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Der Machtkampf zwischen Prigoschin und Schoigu um Putins Wohlwollen hat eine neue Stufe erreicht – mit Auswirkungen für die Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg.
München – Kommt es zu Eskalation zwischen den verschiedenen Kreml-Strömungen im Ukraine-Krieg? Oder will Putin selbst den Chef der Wagner-Gruppe loswerden? Indizien sprechen jedenfalls dafür. Immerhin scheint Russlands Verteidigungsministerium nun der Wagner-Gruppe von „Putins Koch“ Jewgeni Prigoschin die Munition an der Front in der Ukraine zu streichen.
Diesen Vorwurf muss sich das Putin-Ministerium allerdings nicht von einem westlichen Geheimdienst gefallen lassen, sondern vielmehr von Prigoschins Wagner-Gruppe selbst, die laut eigenem Statement wohl zehn Millionen US-Bewerbungen vorliegen haben. In einem veröffentlichten Video greifen die Wagner-Söldner von Putins Koch mit sarkastischen Bemerkungen Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu zumindest direkt an.
Machtkampf im Kreml: Wagner-Söldner betteln um Munition im Ukraine-Krieg
„Im Moment sind wir völlig von der Munitionsversorgung abgeschnitten“, bettelten die Wagner-Söldner, die offenbar auch nicht davor zurückschrecken, eigene Kommandanten hinzurichten. „Wir appellieren an unsere Kollegen und Freunde im Verteidigungsministerium. Wir sind sicher, dass ihr irgendwo in euren Lagern Munition habt“, heißt es weiter im Appell der Wagner-Söldner, die an Putins Verteidigungsministerium und dessen Minister Schoigu. „Aber wir brauchen sie dringend. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns helfen und diese Munition liefern könnten. Wir werden die Arbeit für Sie tun, wir werden die Arbeit tun. Helfen Sie uns mit der Munition.“
Putins Koch wittert Verschwörung im Kreml: „Korrupte Bürokraten“ wollen „Gruppe Wagner den Garaus machen“
Eine Reaktion von Putins Koch Prigoschin, vor dem die Angst im Kreml wächst, ließ aufgrund des Flehens seiner Wagner-Söldner, die ihre Rekruten „buchstäblich in einen Fleischwolf“ werfen, nicht lange auf sich warten. Über den Nachrichtendienst Telegram hagelt es vonseiten des Wagner-Chefs zunächst homophobe Beleidigungen, die direkt an den Verteidigungsminister Schoigu gerichtet waren. In der Folge beschimpfte er die „korrupten Bürokraten“ in Moskau, die den Versuch unternehmen würden, „der Gruppe Wagner den Garaus zu machen.“
Prigoschin, der offensichtlich eine Verschwörung im Kreml wittert, sprang seinen Söldner-Soldaten beim Nachrichtendienst Telegram verbal zu Seite und lobte ihren Kampfgeist und Siegeswillen. „Ob mit oder ohne Munition, der Feind kann uns nicht vernichten“, sagte der Wagner-Chef weiter.
Wagner-Gruppe bettelt um Munition im Ukraine-Krieg: Putins Bluthund Kadyrow hilft Prigoschins Söldnern
Nach Aussage eines russischen Militärbloggers, die sich aber nicht unabhängig verifizieren lassen, scheint nun aber „Putins Bluthund“ der Wagner-Truppe aus der Patsche zu helfen. Demnach habe der Feldkommandeur von Ramsan Kadyrow, der weder für eine Drohung in Richtung Deutschland noch für eine klare Ansage zum Ende des Ukraine-Kriegs zu schade ist, „nach einem Treffen mit Prigoschin eine Ladung Granaten übergeben“. Das berichtet der Blogger weiter, der sich nach eigenen Angaben bei den Wagner-Söldnern im Osten der Ukraine aufhält.
Der Munitionsmangel der Wagner-Söldner, die wohl auf einen der eigenen Kommandeure eingeschlagen haben, könnte ein Grund für die stockende Offensive in Bachmut sein. Der Misserfolg dort könnte Wladimir Putin einen weiteren Grund liefern, die Söldner-Gruppe von Putins Koch zunehmend ins politische Abseits zu stellen.
Machtkampf im Kreml: Will Putin den Wagner-Chef Prigoschin ausbooten?
Seit Monaten schwellt ein interner Konflikt zwischen der regulären Streitkräfte der russischen Armee unter Schoigu und der Wagner-Truppe von Prigoschin. Beide Truppen buhlen um die Gunst von Wladimir Putin im Ukraine-Krieg. In der aktuellen Lage scheint allerdings der Verteidigungsminister im tobenden Machtkampf in Russland die Oberhand zu gewinnen, während die Wagner-Truppe, deren Söldner die Grausamkeit an der Front schildern, zunehmend das Nachsehen hat. Ein Umstand, der deutlich macht, auf welche Seite der Machthaber im Kreml wohl steht.
Eine weitere Rolle für den Abstieg der Wagner-Söldner im Ukraine-Krieg könnte auch die Tatsache spielen, dass sich hartnäckige Gerüchte über eine mögliche Verschwörung von Prigoschin, Kadyrow und Sergej Surowikin, dem zwischenzeitlichen Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, halten. Wie die Bild berichtet hatte, wollten die drei Putin-Schergen wohl die Macht im Verteidigungsministerium an sich reißen. Der Putsch-Versuch wurde wohl aber vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB aufgedeckt.
Prigoschin im Abseits: Putins Koch darf keine Häftlinge mehr für Wagner-Gruppe rekrutieren
Da passt auch ins Bild, dass Prigoschin wohl eine weitere wichtige Nachschublinie für den Krieg in der Ukraine gekappt wurde. Denn scheinbar wurde Putins Koch auf Willen des Kreml die Rekrutierung von Häftlingen für seine Wagner-Gruppe untersagt, was eine öffentliche Tirade von Prigoschin gegen Schoigu zur Folge hatte.
Ein weiteres Indiz dafür, dass Prigoschin den Halt im Kreml verliert. Weshalb die Söldner von Putins Koch nicht nur ohne Munition an der Front dastehen, sondern ihnen auch die Grundlage genommen wurde, um ihre hohen Verluste an der Front im Ukraine-Krieg auszugleichen, während Russlands Armee wohl selber das „Kanonenfutter“ rekrutiert. (mst)
