Nahost

Trump hat sechs Optionen, die die Zukunft des Iran bestimmen werden

Massive, rasch eingesetzte Gewalt hat Erfolge gebracht – doch das Weiße Haus erkennt das Risiko eines „ewigen Krieges“.

Für jemanden, der instinktiv so wenig interventionistisch ist, hat Donald Trump eine Vorliebe für Militäreinsätze entwickelt – insbesondere, wenn der Kampf kurz und entschieden ist. Die Zugriffsoperation, mit der in diesem Monat Nicolás Maduro aus Venezuela herausgeschafft wurde, und die bunkerbrechenden Angriffe des vergangenen Jahres auf Irans Atomanlagen ermöglichten es dem US-Präsidenten, unmissverständliche Siege ohne Verstrickung zu genießen.

Ermutigt ein Regime zu beseitigen, das den Nahen Osten seit fast einem halben Jahrhundert bedroht hat, erwägt Trump erneut die militärische Option.

Beides bestärkte seinen Glauben, dass Gewalt, schnell eingesetzt, Ergebnisse liefern kann. Ermutigt durch diese Erfolge, entschlossen, Washingtons globale Vormachtstellung wieder zu behaupten und eine historische Gelegenheit zu wittern, ein Regime zu beseitigen, das den Nahen Osten seit fast einem halben Jahrhundert bedroht hat, erwägt Trump erneut die militärische Option.

Diesmal ist das Wagnis jedoch weitaus größer. Entscheidet sich der US-Präsident für den Einsatz von Gewalt, ist es vorstellbar, dass er tatsächlich die Ayatollahs stürzen könnte, die Iran seit Jahrzehnten erstickt und unterjocht haben. Doch wenn etwas schiefgeht, könnte er auch einen regionalen Flächenbrand entfachen, einen Bürgerkrieg auslösen und die USA in genau jene Art von endlosem Konflikt hineinziehen, gegen die er sich seit Langem verwehrt.

Enorme Risiken und möglicher Lohn

„Die Risiken sind immens, aber das sind auch die Belohnungen“, sagte Yossi Kuperwasser, ein ehemaliger Forschungschef des israelischen Militärgeheimdienstes. „Es ist eine sehr schwierige Entscheidung.“ Vor zwei Wochen, als Trump Demonstranten auf Irans Straßen versprach, dass Hilfe „auf dem Weg“ sei, machte sich Israel gegen US-Luftangriffe stark.

Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück

Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada
Sie ist der Schrecken der Moderne und galt lange Zeit als die größte Bedrohung für das Überleben der Menschheit: die Atombombe. Ihre Erfindung nahm ihren Anfang mit der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann im Jahr 1938. Der erste Test einer Atomwaffe fand am 16. Juli 1946 im US-Bundesstaat New Mexico statt. Dieses Foto zeigt den ikonografischen Atompilz der nuklearen Explosion bei einem Test am 24. Juni 1957 in Nevada. © dpa
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer.
Als Vater der Atombombe gilt Dr. J. Robert Oppenheimer. Der Atomphysiker leitete das „Manhattan Project“, in dem unter höchster Geheimhaltung ein nuklearer Sprengkörper entwickelt werden sollte. Nach dem ersten erfolgreichen Test war Oppenheimer die Tragweite seiner Erfindung offenbar schnell bewusst. Das machte der Wissenschaftler mit einem aus der Bhagavad Gita, einer heiligen Schrift im Hinduismus, entliehenen Zitat deutlich: „Ich bin zum Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“ © Imago
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“
Die erste jemals gezündete Kernwaffe trug den Code-Namen „The Gadget“ und war Teil des „Trinity Tests“, der unter Leitung Oppenheimers am 16. Juli 1945 durchgeführt wurde. In diesem Bild posiert der Atomphysiker Norris Edwin Bradbury einen Tag zuvor, am 15. Juli 1945, mit der im Bau befindlichen Bombe. Die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte hatte eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT.  © Imago
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren.
Die Druckwelle der ersten Atombombe in der Menschheitsgeschichte war über 160 Kilometer zu spüren. Die Pilzwolke erreichte eine Höhe von etwa zwölf Kilometern. Aufgrund der enormen Hitze, die durch die Atomexplosion freigesetzt wurde, schmolz der Sand in der Umgebung zu grünlichem Glas, das auch als Trinitit bezeichnet wird. Es folgen zahlreiche weitere Tests, darunter dieser am 1. März 1954 auf dem Bikini Atoll im Pazifischen Ozean. © Imago
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945.
Die Aufnahme zeigt die Explosion der ersten Atombombe im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945. © Imago
Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada.
In den Folgejahren testeten die USA munter weiter. Die Sprengkraft der Atombomben wurde dabei sukzessive erhöht. Diese Aufnahme zeigt die Explosion einer Kernwaffe mit der Sprengkraft von 61 Kilotonnen am 4. Juni 1953 in Nevada. © Imago
Soldaten zu Versuchszwecken in der unmittelbaren Nähe von Atomtests
Zu Beginn der Atomwaffenforschung in den USA ignorierte die damalige Militärführung die Gefahren, die durch die radioaktive Strahlung für Menschen in der Umgebung der Explosion entstand. Stattdessen schickte man tausende Soldaten zu Versuchszwecken in die unmittelbare Nähe der Atomtests, wie hier im Jahr 1951 im US-Bundesstaat Nevada. Die größtenteils jungen Soldaten wurden angewiesen, während der Tests die Augen mit Händen oder Ellbogen zu schützen. © imago
Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki
Im Zweiten Weltkrieg kam es zum ersten und bislang einzigen Einsatz von Atomwaffen. Am 6. August bombardierten die USA zuerst die japanische Stadt Hiroshima mit einer Kernwaffe. Am 9. August folgte der zweite Abwurf einer Atombombe auf Nagasaki (im Bild). Den Befehl zum Abwurf gab der damalige US-Präsident Harry S. Truman. Sechs Tage nach der Bombardierung von Nagasaki gab Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans bekannt. © Imago
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“
Die erste Atombombe (im Bild), die jemals zum Einsatz kam und über Hiroshima detonierte, trug den Codenamen „Little Boy“. Den Sprengkörper, der kurz darauf Nagasaki zerstörte, taufte die US-Luftwaffe auf den Namen „Fat Man“. Die Militärführung der USA wählte die Großstadt Hiroshima als erstes Ziel, weil diese von Luftangriffen bis dahin verschont geblieben war. Die Auswirkungen einer Atombombe konnten so besser eingeschätzt werden. © Imago
Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft.
Die Folgen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren verheerend. Die Explosionen töteten laut Schätzungen etwa 100.000 Menschen sofort. An Folgeschäden starben bis Ende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den Folgejahren starben weitere Menschen an durch die nukleare Strahlung ausgelösten Krankheiten. Japan gibt die Gesamtzahl der Todesopfer mit etwa 540.000 an. Im Bild zu sehen ist eine Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken durch die Trümmer des zerstörten Nagasakis läuft. © Imago
Friedensdenkmal von Hiroshima
An den Einschlag der Atombombe in Hiroshima erinnert noch heute das dortige Friedensdenkmal. Untergebracht ist es einem 1915 erbauten Haus, das infolge der Explosion vollständig ausbrannte. Wegen des geringen Abstands von 140 Metern zum Einschlagsort der Atombombe blieben viele Gebäudestrukturen erhalten, darunter auch die charakteristische Stützkonstruktion des Kuppeldachs. © Imago
Sasaki-Denkmal
In unmittelbarer Nähe des Friedensmuseums befindet sich das Friedensdenkmal der Kinder. Es erinnert an die Schülerin Sadako Sasaki, die zur weltweit bekanntesten Hibakusha (Überlebende der Atombombenabwürfe) wurde. Sie wurde 1943 geboren, blieb zunächst unverletzt, erkrankte aber zehn Jahre später an Leukämie. Sie starb am 25. Oktober 1955 im Alter von 12 Jahren. Die von ihr gefalteten Origami-Kraniche sind zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg geworden. © Imago
