Putin warnt Trump vor Tomahawk-Lieferung: Würde Russland-USA-Beziehung zerstören
VonErkan Pehlivan
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US-Präsident Donald Trump will offenbar Raketen vom Typ „Tomahawk“ an die Ukraine liefern. Sein russischer Amtskollege Wladimir Putin warnt davor.
Moskau – Den Beziehungen zwischen Russland und den USA droht nach Aussage von Russlands Machthaber Wladimir Putin ein großer Schaden: Grund dafür ist die mögliche Lieferung von Raketen vom Typ „Tomahawk“ an die Ukraine. „Die Lieferung von Langstreckensystemen an die Ukraine, darunter Tomahawks, wird zur Zerstörung der positiven Entwicklungen führen, die sich in den letzten Monaten in den Beziehungen zwischen Russland und den USA herausgebildet haben“, sagt der russische Präsident in einem Video, das am Sonntag (5. Oktober) vom russischen Staatsfernsehjournalisten Pavel Zarubin veröffentlicht wurde.
Laut der Zeitung The Telegraph hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 23. September am Rande der UN-Generalversammlung bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump den Wunsch nach Langstrecken-Marschflugkörpern geäußert. Kurz nachdem die Zeitung die Nachricht veröffentlicht hatte, äußerte sich Vizepräsident JD Vance öffentlich zu möglichen Lieferungen von Tomahawks. „Wir prüfen derzeit eine Reihe von Anfragen aus Europa“, sagte er gegenüber Fox News. Wenn Washington sein OK für den Deal geben sollte, würde die EU die Kosten dafür übernehmen, berichtete der Sender.
Trump-Regierung erwägt Tomahawk-Lieferung: Ukraine könnte Ziele tief in Russland treffen
Keith Kellogg, Trumps Ukraine-Sondergesandter, geht sogar noch weiter: Kiew dürfe auch Langstreckenangriffe auf russisches Territorium durchführen. „Wenn man liest, was er Trump gesagt hat, und was Vizepräsident Vance gesagt hat … lautet die Antwort: Ja. Nutzt die Fähigkeit, tief zu treffen. Es gibt keine Zufluchtsorte“, sagte der ehemalige General ebenfalls bei Fox.
Die Tomahawk-Raketen würden der Ukraine erhebliche Vorteile bringen. Mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometer kann der Marschflugkörper tief nach Russland eindringen. Sie könnten es der Ukraine ermöglichen, nicht nur russische Stellungen nahe der Front, sondern auch strategisch wichtige Ziele wie Munitionsdepots, Kommandozentralen oder Industrieanlagen im Landesinneren zu treffen.
Bilder des Ukraine-Kriegs: Großes Grauen und kleine Momente des Glücks
Der Kreml glaubt nicht daran, dass Tomahawk-Raketen den Kriegsverlauf verändern werden. Es gebe „kein Wundermittel, dass die Situation an der Front zugunsten des ukrainischen Regimes verändern kann“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bereits am 29. September. „Es gibt keine magische Waffe. Ob es Tomahawks oder andere Raketen sind, sie werden die Dynamik nicht verändern können.“
Tomahawk-Marschflugkörper: Technische Details
Merkmal
Daten und Beschreibung
Länge
5,56 m (ohne Booster), 6,25 m (mit Booster)
Durchmesser
51,8 cm
Gefechtskopf
Splittergefechtskopf, panzerbrechend, Streumunition oder theoretisch nuklear (nicht mehr im Einsatz)
Reichweite
Bis zu 2.500 km (je nach Typ ca. 1.670–2.500 km)
Antrieb
Turbofan-Triebwerk mit Feststoffbooster für den Start
Startplattformen
Kriegsschiffe, U-Boote, strategische Bomber (für die Ukraine aktuell problematisch, da Startgeräte fehlen)
Steuerung und Navigation
Inertiales Navigationssystem, GPS, Radarbildabgleich (DSMAC), Terrainvergleich (TERCOM) für hohe Zielgenauigkeit
Geschwindigkeit
Unterschall, ca. 880 km/h
Genauigkeit
Streukreisradius (CEP) ca. 5 Meter
Kosten
Ca. zwei Millionen US-Dollar pro Stück (Block V)
Besonderheit
Sehr präzise Angriffe aus großer Entfernung bei gleichzeitig niedriger Flughöhe, schwer abzufangen
Lieferung von Tomahawk-Raketen an die Ukraine: Frage nach geeigneten Abschussplattformen
Allerdings könnte sich die Lieferung von Tomahawk-Marschflugkörper schwierig gestalten. Laut Kyiv Independent seien die meisten Raketen für die US-Marine und andere Militäreinsätze reserviert. „Zwar herrsche kein Mangel an den Waffen, die derzeitigen Bestände seien jedoch weitgehend verplant. Stattdessen könnten andere Optionen mit kürzerer Reichweite geliefert werden“. Europäische Verbündete könnten potenziell Langstreckenwaffen kaufen und an die Ukraine weitergeben – Tomahawks seien jedoch unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht weiter.
Selbst wenn die USA Tomahawks für die Ukraine freigibt, steht die Frage offen, wie sie die Raketen abfeuert. „Die wichtigsten Abschussplattformen sind Kampfschiffe oder strategische Bomber. Wir haben keine strategischen Bomberflugzeuge“, zitiert der Kyiv independent Vadym Skibitskyi, den stellvertretenden Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes. (Quellen: Kyiv Independent, AFP, Kyiv Post, X, Fox News) (erpe)