchani, ein Berater des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei, im Onlinedienst X, Trump solle sich an den iranischen Angriff auf Al-Udeid erinnern, der „die Bereitschaft und Fähigkeit des Iran“ bewiesen habe, „auf jeden Angriff zu reagieren“. Im Juni 2025 hatte Teheran nach US-Angriffen auf Atomanlagen den US-Stützpunkt südwestlich der katarischen Hauptstadt Doha beschossen, Schäden wurden jedoch nicht bekannt.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Trump droht dem Iran: Können die USA das Mullah-Regime stürzen?
Zuvor hatte Trump dem Iran für den Fall, dass festgenommene Demonstranten hingerichtet werden, mit einer entschlossenen Reaktion gedroht. Am Mittwoch (14. Januar) erklärte er, die USA hätten die Information erhalten, dass es im Iran keine Pläne für Hinrichtungen gebe. „Uns wurde gesagt, dass die Tötungen im Iran aufhören“, sagte der Republikaner im Weißen Haus. „Sie hören auf, und es gibt keinen Plan für Hinrichtungen oder eine Hinrichtung.“ Er hoffe, dass es stimme.
Trumps Äußerungen ließen einen unmittelbaren Angriff auf Ziele im Iran weniger wahrscheinlich erscheinen. Allerdings kamen auch die US-Angriffe auf das Atomprogramm im vergangenen Jahr sehr überraschend – nur Stunden, nachdem Trump noch von Verhandlungen mit dem Iran gesprochen hatte. Derzeit scheint Trump also eine eher abwartende Haltung einzunehmen. Zudem herrscht CNN zufolge in Trumps Sicherheitsteam Uneinigkeit darüber, ob ein militärischer Schlag überhaupt sinnvoll sei.
Dennoch erwägt die US-Regierung verschiedene militärische Optionen, wobei Trump laut NBC News eine Aktion bevorzugt, die „einen schnellen und entscheidenden Schlag gegen das Regime“ ausführen würde, ohne einen lang andauernden Krieg zu riskieren. „Wenn er etwas tut, dann soll es endgültig sein“, sagte demnach eine mit den Gesprächen vertraute Person. Allerdings kann sein Team nicht garantieren, dass das Regime nach einem US-Angriff schnell zusammenbrechen würde.
Menschen im Iran ohne Internet
Seit Tagen sind Millionen Menschen im Iran offline. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete auf der Plattform X, dass die Internetsperre inzwischen länger als 156 Stunden andauere (Stand: 15. Januar, 5:36 Uhr). Der iranische Sicherheitsapparat hat das Internet für das Volk komplett abgeschaltet. Ausnahmen gelten beispielsweise für Sicherheitskräfte oder ausgewählte Staatsmedien.
Berichten zufolge umgehen die Menschen die Blockade per Starlink-Satelliteninternet – vorausgesetzt, sie konnten die dafür notwendigen Terminals illegal einführen. Fachleuten nach verfolgt die Führung in Teheran zwei Ziele. Zum einen soll es Demonstrierenden erschwert werden, Proteste zu organisieren. Zum anderen soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Unruhen und Repressalien unterdrückt werden.
Wie könnte Trump das Mullah-Regime im Iran stürzen?
Das US-Zentralkommando hat NBC News zufolge bisher bereits militärische Optionen für Trump vorbereitet, die ihm in den vergangenen Tagen vorgestellt und nun verfeinert wurden, so ein US-Beamter und ein weiterer Insider. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt nannte bereits Luftangriffe eine Möglichkeit. Sie seien eine der „vielen Optionen“, die auf dem Tisch lägen. Trump selbst verwies im Gespräch mit dem Sender CBS auf die US-Luftangriffe auf drei iranische Atomanlagen vom Juni, mit denen die USA in den Zwölftagekrieg mit Israel eingriffen.
Eine Option ist demnach ein Angriff auf Einrichtungen, die mit den iranischen Sicherheitsdiensten in Verbindung stehen, welche für das Vorgehen gegen die Demonstrierenden verantwortlich sind. Der Iran-Experte Ray Takeyh von der Denkfabrik Council on Foreign Relations hält US-Luftangriffe auf Stützpunkte der iranischen Revolutionsgarden oder anderer Sicherheitskräfte für denkbar. Die Eliteeinheit wird für die gewaltsame Niederschlagung der Proteste und hunderte, wenn nicht tausende Tote verantwortlich gemacht. Eine solche US-Intervention könnte vielen Iranern die Angst nehmen und „Zögerliche dazu bringen, eine Teilnahme an den Protesten zu erwägen“, sagte Takeyh laut der Nachrichtenagentur AFP.
Welche Risiken gibt es bei einem US-Schlag gegen den Iran?
Die Direktorin des Nahost-Programms bei der Londoner Denkfabrik Chatham House, Sanam Vakil, warnte gemäß AFP, dass „eine Intervention dem paranoiden iranischen Regime in die Hände spielen“ könnte. Es bestehe die Gefahr eines noch härteren Durchgreifens gegen die Proteste. Der Iran drohte inzwischen mit der Hinrichtung von Demonstrierenden. Darauf von dem CBS-Reporter angesprochen, sagte Trump zunächst, er habe von möglichen Exekutionen bisher nichts gehört. Auf Nachfrage ergänzte er: „Wir werden sehr entschlossene Maßnahmen ergreifen, wenn sie so etwas tun.“
Eine zentrale Überlegung bei der Entscheidungsfindung ist laut CNN, ob die Vorteile eines militärischen Eingreifens die potenziellen Vergeltungsmaßnahmen Teherans überwiegen, das darauf besteht, amerikanische Einrichtungen im Nahen Osten anzugreifen, falls die USA angreifen. Deswegen erwägt Trump demnach auch andere Optionen, die nicht so weit gehen. So wären auch ein Cyberangriff oder neue Sanktionen denkbar. (Quellen: NBC News, CNN, CBS, AFP, Reuters, dpa) (cs)