Den Haag prüft Gräueltaten

Krieg im Sudan: Warnung vor einem Völkermord in Darfur

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Fachleute verweisen auf historische Parallelen zwischen dem Konflikt im Westsudan im Jahr 2004 und dem Kampf zwischen Rebellen und Regierungstruppen heute.

Darfur – Wer aus aktuellem Anlass im Bericht der wissenschaftlichen Dienste des Bundestages aus dem Jahr 2006 zur Lage in Darfur nachschlägt, kann Folgendes lesen: „Der Konflikt in der westsudanesischen Region Darfur wurde lange Zeit von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen, obgleich er eine Vielzahl von Opfern gefordert hat und immer noch fordert.“ Tatsächlich war der Darfur-Konflikt im Jahr 2004 weltweit die kriegerische Auseinandersetzung mit den meisten Opfern.

Bei den wissenschaftlichen Diensten heißt es dazu: „Im Verlauf der Kämpfe zwischen den Rebellengruppen ‚Sudan Liberation Movement/Army‘ und ‚Justice and Equality Movement‘ auf der einen sowie Regierungstruppen und den sogenannten Janjaweed-Milizen auf der anderen Seite kamen Hunderttausende durch Waffengewalt oder kriegsbedingte Krankheiten zu Tode oder wurden verletzt; über zwei Millionen Menschen sind Binnenvertriebene, ca. 200.000 sind in den benachbarten Tschad geflohen. Hunderte von Dörfern wurden zerstört.“

Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes hat deutliche Hinweise auf Gräueltaten

Die Parallelen zur heutigen Situation sind erschreckend – nur dass es jetzt vor allem die Nachfolger der Janjaweed-Milizen sind – die Rapid Support Forces –, die in Darfur morden.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, Karim Khan, hat deutliche Hinweise auf Gräueltaten in der Region Darfur. In einem dringenden Aufruf forderte er kürzlich internationale Organisationen und nationale Behörden dazu auf, Beweise und Informationen zu sammeln und ihm zu übergeben. Täglich erreichten seine Ermittlerinnen und Ermittler Informationen aus Darfur, die auf „einen organisierten, systematischen und schweren Angriff auf die Menschenwürde“ hindeuteten.

Protest in Den Haag im Juni 2024.

Dem Sudan-Experten Roman Deckert zufolge sollen viele der RSF-Kämpfer – und das seien oft Jugendliche - unter chemischen Aufputschdrogen stehen, wenn sie in den Einsatz geschickt werden. Die Kämpfer sollen Deckert zufolge „einen Freifahrtschein haben, was das Plündern angeht, inklusive der damit einhergehenden Tötungen“.

Den Haag sammelt Hinweise – UN-Fachleute sprechen bereits von Völkermord

Bereits seit 2005 ermittelt der Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag zu Völkermord in Darfur. Das Gericht erließ 2009 auch einen Haftbefehl gegen den damaligen Präsidenten Sudans Omar al-Baschir wegen des Verdachts auf Völkermord.

Khan nannte nun ständige Angriffe auf die Bevölkerung und vor allem auf Flüchtlingslager, massive und weit verbreitete sexuelle Gewalt, Bomben auf Wohngebiete, Plünderungen und Beschuss von Krankenhäusern – gerade am Freitag wurde laut Ärzte ohne Grenzen eines der letzten funktionierenden Krankenhäuser in der umkämpften Stadt El Fasher getroffen. Die Krise verschlimmere sich, das Leiden nehme zu, sagte Khan, „und wir können nicht sagen, dass es keine Warnung gab“. UN-Fachleute würden bereits von einem erneuten Völkermord sprechen. (fs/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ZUMA Press Wire

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