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlich so die Wirkung der Atombombe.
Ein Bild vom 6. August 1945 zeigt das vollständig zerstörte Hiroshima und verdeutlicht so die Wirkung der Atombombe. © Imago
Die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit
Am 31. Oktober 1952 gelang den USA der nächste Durchbruch bei der Erforschung von Massenvernichtungswaffen. Unter dem Codenamen „Ivy Mike“ wurde die erste Wasserstoffbombe in der Geschichte der Menschheit über dem Pazifik gezündet. Die Bombe setzte eine Energie von mehr als 10 Megatonnen TNT-Äquivalent frei, was der 800-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe entsprach. © Imago
Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch
Die USA sind bis heute die einzige Nation, die je eine Atomwaffe in einem Krieg eingesetzt hat. Sie sind aber nicht das einzige Land, das nukleare Bomben im Arsenal hat. Am 29. August 1949 führte die UdSSR einen erfolgreichen Atombombentest durch (im Bild) – und leitete damit einen nuklearen Rüstungswettlauf mit den USA ein, der die Beziehungen beider Länder die nächsten 50 Jahre bestimmen sollte. © Imago
Rakete des Typs Topol-M
Heute soll Russland über mehr als 5400 Atomsprengköpfe verfügen. Bei den jährlich stattfindenden Militärparaden in Moskau präsentiert das Land unter Machthaber Wladimir Putin immer wieder voller Stolz seine atomar bestückbaren Langstreckenraketen, so geschehen im Jahr 2010, als eine Rakete des Typs Topol-M über den roten Platz rollte. © dpa
Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte.
Am 2. Oktober 1952 wurde Großbritannien als dritte Nation der Welt zur Atommacht. Diese Aufnahme zeigt einen Atomwaffentest, den die Royal Air Force am 8. November 1957 im Pazifik nahe der Weihnachtsinsel durchführte. © Imago
Erster erfolgreicher Atomwaffentest Frankreichs nahe der Stadt Reggane in Algerien
Am 13. Februar 1960 folgte Frankreich. Die „Grande Nation“ unternahm ihren ersten erfolgreichen Atomwaffentest nahe der Stadt Reggane, die sich in Algerien befindet und von Wüste umgeben ist. Insgesamt 17 nukleare Sprengkörper zündete die französische Armee dort zu Testzwecken in den Folgejahren, davon vier oberirdisch. © Imago
die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls.
Es folgten zahlreiche weitere französische Atomwaffentests, der Großteil auf dem Moruroa-Atoll im Süd-Pazifik. Von 1966 bis 1995 sollen dort insgesamt 179 Kernwaffen gezündet worden sein. Im Bild zu sehen sind die Überbleibsel der französischen Militärbasis auf einer der unbewohnten Inseln des Atolls. © AFP
Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris
Frankreichs Präsident Jacques Chirac, hier bei einem Treffen mit Wladimir Putin am 30. Mai 2008 in Paris, geriet infolge der Atomwaffentests in den 1990er Jahren in die Kritik. Es dauerte bis ins Jahr 2008, ehe Frankreich die negativen Auswirkungen der jahrelangen Atomwaffentests auf das Mururoa-Atoll anerkannte und sich bereit erklärte, Entschädigungen für das militärische Personal und betroffene Zivilisten zu übernehmen. © AFP
chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln.
Am 16. Oktober 1964 wurde die Volksrepublik China Mitglied im erlauchten Kreis der Atommächte. Mithilfe von sowjetischer Technik gelang es den Wissenschaftlern der sozialistischen Diktatur, 15 Jahre nach ihrer Gründung eine eigene Kernwaffe zu entwickeln. Auf dem Bild zu sehen sind chinesische Arbeiter, die über den erfolgreichen Atomwaffen-Test in der autonomen Region Xinjiang jubeln. © Imago
indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklerwaffe kam.
Indien gilt seit 1974 offiziell als Atommacht. Im Bild zu sehen sind indische Soldaten, die an einem Militärmanöver teilnehmen, bei dem es auch zur Zündung einer Nuklearwaffe kam. © Imago
Atrappe der pakistanischen Atombombe
Im Jahr 1976 begann daraufhin das Atomwaffentestprogramm in Pakistan. Der erste erfolgreiche Atomwaffentest Pakistans erfolgte aber erst 1998. Seitdem gilt auch das mit Indien verfeindete Nachbarland offiziell als Atommacht. Beide Staaten streiten bis heute über die Grenzregion Kaschmir. Bei einer dortigen Demonstration im Jahr 2002 trugen Teilnehmer eine Attrappe der pakistanischen Atombombe durch die Straßen. © AFP
israelische F-15-Kampfjets
Israel gilt seit 1985 als faktische Atommacht. Offiziell ist das Nuklear-Programm des Landes aber bis heute nicht. Das Atomwaffenarsenal des Landes wird auf bis zu 200 Sprengköpfe geschätzt. Abgefeuert werden können diese unter anderem von israelischen F-15-Kampfjets (im Bild) und U-Booten der Dolphin-Klasse. © Imago
m Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben.
Im Jahr 2005 verkündete Nordkorea, eigene Kernwaffen entwickelt zu haben. International traf diese Behauptung zunächst auf Skepsis. Doch kurz darauf schienen seismische Messungen die Angaben zu bestätigen. Im Jahr 2009 sollen weitere erfolgreiche Tests unternommen worden sein. Zweifelsfrei bestätigt ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas bis heute aber nicht. Zeitgleich entwickelte Nordkorea unter der Führung von Kim Jong-un Trägerraketen mit hoher Reichweite (im Bild). © Imago
Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, Iran
Auch der Iran betreibt seit Jahren atomare Forschung. Laut dem Mullah-Regime geht es dabei aber nur um die zivile Nutzung der Kernenergie. Sowohl Israel als auch die mit ihm verbündeten USA bezweifeln dies und gehen davon aus, dass der Iran in Uran-Anreicherungsanlagen wir hier in Natanz auch an der Entwicklung von waffenfähigem Plutonium forscht. © Imago

