VonChristina Denkschließen
Wladimir Putin hat im Ukraine-Krieg bereits viele Offiziere entlassen. Folgt nun sein Verteidigungsminister und Vertrauter Schoigu? Es wird bereits über einen konkreten Nachfolger spekuliert.
Update vom 26. Juni, 15.45 Uhr: Erstmals nach dem Ende des bewaffneten Aufstands von Wagner veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium ein 47 Sekunden langes Video, das den russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu bei der Inspektion von Truppen der West-Kampfgruppen der russischen Armee zeigen soll. Im Hintergrund des Aufstands stand Schoigu besonders im Fokus, da Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin seine Entlassung forderte. Offenbar sollte das Video die Spekulationen beseitigen, ob Kreml-Chef Wladimir Putin Prigoschins Forderung womöglich akzeptiert hat.
Doch russische Militärblogger sind skeptisch darüber, ob der angebliche Besuch von Schoigu in ein Kampfgebiet in der Ukraine auch tatsächlich stattgefunden hat. „Ach und ja, das Video der Arbeitsreise des Verteidigungsministers zur West-Truppengruppe ist eine Konserve“, schrieb etwa der Blogger „Rybar“ mit mehr als 1,2 Millionen Abonnenten im Kurznachrichtendienst Telegram. Ihm werden immer wieder Verbindungen zu russischen Sicherheitsquellen nachgesagt. Das russische Verteidigungsministerium machte keine Angaben dazu, wo und wann die Aufnahme von Schoigu entstanden ist. Militärblogger gehen davon aus, dass es sich nicht um ein neues Video handelt.
Erstmeldung vom 26. Juni: Moskau – Nach dem beendeten Putschversuch der Wagner-Gruppe gibt es Spekulationen in Russland. Wird Wladimir Putin personelle Konsequenzen ziehen? Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den Verteidigungsminister und engen Vertrauten Putins: Sergei Schoigu. Schon länger gibt es Kritik an seiner Kriegsführung in der Ukraine. Könnte Putin seinen Vertrauten entlassen? Ein Sprecher des Kremls gibt erste Hinweise.
Verteidigungsminister Schoigu: Einst enger Vetrauter Putins – doch Putin zeigte ihm die kalte Schulter
In den letzten Monaten sah sich Verteidigungsminister Sergei Schoigu zunehmend unter Druck, nachdem der Ukraine-Krieg langsamer verlaufen war, als offenbar von russischer Seite erhofft. Zusätzliche Kritik kam immer wieder vonseiten der Wagner-Gruppe. Wagner-Chef Prigoschin warf Schoigu vor, seine Truppen nicht richtig zu führen, zu wenig Munition zu liefern oder feige in der Kriegsführung zu sein. Auch der Putschversuch am Wochenende soll damit zusammenhängen, schätzt Pierre Razoux, französischer Verantwortlicher für den Mittelmeerdialog, laut Moscow Times die Lage ein. Prigoschin habe die Nachricht senden wollen, dass Schoigu „entlassen werden muss, weil er inkompetent ist“. Eine Nachricht, die Putin ernst nehmen wird?
Sergei Schoigu: Ein Vertrauter Putins
Sergei Schoigu wurde lange als politischer Verbündeter Putins gesehen. 2012 holte Putin den 68-Jährigen, der bereits seit den 1990er Jahren in der Politik tätig ist, in die Position des Verteidigungsministers. Zu seinem 65. Geburtstag bekam er von Putin eine der höchsten Auszeichnungen Russlands, die Medaille „Für Verdienste um das Vaterland“. Zeitweise wurde Schoigu sogar als möglicher Nachfolgekandidat Putins gehandelt.
Auch abseits der politischen Geschäfte zählt Schoigu zu den wenigen Freunden des russischen Machthabers in der Elite Russlands. Der Verteidigungsminister organisiert für den Präsidenten seit Jahren gemeinsame Abenteuertouren in den Wäldern und Bergen Sibiriens.
Auch zwischen dem Machthaber und seinem Verteidigungsminister selbst soll es zuletzt gekriselt haben. Zumindest wurde so ein Auftritt der beiden bei einem Pressetermin vor ein paar Wochen gewertet. Videos des Termins zeigten, wie Putin Schoigu quasi zur Seite schob und sich wegdrehte. Was wirklich hinter der Geste steckt, lässt sich nicht bestätigen. Doch Spekulationen kamen sowohl damals als auch nun nach dem Putschversuch auf.
Verteidigungsminister Schoigu: Spekulationen über Nachfolger
Russische Telegram-Kanäle, Medien und Kommentatoren mutmaßen, dass Putin Schoigu durch Alexej Dyumin, den Gouverneur der Region Tula, ersetzen könnte, berichtet AP News. Er war zuvor als Putins Leibwächter und dann als stellvertretender Verteidigungsminister tätig. Jedoch merkten sie an, dass Putin, der im Ukraine-Krieg bereits zahlreiche hohe Militärs entlassen hat, es vermeidet, unter Druck Entscheidungen zu treffen. Es wird erwartet, dass der russische Präsident mit der Entscheidung noch abwartet.
Auf die Frage, ob Putin noch Vertrauen in Schoigu habe, antwortete ein Sprecher des Kremls am Samstag zudem, ihm seien keine Änderungen in der Haltung des Präsidenten bekannt. Personelle Entscheidungen würde Putin jedoch alleine treffen. Sie wurden daher nicht bei den Gesprächen am Samstag erwähnt. Putin selbst ist sich seit dem Putschversuch des Wagner-Chefs noch nicht öffentlich aufgetreten. Ebenso wurde Prigoschin selbst seit seinem Aufbruch ins Exil in Belarus nicht mehr gesehen. (chd)
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