VonKarsten-Dirk Hinzmannschließen
Donald Trump startet Attacke: Mit einer Provokation betreibt er Wirtschaftsgespräche zwischen China und den USA und verkündet einen Super-Kampfjet.
Doha – „Was wir wissen, ist, dass die J-20 aufgrund der Spionagebemühungen fortschrittlicher ist, als sie es sonst wäre, und das ist hier der wichtige Punkt“, sagte James Anderson. Der ehemalige stellvertretende Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium behauptete gegenüber dem US-Sender Fox News, der neue Tarnkappenjäger Chinas sei eine Kopie des US-Kampfjets F-22 Raptor. Auch US-Präsident Donald Trump soll die Chinesen während eines Treffens in Katar direkt brüskiert haben mit der Behauptung, China habe „das schönste Kampfflugzeug der Welt“ schlichtweg abgekupfert.
Die Behauptung geistert schon länger durch die Medien. „Gut gestohlen, aber keine Bedrohung“, schrieb beispielsweise Future Zone und berief sich dabei auf Kenneth S. Wilsbach: „Ich denke nicht, dass die J-20 ein Dominance Aircraft ist, verglichen mit unseren F-22 und F-35. China hat zumindest gut kopiert. So ziemlich jede Technologie in der J-20 wurde von den USA gestohlen“, zitiert das Magazin den US-General.
Nur ziemlich beste Freunde: China offenbar extrem neugierig auf Russlands Atom-U-Boote
Future Zone gründet seine Behauptung auf einen Cyber-Einbruch im Jahr 2007 beim US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, bei dem angeblich chinesische Hacker technische Dokumente zur F-35 gestohlen haben sollen, wie das Magazin schreibt. Durch weitere Hacks und Bestechungen des Personals soll versucht worden sein, weitere Daten zur F-22 und zur F-35 zu erhalten, so das Magazin weiter. Tatsächlich listet der US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) für 2007 einen chinesischen Hacker-Angriff auf das Pentagon und sein Joint Strike Fighter Project auf.
„Das spart den Chinesen Zeit und Geld. Im Endeffekt subventionieren wir einen Teil ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets, weil sie erfolgreich einige unserer Geheimnisse stehlen. Letztendlich setzt das unsere Männer und Frauen auf dem Schlachtfeld einem größeren Risiko aus.“
„Es ist anzumerken, dass die Zahl chinesischer Spionagefälle die jedes anderen Landes, selbst Russlands, bei weitem übersteigt“, schreiben die CSIS-Autoren, die betonen, dass China damit strategische Ziele verfolge und nicht bloß den wirtschaftlichen Erfolg suche. Wie die Staatsanwaltschaft im Zentralbezirk Kalifornien 2016 meldete, sei mit dem in Kanada lebenden chinesischen Staatsbürger Su Bin (alias Stephen Su) ein Rüstungsspion zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Inhaber einer kleinen Elektronik-Firma hatte Daten des US-Schwerlastfliegers Boeing C-17 Globemaster ausspioniert und sei mit einer Gruppe Mitverschwörer auch an Daten der Tarnkappen-Kampfjets F-22 und F-35 interessiert gewesen, wie das Büro für Sonderermittlungen der US-Luftwaffe ergänzte.
Allerdings kein auf die USA bezogener Einzelfall wie Politico jüngst berichtet hat: „Die ,grenzenlose Partnerschaft‘ zwischen Russland und China hat Pekings Hacker nicht davon abgehalten, in der russischen Rüstungsindustrie herumzuschnüffeln“, schreibt Autorin Antonieta Roussi. Das Magazin beruft sich auf Erkenntnisse von taiwanesischen Cyber-Experten; danach ziele Chinas Neugier darauf ab, Russlands Erkenntnisse in deren fortschrittlichen Waffenprogrammen anzuzapfen: China sei offenbar extrem neugierig auf Russlands Atom-U-Boote.
Putin geduldig: „Wir sind sicher, dass die russische Regierung weiß, dass China diese Angriffe durchführt“
Augenscheinlich scheine Russland China gewähren zu lassen und setze offenbar eher auf die strategische Partnerschaft zu China, glauben die Forscher. „Wir sind sicher, dass die russische Regierung weiß, dass China diese Angriffe durchführt, weil einige russische Unternehmen sie ihnen zugeschrieben haben“, sagt gegenüber Politico Che Chang. Ähnlich wie der leitende Cyber-Bedrohungsanalyst des taiwanesischen Analyse-Unternehmens TeamT5 sieht das Oleg Shakirov. „Wenn man sich ansieht, wie dies angegangen wurde, wird dies zumindest in Russland als eine Art technisches Problem und nicht als politisches behandelt“, zitiert Politico den Doktoranden der Johns Hopkins School of Advanced International Studies.
