VonKathrin Reikowskischließen
Mord durch Brandstiftung, ein totes Mädchen – Verbrechen russischer Kriegsrückkehrer sollen in russischen Medien nicht mehr erwähnt werden dürfen.
Kiew/ Moskau – „Ehemaliger Wagner-Kämpfer kehrt von einer militärischen Spezialoperation zurück und ersticht die behinderte Großmutter wegen Geldes“: Ein Artikel mit dieser Überschrift soll Mitte Oktober auf dem russischen, kremlnahen Portal Lenta.ru erschienen sein. Und es gab wohl viele ähnliche mehr, in Telegramkanälen und bei von der Regierung kontrollierten lokalen Nachrichtenagenturen. Crime sells – auch in Russland klickt man offenbar gerne auf Nachrichten von Mord und Totschlag.
Nun will das russische Exilmedium Meduza aus russischen Medienkreisen erfahren haben, dass Nachrichten wie diese künftige verboten sind. Dies konnte nicht unabhängig überprüft werden. Meduza-Chefredakteurin ist Galina Timtschenko, die zuvor bei Lenta.ru diese Position innehatte.
Ehemalige Soldaten begehen brutale Verbrechen – Armee rekrutiert auch Schwerverbrecher
Zuletzt sollen sich Vorfälle gehäuft haben, in denen etwa ehemalige Kämpfer nach ihrer Rückkehr aus dem Ukraine-Krieg brutale Verbrechen begangen haben. In russischen Medien war von Morden durch Brandstiftung, ein vierjähriges Mädchen soll von einem ehemaligen Kämpfer erschlagen worden sein.
Schon vor dem Einsatz von Schwerstverbrechern im Ukraine-Krieg war vor den möglichen Folgen gewarnt worden: Der inzwischen verstorbene Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hatte Söldner in Gefängnissen rekrutiert. Und seit Sommer 2023 soll auch die russische Armee begonnen haben, Schwerverbrecher für die Armee mit dem Versprechen auf Begnadigung zu rekrutieren.
„Damit sie keine Angst vor ihnen haben“ – Berichte über russische Ex-Soldaten ändern sich
Zwei Quellen aus Kreml-Kreisen hätten gegenüber Meduza gesagt, dass es nun eine neue Anweisung an kremltreue Medien gäbe: Keine Berichte mehr über Verbrechen von Ex-Kämpfern. Die neuen Beschränkungen seien notwendig, „damit die Russen Kämpfer nicht als potenzielle Kriminelle betrachten und keine Angst vor ihrer Rückkehr haben“, soll eine der Putin-Regierung nahestehende Quelle demnach gesagt haben.
Verständige Journalisten hätten schon vor der neuen Order darauf geachtet, Verbrechen von Rückkehrern aus dem Ukraine-Krieg nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Stimmen die Informationen, dann dürften die Russen in Zukunft mehr Berichte wie diese lesen: Russische Ex-Soldaten, die ihre Töchter vor der Schule mit Blumen überraschen, oder Mutter und Schwiegermutter ein Bouquet von der Front mitbringen. (kat)