Beamte fürchteten, dass der Vorrat an Abfangraketen, den Israel während des Krieges im vergangenen Jahr verbraucht hatte, das Land einem iranischen ballistischen Raketen-Gegenschlag gefährlich ausgesetzt habe. Diese Bedenken wurden teilweise durch den Aufmarsch amerikanischer Offensiv- und Defensivmittel in der Region zerstreut. Israel gilt nun als darauf erpicht, dass Trump handelt, während besorgte Golfstaaten zur Zurückhaltung mahnen.

Viel hängt davon ab, was genau die USA zu erreichen versuchen – etwas, das seit der Niederschlagung der Proteste weniger klar geworden ist. Will er Iran für das Abschlachten von Tausenden – und möglicherweise Zehntausenden – seiner eigenen Bürger bestrafen? Geht es darum, Iran zu einem Abkommen zu zwingen, in dem es sein Atomprogramm formell aufgibt?

Ziele zwischen Bestrafung und Regimewechsel

Oder strebt er einen Regimewechsel an – und wenn ja, wie würde dieser tatsächlich aussehen? Diplomaten und Analysten sagen, dass im Wesentlichen sechs Szenarien zur Diskussion stehen. Das iranische Regime hat selten schwächer gewirkt. Die drei Säulen seiner regionalen Macht – sein Netzwerk von Stellvertretermilizen, sein Atomprogramm und sein Arsenal an ballistischen Raketen – sind in den vergangenen zwei Jahren erheblich geschwächt worden.

Die brutale Niederschlagung der Proteste hat ihm den letzten Rest an innerer Legitimität geraubt. Allein die Angst hält das System aufrecht. Eine Machtdemonstration, eher als wirkliche Gewaltanwendung, könnte daher ausreichen, um weitreichende Zugeständnisse zu erzwingen. Angesichts ihres Überlebenskampfes könnten Irans Herrscher Schritte in Betracht ziehen, die sie lange abgelehnt haben: den formellen Verzicht auf nukleare Ambitionen, den Abbau von Stellvertreternetzwerken und die Aufgabe verbliebener ballistischer Raketen – vielleicht sogar das Opfer des obersten Führers, Ayatollah Ali Khamenei.

