VonAndreas Schmidschließen
Was kann man alles in 26 Sekunden erledigen? Ein spanisches Dorf hat in dieser Zeit sämtliche Stimmen zur Wahl 2023 abgegeben. Es waren aber auch nicht viele.
Madrid – Kuriose Randgeschichte zur Spanien-Wahl. Das winzige Dorf Villarroya in der nordspanischen Provinz La Rioja setzt auf Tempo: Binnen 26 Sekunden hatten alle Wahlberechtigten in dem Dorf ihre Stimme zur Parlamentswahl abgegeben, berichtet das staatliche Fernsehen RTVE. Ein neuer Rekord.
Sieben Wahlberechtigte sind in dem Ort gemeldet, bei den Landtags- und Kommunalwahlen am 28. Mai 2023 waren die Stimmzettel binnen 29 Sekunden in der Wahlurne, bei der Parlamentswahl 2019 binnen 32 Sekunden.
Spanien wählt ein neues Parlament
In Spanien läuft seit Sonntagmorgen die vorgezogene Parlamentswahl. Rund 37,5 Millionen Menschen sind bis 20 Uhr aufgerufen, 350 Abgeordnete und 208 Senatoren zu wählen. Umfragen deuteten auf einen Rechtsruck hin, ein Bündnis aus der konservativen Partei Partido Popular (PP) und der rechtsextremen Partei Vox könnte demnach die Minderheitsregierung des Sozialdemokraten Pedro Sánchez ablösen.
Spanien-Wahl: Umfragen deuten Rechtsruck an
Alle bis Montag veröffentlichten Meinungsumfragen deuteten auf einen Sieg der PP um ihren Parteichef Alberto Núñez Feijóo hin. Da ab fünf Tage vor der Wahl keine neuen Umfragen veröffentlicht werden dürfen, gelten die Vorhersagen jedoch als unzuverlässig. Feijóo bräuchte 176 Sitze, um die absolute Mehrheit im Parlament zu erhalten und damit die Möglichkeit, allein zu regieren. Erreicht er diese nicht, ist die rechtsextreme Vox ist der einzige potenzielle Regierungspartner.
Feijóo hatte am Freitag in einem Interview der Zeitung El Mundo eingeräumt, dass eine Koalition mit Vox „nicht ideal“ sei. Vox prangert einen „Klimafanatismus“ an und positioniert sich gegen Abtreibungen sowie mehr Rechte für Angehörige sexueller Minderheiten.
| Abstimmung | Parlamentswahl in Spanien |
|---|---|
| Datum | 23. Juli 2023 |
| Öffnungszeiten der Wahllokale | 9 bis 20 Uhr |
| Anzahl der Wahlberechtigten | 37,4 Millionen |
| Gewählte Kammern | Abgeordnetenhaus und Senat |
| Legislaturperiode | Vier Jahre |
Die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) von Sánchez regiert Spanien seit 2018, seit Januar 2020 in einer Minderheitskoalition mit der Linkspartei Podemos, die aus der Protestbewegung gegen die Sparpolitik hervorgegangen war. Ende Mai, wenige Stunden nach der schweren Schlappe seiner Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen, hatte Sánchez die vorgezogenen Neuwahlen angekündigt.
Sollte es tatsächlich zu einem Regierungswechsel kommen, könnte erstmals seit dem Ende der Franco-Diktatur vor fast einem halben Jahrhundert in Spanien erstmals wieder die extreme Rechte an die Macht kommen. Alle Infos zur Spanien-Wahl im News-Ticker. (as/AFP)
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