Scharfe Kritik an Israel wegen Aushungerns der Bevölkerung in Gaza
VonErkan Pehlivan
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Israel sieht sich für seine Handlungen im Gazastreifen massiver werdender Kritik gegenüber. Sogar im eigenen Land wird nun von Völkermord gesprochen.
Jerusalem – Durch israelische Militäroperationen ist die Lage im Gazastreifen weiterhin dramatisch. Den Menschen fehlt es an allem und nicht nur die UN schlagen Alarm. „Das Worst-Case-Szenario spielt sich derzeit im Gazastreifen ab“, teilt das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA über X mit. Die israelische Menschenrechtsorganisation B´Tselem wirft Israel vor, im Gazastreifen bewusst katastrophale Lebensbedingungen geschaffen zu haben.
„Hunger ist zu einer expliziten Kriegsmethode geworden. Er wird durch die Blockierung humanitärer Hilfe, die Zerstörung der Nahrungsmittelinfrastruktur und die Bombardierung von Verteilungszentren umgesetzt. Fast alle Bewohner des Gazastreifens leiden unter schwerem Hunger“, heißt es, und die Menschenrechtsorganisation kommt zu dem Fazit: „Wenn diese Praktiken gemeinsam, offen und über viele Monate hinweg durchgeführt werden, ist das Ergebnis klar. Das ist Völkermord, und er geschieht jetzt. Wir müssen ihm ein Ende setzen.“
Grossman wirft Israel ebenfalls Völkermord vor
Zu dem selben Ergebnis im Interview mit der italienischen Zeitung La Republica kommt auch der weltbekannte und preisgekrönte israelische Schriftsteller David Grossman. Israel begehe im Gazastreifen einen Völkermord. „Viele Jahre lang habe ich mich geweigert, dieses Wort zu benutzen. Aber jetzt, nach den Bildern, die ich gesehen habe, nach dem, was ich gelesen habe und was ich von Menschen gehört habe, die dort waren, kann ich mich nicht mehr zurückhalten, es zu sagen“, erklärt der Schriftsteller gegenüber dem Blatt.
Human Right Watch (HRW) geht mit Israel ebenfalls hart ins Gericht. „Die katastrophale humanitäre Lage ist eine direkte Folge von Israels Einsatz von Aushungerung der Zivilbevölkerung als Kriegswaffe – ein Kriegsverbrechen – sowie der fortgesetzten vorsätzlichen Vorenthaltung von Hilfe und grundlegenden Diensten, was dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Vernichtung gleichkommt, sowie Handlungen des Völkermords“, schreibt die HRW in einem Bericht. „Die humanitäre Krise sei das direkte Ergebnis der israelischen Politik der Aushungerung als Kriegswaffe, der systematischen Verweigerung von Hilfeleistungen sowie von Maßnahmen, die als Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gelten“, warnen die Experten von GHF.
Netanjahu weist Vorwürfe des Aushungerns zurück
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weist die Vorwürfe von nationalen und internationalen Organisationen zurück. „In Gaza gibt es keine Hungersnot, es wird dort keine Hungerpolitik betrieben, und ich versichere Ihnen, dass wir uns verpflichtet fühlen, unsere Kriegsziele zu erreichen“, sagte Netanjahu bei einer Pressekonferenz am Montag. Israel werde weiterkämpfen bis zur Befreiung der Geiseln und die Zerstörung der militärischen und staatlichen Kapazitäten der Hamas erreichen. „Sie wird nicht mehr existieren.“
Bundesregierung plant mehr humanitäre Hilfe für Gazastreifen
Die Appelle zahlreicher nationaler und internationaler Organisationen und die Bilder hungernder Kinder scheinen nun auch in Deutschland zu wirken. Deutschland will in Zukunft mehr humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen leisten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilte mit, dass die Bundesregierung weiter an der Ermöglichung von Hilfslieferungen über den Landweg arbeite. Am Freitag hatte die Bundeswehr damit begonnen, Hilfsgüter über dem Gazastreifen abzuwerfen. Bei den ersten beiden Flügen wurden laut Auswärtigem Amt 34 Paletten mit insgesamt knapp 14 Tonnen Nahrungsmitteln und medizinischen Hilfsgütern abgeworfen.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
6000 Lastwagen mit Hilfsgütern dürfen nicht in den Gazastreifen
Hilfsorganisation kritisieren jedoch solche Luftbrücken als ineffizient und gefährlich und fordern stattdessen Hilfslieferungen über den Landweg. Der Chef des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, erklärte im Onlinedienst X, diese sogenannten Airdrops würden die „sich verschlimmernde Hungersnot“ nicht beenden. Sie seien „teuer, ineffizient und könnten ausgehungerte Zivilisten sogar töten“. Knapp 6000 Laster mit Hilfsgütern stünden an der Grenze bereit und warteten auf Erlaubnis der israelischen Regierung, in den Gazastreifen zu fahren. (erpe/AFP)
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