Am Montagabend diskutierte Spaniens Regíerungschef Pedro Sánchez im TV-Duell mit seinem konservativen Herausforderer Alberto Núñez Feijóo. Dabei ging es ordentlich zur Sache.
Madrid – Am 23. Juli finden in Spanien Wahlen statt. Beim TV-Duell zwischen den Spitzenkandidaten kocht die Stimmung hoch. Politico berichtete von einem „Schreiduell“ zwischen den Kandidaten. Die Regierungsparteien hatten zuvor eine Schlappe bei den Regionalwahlen erlitten. Sánchez rief daraufhin Neuwahlen aus.
Schon die Voraussetzungen für das TV-Duell sprachen nicht für eine produktive Debatte. Sánchez hatte sechs Duelle vorgeschlagen, sein Gegner ließ sich aber nur auf eines ein. Umfragen setzen Sánchez vor dem TV-Duell zusätzlich unter Druck. Núñez Feijóos konservative Partei PP liegt aktuell vorn und würde so die PSOE, Sánchez Partei, als stärkste Kraft in Spanien ablösen. Für eine Mehrheitsbildung wäre die PP aber auf eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen Vox-Partei angewiesen. Um gemeinsam gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung von Vox vorzugehen, hat sich in Spanien ein neues Linksbündnis gebildet.
TV-Duell vor Spanien-Wahl: Sánchez nicht souverän
Die Chance, sich zu behaupten und Wähler:innen auf seine Seite zu ziehen, nutzt der Regierungschef laut verschiedenen spanischen Medienberichten im entscheidenden TV-Duell nicht genug. Die linke Zeitung El País schreibt, Sánchez wirke „nicht wie ein Premierminister“ und versuche nur verzweifelt, ein paar Argumente durchzubringen. Sánchez wird als defensiv beschrieben. Vor dem TV-Duell waren ihm eigentlich gute Chancen ausgerechnet worden.
Die Diskussion eskaliert rund um mögliche Koalitionspartner nach den Wahlen. Sánchez wirft Núñez Feijóo sein Anbiedern mit Rechtsextremen vor. „Mit den beschämenden Regierungsverträgen, die Sie mit Vox geschlossen haben, haben Sie sich dem Sexismus ergeben.“, betont er. Vox will unter anderem LGBTQIA+-Rechte in Spanien zurücknehmen.
Spanien-Wahl 2023: Sánchez setzt alles auf eine Karte - Rechtsruck droht
In einigen Regionen Spaniens hat Vox bereits Regierungsverantwortung. Die Partei wird sowohl inhaltlich als auch in ihrem Auftreten häufig mit der AfD verglichen. Beide Parteien konnten in letzter Zeit Wahlen für sich entscheiden. Der Unterschied: Die Konservative PP in Spanien scheut sich nicht vor Koalitionen mit den Rechtsextremen. Seit den Regionalwahlen im Juni regiert ein solches Bündnis in Valencia.
Núñez Feijóo schießt gegen Sánchez‘ Zusammenarbeit mit Separatist:innen. Er macht Sánchez‘ Aussagen zur vergleichsweisen guten wirtschaftlichen Lage zunichte und lässt generell kein gutes Haar an der Regierungsarbeit der letzten Jahre. Sánchez verlässt sich auf die modernen Werte seines Landes. „Wir werden die Wahl gewinnen, denn Spanien wird nicht zulassen, dass Sie und Vox uns in eine Zeitmaschine stecken und uns an einen Ort von wer weiß wo zurückbringen.“ Ob Sánchez damit Recht behält, wird die Wahl am 23. Juli zeigen. (Judith Goetsch/dpa)