„Russische Ermittlungen“

Nach Prigoschins Tod: Kreml holt zum Rundumschlag aus

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Im Fall des bei einem Flugzeugabsturz getöteten Söldner-Chefs Jewgeni Prigoschin weist der Kreml um Wladimir Putin weiter jede Schuld von sich.

Moskau – Nachdem der Chef der Wagner-Gruppe Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, weist der Kreml jede Schuld von sich. Am Mittwoch räumte Moskau ein, dass es sich bei dem Unglück möglicherweise nicht um einen Unfall handeln könnte – über mögliche Verursacher sei jedoch noch nichts bekannt.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte: „Es ist offensichtlich, dass verschiedene Versionen in Betracht gezogen werden“, darunter auch eine „vorsätzliche Gräueltat“. Peskow ergänzte: „Warten wir die Ergebnisse unserer russischen Ermittlungen ab.“

Nach Tod von Jewgeni Prigoschin: Kreml weist Schuld von sich - und teilt aus

Unklar ist derweil noch, wem der Kreml die Schuld zuweisen wird. Es gab aber, so berichtet die US-amerikanische Seite The Daily Beast, Hinweise darauf, dass Moskau versuchen könnte, dem Westen die Schuld an Prigoschins Tod zu geben. Auch auf X, dem ehemaligen Twitter, machte eine russische Troll-Armee Stimmung gegen die Ukraine und westliche Staaten in Bezug auf Prigoschin.

Wagner-Chef Prigoschin und mehrere Mitglieder der Söldner-Armee befanden sich am 23. August auf einem Flug von Moskau nach St. Petersburg, als der Privatjet abstürzte. Der Vorfall ereignete sich zwei Monate, nachdem Prigoschin eine Meuterei in Russland angezettelt hatte. Beobachter halten das Szenario für realistisch, dass Russlands Präsident Wladimir Putin Rache geübt haben könnte.

Nach Prigoschins Tod: Kreml verwässert Aufklärung – und will so Verwirrung säen

Die Lancierung der Version der Geschichte, jemand anderes als Russland stecke hinter dem Versuch, Prigoschin zu töten, sei ein klassischer Versuch, die öffentlichen Diskussion insofern zu verunsichern, dass unklar sei, was die Wahrheit ist, sagte Larry Pfeiffer, ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses und Stabschef des CIA-Direktors, gegenüber The Daily Beast. Und weiter in Richtung Russland: „Für sie ging es schon immer um plausible Bestreitbarkeit. Sie wollen in der Lage sein, genügend Zweifel zu säen.“ Das verursache Chaos und Verwirrung.

John Herbst, ehemaliger Botschafter der USA in der Ukraine, sagte der Seite: Obwohl es so aussehe, als ob Putin der Mann hinter dem Auftragsmord war, will er wahrscheinlich nicht den vollen Ruhm für sich beanspruchen, um seinen Ruf in der Heimat zu wahren.

