Erneuerbare Energien

Energiewende: So gut ist Deutschland auf den E-Auto-Boom vorbereitet

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Die Rufe nach einer Energiewende in Deutschland werden lauter. Damit Zukunftshoffnungen wie die Elektromobilität wirklich klimafreundlich sind, muss sich noch etwas tun.

Berlin – Das Ölembargo gegen Russland ist nur noch eine Frage der Zeit. Und die geplante Sanktionsmaßnahme der EU gegen Russlands Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg stößt in Deutschland größtenteils auf Zustimmung. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von t-online hervor. Demnach halten 61 Prozent der Teilnehmer es für „eher richtig“, dass die Europäische Union schrittweise auf die Lieferung von russischem Öl verzichten möchte. 

Fahrzeug: Elektroauto
Aktuelles Aufkommen:618.500 Autos
Ziel: 15 Millionen bis 2030

Zustimmung gibt es auch innerhalb der Ampelregierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Allen voran gehört wohl Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zu den Befürwortern des Ölembargos. Er betont dahingehend gerne, dass das Embargo für Deutschland zwar machbar sei – aber eben auch nicht ohne Einschränkungen und Veränderungen. An der Tankstelle merken wir schon jetzt die Folgen der Krise: Die Benzin- und Dieselpreise erreichen immer wieder Rekordpreise. 

E-Auto-Boom: FDP-Verkehrsminister Volker Wissing prüft Ausweitung der Kaufprämie für Elektroautos

Ein weiterer Grund, den Ausbau der Elektromobilität voranzutreiben. Aus gutem Grund prüft Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) laut einem Bericht im Handelsblatt derzeit die Verlängerung der Kaufprämie für E-Autos. Damit wolle das Verkehrsministerium einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz tragen, heißt es. Ob es wirklich dazu kommt, ist fraglich – denn der Gegenwind ist groß. Das Klimaschutzministerium etwa beanstandet, dass die Kosten zu hoch für den zu erwartenden Umweltschutz seien. 

Deutschland muss die Handbremse im Ausbau Erneuerbarer Energien lösen.

Und die Nachfrage nach Elektroautos wächst bereits jetzt. Aktuell gibt es in Deutschland 618.500 Autos mit rein elektrischem Antrieb. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren es noch 194.200 entsprechende PKW. Die Ziele der Ampelregierung werden mit diesem Wachstum allerdings nur schwer zu erreichen sein. Denn im Koalitionsvertrag steht, dass bis 2030 rund 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Um das zu erreichen, braucht es laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mehr klimapolitische und finanzielle Anreize sowie eine bessere Infrastruktur. 

Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit starkem Anstieg des deutschen Stromverbrauches bis 2030

Und bei der Infrastruktur geht es nicht nur um den Bau neue Ladesäulen in ganz Deutschland, sondern vor allem auch um eine umweltfreundliche und konstante Stromversorgung für das ganze Land. Sprich: Den Ausbau Erneuerbarer Energien. Eine aktuelle Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt, dass der Stromverbrauch in Deutschland im Jahr 2030 auf 645 bis 665 Terrawattstunden angestiegen könnte. Im Jahr 2020, als die Coronavirus-Pandemie und der damit verbundene Lockdown die Menschen an ihr Zuhause gebunden hat, stieg der Stromverbrauch bereits stark – auf 502,6 Terrawattstunden. Laut dem Ministerium ist der zusätzliche Bedarf nur mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien zu decken. 

Einer Studie des Ariadne-Wissenschafts-Konsortiums zufolge ist das allerdings gar nicht so einfach umsetzbar. Denn im Jahr 2030 müssten dreimal so viele Wind- und Solaranlagen in Deutschland stehen, als bisher. Und der Ausbau läuft aufgrund des hohen Bürokratie-Aufwandes und der Gegenwehr von Anwohnern und Naturschützern ohnehin eher schleppend. Aktuell kommt es außerdem immer wieder zu Lieferengpässen, da die Witterungsbedingungen großen Einfluss auf die Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien haben. 

Und das ist nicht die einzige Herausforderung, vor der Deutschland beim Strom steht. Der aktuelle Strommix in Deutschland besteht zu 47 Prozent aus Erneuerbaren Energien, zu 25 Prozent aus Kohle, zu 14 Prozent aus Erdgas und zu 12 Prozent aus Kernenergie – ergänzt mit Strom aus dem Ausland. Der Ausstieg aus Kohle und Atomkraft ist bereits beschlossen, aber auch das Erdgas, das wir zum großen Teil aus Russland bekommen, steht auf wackeligen Beinen. Während der Bedarf an Elektromobilität wächst, brechen in Deutschland in den kommenden Jahren also wahrscheinlich einige Stromquellen weg. 

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will bis 2035 Strom fast ausschließlich aus Erneuerbaren Energien

Das offenbart Widersprüche in der deutschen Energiepolitik. Denn auf der einen Seite hat die Bundesregierung im Pariser Klimaabkommen das 1,5-Grad-Ziel unterzeichnet und im Koalitionsvertrag zahlreiche Maßnahmen festgelegt, die Deutschland zur Klimaneutralität im Jahr 2045 verhelfen sollen. Unter anderem den Ausbau der Elektromobilität. Auf der anderen Seite aber steht der schleppende Ausbau Erneuerbarer Energien, die fatale Abhängigkeit von ausländischer Energie und die Stromversorgung durch klimaschädliche Rohstoffe wie Kohle. 

Wenn im Jahr 2030 also wirklich 15 Millionen Elektroautos in Deutschland unterwegs sind, dann brauchen die auch zuverlässigen und klimafreundlichen Strom. Die Forderungen nach der Energiewende werden zuletzt durch den Ukraine-Krieg immer lauter. Eine Tatsache, die auch die Bundesregierung auf dem Schirm hat. Bei den jüngsten Beratungen über die „Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und weiteren Maßnahmen im Stromsektor“ kündigte Wirtschaftsminister Robert Habeck in seinem Osterpaket 2022 an, dass die Stromversorgung bereits im Jahr 2035 nahezu vollständig auf erneuerbaren Energien beruhen soll.

Um das zu erreichen, sollen Ausbaupfade und Ausschreibungsmengen für die einzelnen Technologien festgelegt und deutlich angehoben werden. Insgesamt soll die Nutzung erneuerbarer Energien attraktiver werden. Habeck nannte die Pläne die „größte Energiemarktreform seit Jahren“. 

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

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