VonPatrick Mayerschließen
Erstmals wird die Zerstörung eines Challenger 2 dokumentiert. Die Ukrainer hoffen im Süden gegen die russische Armee dennoch auf den Kampfpanzer.
Robotyne – Der Ukraine-Krieg geht unvermindert brutal weiter, während in vielen Teilen Europas ein warmer Spätsommer angebrochen ist. Auf den Schlachtfeldern im Osten und Süden des von Russland überfallenen Landes wird unvermindert getötet und gestorben.
Gegen russische Armee: Ukrainer vertrauen im Süden auf den Challenger 2
So meldeten an diesem Mittwoch (6. September) die Ukrainer den Beschuss eines Marktplatzes in Kostjantyniwka, angeblich durch die russische Armee. Mindestens 16 Zivilisten sollen getötet worden sein. Kurz zuvor hatte Kiew zum ersten Mal einen der 14 gelieferten britischen Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 verloren (siehe Video im Tweet unten).
Großbritannien bestätigte den Verlust, dennoch soll die ukrainische Besatzung nach Angaben aus London vollständig überlebt haben. Wegen eines großen Vorteils des Panzers? IPPEN.MEDIA erklärt die drei großen Stärken des Challenger 2.
⚡️ First visual confirmation of a destroyed British manufactured "Challenger 2" tank in Ukraine.
— Tommaso ♱ (@8ctopusss) September 6, 2023
pic.twitter.com/3UcnoyaYNq
Challenger 2 für die Ukraine: Starke Panzerung zum Schutz der Soldaten
- Starke Panzerung: Dass die mutmaßlich vier ukrainischen Soldaten - Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer - am kolportierten Abschussort bei Robotyne überlebt haben, erzählte am Mittwoch der neue britische Verteidigungsminister Grant Shapps in einer offiziellen Stellungnahme. Ihr Überleben sei ein „großartiges Zeugnis dieser britischen Ausrüstung“.
- Konkret: Der Challnger 2 hat eine sogenannte Dorchester-Verbundpanzerung. Diese besteht nicht nur aus Keramik-Verbundmaterial, das in Sandwichbauweise als Kacheln zwischen zwei Stahlplatten eingefügt wird – und das damit ein Eindringen von Panzerabwehrgeschossen durch eine Detonation in der Panzerung verhindern soll. Neuere Modelle haben zudem extrem widerstandsfähiges, abgereichertes Uran in der Karosserie. Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall schreibt auf seiner Website in einer Analyse des Challengers respektvoll von einem „schwer gepanzerten“ Panzer „für das hochintensive Gefecht gegen mechanisierte Gegner“.
Challenger 2 für die Ukraine: Britischer Kampfpanzer wirbelt nicht so viel Staub auf
- Extra „Staub-Schutz“: Die Anzeichen, dass der Großteil der Challenger (oder alle) im Süden des durch Moskau geschundenen Landes eingesetzt werden, verdichten sich Anfang September. „Die Ukraine hat noch weitere Kräfte bereitgestellt, wie eine Brigade mit Schützenpanzern vom Typ Stryker und Marder und britische Kampfpanzer vom Typ Challenger“, erklärte der österreichische Oberst Markus Reisner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zur Lage am Frontabschnitt zwischen dem Dorf Robotyne und der durch Russland stark befestigten Kleinstadt Tokmak. „Die Ukraine setzt auf eine ‚gepanzerte Faust‘, um jetzt durch die nächsten Linien zu stoßen“, meinte Reisner. Sobald die Chance bestünde, würde diese „gepanzerte Faust“ im Süden angreifen.
- Ein beinahe banaler Vorteil der Challenger ist, dass diese weniger Staub aufwirbeln als andere Panzer und so für die feindliche Artillerie schwieriger zu identifizieren sind. Dafür haben britische Entwickler viel früher als Ingenieure aus anderen Ländern an den Seiten der Ketten Staubschürzen angebracht. Social-Media-Videos von ukrainischen Soldaten zeigten in den vergangenen Wochen dagegen wiederholt, dass der gelieferte französische Radpanzer AMX-10 RC und der ebenfalls mit Rädern angetriebene amerikanische Schützenpanzer Stryker ordentlich Staub hinter sich herziehen.
Challenger 2 für die Ukraine: Hauptwaffe des Kampfpanzers hat riesige Reichweite
- Riesige Reichweite der Hauptwaffe: Ein ukrainischer Soldat bezeichnete den Challenger 2 in einem durch das Verteidigungsministerium verbreiteten Video als „Scharfschützengewehr (Englisch: Sniper rifle) unter allen Panzern“. Damit nicht genug: „Ein Panzer ist eine gewaltige Kraft, besonders ein Panzer wie dieser. Bei diesen Panzern fragt sich jeder, der sie sieht: ‚Wow, was ist das?‘. Ein paar weitere für unser Land, das wäre schon ganz gut“, sagt der Mann in dem Video weiter. Was er mit „Scharfschützengewehr“ meint: Die Reichweite der Hauptwaffe mit bis zu neun Kilometern gilt als unübertroffen. Zum Vergleich: Der Leopard-2A6, den Deutschland Kiew bereitstellte, kann zwischen vier und fünf Kilometer weit schießen. Die gezogenen 120-mm-Kanone L30 des Challengers ist vollständig stabilisiert und erlaubt damit eine rasche sowie genaue Zielerfassung auch bei voller Fahrt.
Zuletzt hatten die ukrainischen Streitkräfte ferner ein Video von mehreren Leopard-2-Panzern in einer Kompanie geteilt. Wohl auch diese wurden im Süden mit Stoßrichtung Melitopol und Berdjansk zusammengezogen. Hier dürfte es militärisch nochmal richtig interessant werden, ehe der Herbst und damit schlechtes Wetter anbrechen. (pm)
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