Prigoschin stirbt bei Flugzeug-Katastrophe – Bilder vom Unglücksort

Söldnerführer Prigoschin offenbar bei Flugzeugabsturz getötet
Flüge unternahm Jewgeni Prigoschin mit seinem Privatjet. Jetzt ist er bei einem Absturz seiner Embraer Legacy 600 getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin bestätigte dessen Tod. © picture alliance/dpa/Luba Ostrovskaya/AP
Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahe steht, und soll Prigoschins Privatjet zeigen, der vom Himmel fällt.
Am Mittwochabend (23. August) fiel die Maschine auf dem Weg von Moskau nach Sankt Petersburg vom Himmel. Das Bild stammt vom Telegram-Kanal Grey Zone, der Prigoschin nahesteht. © IMAGO/Gray_Zone
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt.
„Ostoroschno Nowosti“ veröffentlichte ein Bild aus einem Video, das die Absturzstelle in der Nähe des Dorfes Kuschenkino in der Region Twer zeigt. © picture alliance/dpa/Ostorozhno Novosti/AP
Offenbar ist der Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es wird über einen Doppelgänger spekuliert.
Noch am Abend meldete die russische Luftfahrtbehörde, dass Prigoschin im Unglücksflieger saß. Sein Tod wurde einen Tag später bestätigt.  © Lev Borodin/IMAGO
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig.
Das Wrack, in dem zehn Menschen starben, brannte völlig aus. © picture alliance/dpa/Investigative Committee of Russia/XinHua | Uncredited
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld.
Die Absturzstelle gut 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gleicht einem Trümmerfeld. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet.
Teile liegen verstreut nahe einem Waldgebiet. © IMAGO/SNA
Ein Trümmerteil liegt auf dem Boden.
Dass es sich einmal um ein Flugzeug handelte, ist kaum zu erkennen. © IMAGO/Vitaliy Shustrov
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.
Russische Ermittler beginnen vor Ort mit der Untersuchung des Unglücks.  © picture alliance/dpa/AP | Alexander Zemlianichenko
Die Toten werden zur Untersuchung in eine Halle nach Twer gebracht.
Die Toten werden abtransportiert. © picture alliance/dpa/AP | Uncredited
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.
In dieses Gebäude der Gerichtsmedizin der Region Twer wurden die Körper offenbar zur Untersuchung gebracht.  © IMAGO/Petrov Sergey
Ein Mann legt Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder.
Noch am Abend des Absturzes werden in einigen Städten Russlands Gedenkstätten eingerichtet. Hier legt ein Mann Blumen in Prigoschins Geburtsstadt Sankt Petersburg nieder. © IMAGO/Alexander Galperin
Prigoschin und Kreml-Chef Putin
Prigoschin galt lange als Vertrauter Putins (r.). Bevor er den Kremlchef kennenlernte, war er ein Krimineller und verbüßte eine langjährige Haftstrafe. © Alexei Druzhinin/dpa
Prigoschin und Putin
Nach seiner Entlassung eröffnete er Restaurants in Sankt Petersburg und lernte Putin kennen, der ebenfalls aus der Stadt kommt. © Alexey Druzhinin/AFP
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf.
In der Folge erhielt Prigoschins Cateringfirma „Konkord“ viele öffentliche Aufträge, was ihm letztlich zu Reichtum verhalf. © IMAGO / ITAR-TASS
Die berüchtigten Wagner-Söldnertruppen haben, im Kommando von Jewgeni Prigoschin und im Namen Russlands, sich am Ukraine-Krieg beteiligt. Den sehr wahrscheinlichen Tod von Putins Wagner-Chef nehmen in der Ukraine viele Menschen mit Freude wahr.
Ab 2013 begann Prigoschin, das private Sicherheits- und Militärunternehmen Gruppe Wagner zu formen. Die Söldnertruppe war im Auftrag der Regierung weltweit tätig und setzte russische Interessen durch. © Uncredited/Prigozhin Press Service/AP/dpa/Archiv
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützen russische Truppen auch im Ukraine-Krieg.
Kämpfer der Wagner-Gruppe, die berüchtigt für ihre brutalen Methoden sind, unterstützten russische Truppen auch im Ukraine-Krieg. Doch spätestens am 23. Juni 2023 war das Tischtuch zwischen Putin und Prigoschin zerschnitten.  © IMAGO/RIA Novosti
Wagner-Söldner in Rostow am Don.
Nachdem er zuvor im Ukraine-Krieg die russische Militärführung bereits mehrfach scharf kritisiert hatte, befahl Prigoschin an jenem Tag einen Aufstand gegen die russische Regierung. Wagner-Söldner marschierten Richtung Moskau. © IMAGO/Vladimir Konstantinov
Kämpfer der Wagner-Gruppe verlassen Rostow am Don.
Nur einen Tag später brach Prigoschin nach Vermittlung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko den Aufstand wenige Hundert Kilometer vor Moskau ab. © IMAGO/Sergey Pivovarov
Prigoschin
Der Wagner-Boss ging ins Exil nach Weißrussland. Jetzt starb er im Alter von 62 Jahren. Nicht wenige vermuten, dass sich Putin für Prigoschins Illoyalität rächte. © -/AP/dpa

Viele Russen haben Prigoschin in den vergangenen Tagen gedacht und Blumen an seinem Grab in St. Petersburg niedergelegt. Putin ist sich wahrscheinlich bewusst, dass der Wagner-Chef bei vielen Russen beliebt war. Diesen Teil der Bevölkerung will er nicht verprellen, indem er die Verantwortung für Prigoschins Tod übernimmt, glaubt Herbst. Seine Taktik: die Öffentlichkeit weiter im Unklaren lassen, so könnte die Aufmerksamkeit von ihm abgelenkt werden.

Kreml sendet Botschaft: Nicht mit Putin anlegen

Hinter den Kulissen bleibt die Botschaft diese: Lege dich nicht mit Putin an. Es gebe in Russland den Versuch, „bestimmten Kreisen deutlich zu machen, dass man Putin nicht in die Quere kommen kann. Prigoschin hat den Preis dafür bezahlt“, so Herbst. Ob der Kreml irgendwann einen Verantwortlichen präsentieren wird, ist noch unklar.

Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Rede am 21. August 2023.

Für Putin könnte es auch von Vorteil sein, die Öffentlichkeit nie darüber vermeintlich aufzuklären. „Die Hauptsache ist, dass es all diese verschiedenen Möglichkeiten gibt, um Zweifel zu säen. Wenn man mehrere Möglichkeiten hat, ist es einfacher, nicht reagieren zu müssen“, so Herbst: „Putin lebt – er gedeiht sogar in dieser Welt der Zweideutigkeit.“ (fmü)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Klimentyev/ITAR-TASS

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