Militärischer Druck und symbolische Angriffe

Ein solches Ergebnis würde Trump einen bedeutenden außenpolitischen Triumph bescheren, ohne dass ein Schuss fällt. Nichts würde seine Glaubwürdigkeit stärker aufpolieren. Diplomaten halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Das Regime scheint entschlossen, „zu widerstehen statt sich zurückzuziehen“, sagt einer. Wenn Teheran sich eingräbt und Washington dann zurückweicht, riskiert Trump, schwach zu wirken.

Nachdem er eine rote Linie gezogen und mit militärischen Maßnahmen gedroht hat, falls das Regime Demonstranten weiterhin töte, hat Trump sich selbst unter Handlungsdruck gesetzt. Das Letzte, was er will, ist mit Barack Obama verglichen zu werden, der seine eigenen roten Linien in Syrien nicht durchsetzte. Wenn Glaubwürdigkeit seine oberste Sorge ist, könnte der Präsident sich für einen begrenzten, weitgehend symbolischen Schlag entscheiden, in Anlehnung an seine Raketenangriffe von 2017 und 2018 auf Ziele des syrischen Regimes.

In einem solchen Szenario könnten US-Streitkräfte ein oder zwei prominente Ziele angreifen, etwa das Thar-Allah-Hauptquartier in Teheran, ein IRGC-Kommandozentrum, das weithin als Nervenzentrum der inneren Repression gilt. Die Zerstörung eines solchen Gebäudes würde von vielen Iranern gefeiert. Dies wäre eine „Option mit geringen Kosten und geringem Ertrag“, sagt ein Diplomat.

Begrenzte, aber substanzielle Militärschläge könnten Trump helfen

Trump könnte behaupten, Wort gehalten zu haben, während er das Risiko von Vergeltung minimiert. Doch eine so begrenzte Reaktion würde seine Regierung dem Vorwurf aussetzen, die Demonstranten verraten und Massenmorde zu einer bloß performativen Geste degradiert zu haben. Trump könnte sich für breitere Angriffe entscheiden, die darauf abzielen, erneute Unruhen zu fördern und das Regime gleichzeitig von außen und innen unter Druck zu setzen.

Eine solche Kampagne würde wahrscheinlich mehrere Tage dauern und Luftverteidigung, Abschussrampen für ballistische Raketen, Kommunikationsinfrastruktur, Energieanlagen und IRGC-Einrichtungen ins Visier nehmen, darunter Anlagen im Zusammenhang mit der Basidsch-Miliz, die für einen Großteil der Gewalt gegen Demonstranten verantwortlich ist. Ziel wäre es, Bedingungen zu schaffen, unter denen Iraner selbst die Initiative ergreifen könnten, sodass die USA einen Regimewechsel eher erleichtern als direkt herbeiführen.

Die Risiken sind beträchtlich. Erschöpfte, traumatisierte und misstrauische Demonstranten könnten nicht reagieren. Luftangriffe könnten stattdessen – wie während des zwölftägigen Krieges im Juni – die Bevölkerung hinter dem Regime versammeln. Viele IRGC- und Basidsch-Einrichtungen liegen in dicht besiedelten Gebieten, was die Wahrscheinlichkeit ziviler Opfer erhöht.

Die „Maduro-Option“: Schlag gegen die Führung

Und Iran, das trotz der Verluste im Juni noch immer über ein beträchtliches Raketenarsenal verfügt, könnte mit Angriffen auf Israel oder die Golfstaaten reagieren. Sollten Israel oder die USA verwertbare Geheimdienstinformationen erhalten, könnte Trump eine Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khameneis genehmigen – etwas, was er im vergangenen Jahr nur ungern in Betracht zog.

