Spanien-Wahl: Neue Umfrage zeigt Rechtskonservative im Aufwind nach TV-Duell
VonChristina Denk
schließen
Nach dem TV-Duell rücken die Wähler in Spanien weiter Richtung rechtskonservative Parteien. Einige Umfragen prognostizierten bereits die absolute Mehrheit.
Madrid – In weniger als zwei Wochen wird in Spanien ein neues Parlament gewählt. Immer deutlicher zeichnet sich der Aufwind der rechtskonservativen Parteien ab. Das TV-Duell der beiden stärksten spanischen Parteien scheint diesen Trend nur noch bestätigt zu haben. Laut einer Umfrage fiel der Stimmenzuwachs der Regierungspartei schlechter als bei der rechten Vox-Partei aus.
Spanien-Wahl: Umfrage zeigt stärksten Stimmenzuwachs bei den Rechtskonservativen
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez machte bei der TV-Debatte mit Herausforderer Alberto Núñez Feijóo keine gute Figur. So urteilten die spanischen Medien am Dienstag (11. Juli). „Der Präsident wirkte zu nervös und angespannt“, kommentierte die Zeitung La Vanguardia. Auch in einer NC-Report-Umfrage, die das europäische Nachrichtenportal EurActiv zitiert, sehen 57 Prozent der Befragten Feijóo als den Sieger der Debatte. Für Sanchez wäre das Duell die Gelegenheit gewesen, den aktuellen Umfragerückstand auf die konservative Oppositionspartei zu verkürzen. Doch die Umfragen zeigen das Gegenteil.
Laut der NC-Report-Umfrage für La Razón, hat sich das TV-Duell direkt auf die Wählerstimmen ausgewirkt. 1,2 Millionen Bürger (3,2 Prozent) würden ihre Stimme nach dem Fernseh-Auftritt anders vergeben als zuvor. 40 Prozent der Wechsler wollen zur konservativen PP umschwenken. Insgesamt haben die Parteien wie folgt Stimmen gewonnen.
Stimmenzuwachs nach TV-Duell laut NC-Umfrage:
Partei
Stimmenzuwachs
PP: Konservativ (Alberto Núñez Feijóo)
+ 500.000
Vox: Rechtsextrem
+ 152.000
PSOE: Sozialdemokratisch (Pedro Sánchez)
+ 150.000
Sumar: Bündnis linker Parteien
+ 80.000
Spanien-Wahl: Dem Land droht ein Rechtsruck – Umfragen bereits mit absoluter Mehrheit
Damit führt die PP-Partei von Alberto Núñez Feijóo weiterhin die Liste an. Wenn die Werte so bleiben, dürfte sie am 23. Juli also die regierende PSOE von Sánchez als stärkste Kraft ablösen. Eine absolute Mehrheit wird die Partei aber verfehlen. Nur mit Vox könnte es rechnerisch für eine Regierungsmehrheit reichen.
Spanien-Wahl 2023: Sánchez setzt alles auf eine Karte - Rechtsruck droht
Das zeigt auch eine Umfrage von 40dB für El País, die EurActiv zitiert. Demnach kämen PP und Vox aktuell auf etwa169 Sitze, nur sieben Sitze weniger als die absolute Mehrheit (176 von 350 Sitzen). PSOE und Sumar kämen hier zusammen wieder auf 150 Sitze. Andere Umfragen sagten dem PP-Vox-Bündnis bereits bis zu 180 Sitze zu – die absolute Mehrheit.
Aktuelle Durchschnitts-Umfragewerte der stärksten vier Parteien laut PolitPro:
Partei
Prozent (Stand: 13.Juli)
PP
33,4
PSOE
27,6
Vox
13,5
Sumar
13,3
Sollte das Bündnis zwischen PP und Vox zustande kommen, würde eine rechtspopulistische Partei, die der AfD in Deutschland ähnelt, die Regierungspolitik mitbestimmen. Ginge es nach Vox, würde das bisher der EU sehr positiv gegenüberstehende Spanien in das Lager von Ländern wie Polen oder Ungarn wechseln – ein Rechtsruck für Spanien. In einigen Regionen Spaniens hat Vox bereits Regierungsverantwortung, auch zusammen mit den Konservativen.Seit den Regionalwahlen im Juni regiert ein solches Bündnis in Valencia. (chd/dpa)