Donald Trump pflegt rhetorisch dagegen eher den Säbel statt das Florett und äußert, was ihn stört. „Wir wollen nur Fairness. Wir wollen gleiche Wettbewerbsbedingungen“, sagte Trump Anfang des Jahres. „Aber ich mag Präsident Xi sehr. Ich mochte ihn schon immer“, so seine Aussage im Januar, wie ihn der Sender CNBC zitiert. Allerdings kann von diplomatischer Zurückhaltung durch die USA keine Rede sein. Der Wettbewerb zwischen den beiden Ländern hätte sich schon lange vor Trumps Wahlsieg verschärft, urteilt die BBC. Besonders angespannt sei das Miteinander schon gewesen während der Biden-Regierung aufgrund von Zöllen und geopolitischen Meinungsverschiedenheiten, die von der russischen Invasion in der Ukraine bis zur Zukunft Taiwans reichten, schreibt BBC-Autorin Laura Bicker.
Auch der Wettbewerb um das beste Rüstungsgut erhält durch einen politischen Hitzkopf wie Donald Trump eine neue Dynamik, wie er gegenüber China in Doha ankündigte: Die F-22 Raptor würde ein Upgrade erhalten. Die Drohung mag taktischer Natur sein, weil er gleichzeitig kritisierte, dass die chinesische Chengdu J-20 eine Design-Kopie des US-Kampfjets sei, wogegen er behauptete, dass die Chinesen offenbar außerstande seien, beispielsweise auch Triebwerke zu kopieren.
Trump im Höhenflug: Ankündigung eines Upgrades des F-35-Kampfjets scheint Kopfschütteln auszulösen
Tatsächlich scheint China in der Rüstung finanziell klamm zu sein: Wie das Magazin War on the Rocks im September 2024 berichtet hat, habe der chinesische Verteidigungshaushalt im vergangenen Jahr etwas mehr als ein Drittel des US-amerikanischen ausgemacht. Gegenüber den verteidigungsbezogenen Ausgaben der USA für 2024 in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar (1,25 Billionen Euro) „schätzen wir, dass China im Jahr 2024 umgerechnet 474 Milliarden US-Dollar (454 Milliarden Euro) für Verteidigung ausgeben wird. Das ist deutlich mehr als sein offizieller Verteidigungshaushalt für 2024, der zu Marktkursen 232 Milliarden US-Dollar (222 Milliarden Euro) beträgt“, wie War on the Rocks geschrieben hat.
Worin die Verbesserungen der jetzt als F-22 Super annoncierten Maschine bestehen sollen, bleibt aber bisher fraglich. Auch die Ankündigung eines Upgrades des F-35-Kampfjets scheint unter Experten Kopfschütteln auszulösen: Wie der Stern berichtet, soll aus der F-35 eine zweimotorige Version entwickelt werden – im Prinzip ein ziemlich neues Flugzeug mit der Bezeichnung F-55, dessen Zweck ebenso verborgen bleibt. Für ein zweites Triebwerk müsste beispielsweise auch der Rumpf neu konzipiert werden. „Die Entwicklung der F-55 und F-22 Super könnte Kosten in Milliardenhöhe verursachen, die teilweise durch den gestiegenen US-Verteidigungshaushalt und potenzielle Exporte gedeckt werden sollen“, schreibt Stern-Autor Gernot Kramper.
Kurios sind die Ankündigungen auch deshalb, weil sich auch der Luftkampf sowohl in Richtung unbemannter Systeme entwickelt als sich auch sukzessive durch weit reichende Raketen auszeichnen wird. Dazu kommt, dass die USA genau wie China bereits an Maschinen der sechsten Generation arbeiten; also an Maschinen, die eher fliegende Computer darstellen und einen Hub für Drohnenschwärme bilden sollen – deshalb hat China von der J-20 auch eine zweisitzige Version entwickelt. Gemutmaßt wird, dass ein Waffensystem-Offizier in dieser Maschine die Steuerung von Drohnen übernehmen soll. Stern-Autor Kramper vermutet, dass die USA mit einer stärkeren F-22 vor allem Exporterlöse generieren wollen.
USA auf Konfrontationskurs zu China: Spionage setzt Männer und Frauen auf dem Schlachtfeld Risiko aus
Allerdings soll auch Trumps geplanter Superflieger F-47 in den Export gehen: Die Flugrevue schreibt, die F-47 soll in einer „um zehn Prozent abgeschwächten Version“ an „verbündete Nationen“ verkauft werden können. Allerdings planen und schrauben Trumps vergrätzte Nato-Partner ebenfalls an eigenen Kampfjets der Zukunft, um auf Trump verzichten zu können. Was möglicherweise auch Chinas Rüstungsindustrie wiederum voranbringen wird.
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Spionage sei durchaus ein Teil der Kultur Chinas – Wissen, dass der Gemeinschaft zugute kommt, argumentiert James Hess gegenüber Fox News; der Professor an der School of Security and Global Studies des American Public University System plädiert dafür, dass sich die USA mit diesem Phänomen kulturell auseinander setzen müssten. Weniger romantisierend sieht Politiker James Anderson den Ideenklau durch China, wie ihn Fox News zitiert:
„Das spart den Chinesen Zeit und Geld. Im Endeffekt subventionieren wir einen Teil ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets, weil sie erfolgreich einige unserer Geheimnisse stehlen. Letztendlich setzt das unsere Männer und Frauen auf dem Schlachtfeld einem größeren Risiko aus.“