„Wir wissen genau, wo sich der sogenannte oberste Führer versteckt“, sagte er während des zwölftägigen Krieges. „Er ist ein leichtes Ziel, aber … wir werden ihn nicht ausschalten, zumindest vorerst nicht.“ Ein solcher Schlag würde Trump einen Maduro-Moment verschaffen, wenn auch in weitaus größerem Maßstab. Khamenei aufzuspüren dürfte inzwischen jedoch weit schwieriger sein.

Nach dem Krieg leitete das Regime eine umfassende Gegenspionage-Säuberung ein, verhaftete Tausende und exekutierte eine unbekannte Zahl. Die Sicherheit rund um hochrangige Funktionäre wurde verschärft, sichere Häuser wurden vervielfacht, und Khamenei zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit. Selbst im Erfolgsfall ist nicht garantiert, dass sein Nachfolger gefügig – oder stabilisierend – wirken würde.

Die „Gaddafi-Option“ und ihre Folgen

Sollte begrenzte Aktion scheitern, könnte Trump eskalieren und Luftangriffe so lange fortsetzen, bis das Regime zusammenbricht, während er wieder aufkeimende Proteste unterstützt. „Wenn das iranische Regime gestürzt wird, wäre der Gewinn für die Sicherheit der Welt und insbesondere des Nahen Ostens immens“, sagte Gen Kuperwasser. „Das rechtfertigt die Risiken.“

Diese Risiken sind gewaltig. Es dauerte sieben Monate, Gaddafi zu stürzen, und Iran verfügt – anders als Libyen – über keine organisierte Rebellenkraft, die auf die Hauptstadt zumarschiert. Eine langwierige Kampagne würde das Risiko eines Bruchs zwischen Trump und dem anti-interventionistischen Flügel seiner Basis bergen. Sieht es sich mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert, könnte Iran versuchen, die Region in Brand zu setzen.

Teheran könnte Israel, US-Stützpunkte und sogar Marineeinheiten angreifen. Es könnte Ölanlagen am Golf ins Visier nehmen oder versuchen, die Straße von Hormus zu blockieren, was die Ölpreise in die Höhe schnellen ließe und Trumps innenpolitische Prioritäten untergraben würde. Das erklärt mit, warum Golfverbündete trotz warmer Beziehungen zum Weißen Haus Luftangriffe so entschieden ablehnen und den USA die Nutzung ihres Territoriums, Luftraums oder ihrer Gewässer für einen Angriff auf Iran verweigert haben.

Invasion vom Typ Irak als Schreckensbild

Sie fürchten zudem, was auf einen Regimekollaps folgen könnte. „Das Risiko von Chaos, ja sogar eines Bürgerkriegs, ist unvertretbar hoch“, sagte ein ehemaliger arabischer Diplomat. „Eindämmung könnte sicherer sein als Konfrontation.“ Einen Weg erwägt Trump nahezu sicher nicht: eine Bodeninvasion nach irakischem Vorbild.

Truppen am Boden wären der effektivste Weg, das Regime zu stürzen, doch ein Übergangsprozess in Iran – einem Land, das fast viermal so groß ist wie der Irak, mit doppelter Bevölkerungszahl und weitaus komplexerer gesellschaftlicher Struktur – wäre um ein Vielfaches schwieriger. Trump ist des Großsprechens bezichtigt worden, doch selbst seine Gegner halten ihn nicht für draufgängerisch.

Das Letzte, was er will, ist ein weiteres Irak – auch wenn er feststellen könnte, dass er, nachdem er militärische Maßnahmen angeordnet hat, in genau jene Art von Nahostverstrickung hineingestolpert ist, die er stets zu vermeiden geschworen hat. Trump hat gezeigt, dass er glaubt, Kriege ließen sich schnell, sauber und zu seinen eigenen Bedingungen gewinnen. Ein neues Eingreifen könnte ihn noch bestätigen – doch ebenso könnte Iran der Ort sein, an dem seine Außenpolitik zu zerfasern beginnt. (Dieser Artikel von Adrian Blomfield entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

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