Kein Garant mehr für Menschenrechte

Trumps Agenten erschießen Krankenpfleger – und bekommen Rückendeckung: USA wie „finsterste Despotien“

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Am Wochenende waren die Straßen der US-Städte mit Protesten gegen ICE gefüllt. Menschen- und Freiheitsrechte gehörten in den USA der Vergangenheit an, kritisieren Experten.

„Stoppt den ICE-Terror jetzt“, „ICE tötet Mütter und Krankenpfleger“, „Stoppt Faschismus in den USA“, „Die Gestapo hat auch ‚nur Anweisungen‘ befolgt. Eure Schande wird euch folgen“ – mit solchen Schriftzügen demonstrierten am Wochenende mehrere Millionen Menschen in US-amerikanischen Städten gegen das Vorgehen der Behörde für Immigration and Customs Enforcement (ICE) und die Regierung unter Donald Trump. Die Lage in den USA ist seit Monaten angespannt, über 300.000 Migranten wurden 2025 aus den USA abgeschoben, so viele wie seit 2014 nicht mehr. Doch nun eskaliert die Situation zunehmend.

Krisenstimmung in den USA: Beamte der Immigrations- und Grenzkontrollbehörden haben in Minneapolis zwei US-Bürger erschossen.

Am 7. Januar hatten ICE-Agenten Renée Good erschossen. Die US-Amerikanerin hatte mit ihrem Wagen die Straße in Minneapolis blockiert, um eine ICE-Patrouille an der Weiterfahrt zu hindern. Am Samstag (24. Januar) feuerte erneut ein Bundesbeamter tödliche Schüsse in Minneapolis ab. Diesmal auf Alex Pretti, einen 37-jähriger Krankenpfleger, der in einem staatlichen Krankenhaus für Kriegsveteranen arbeitete. Ein Beamter der Border Patrol, der US-amerikanischen Grenzschutzbehörde, hatte den Schuss abgegeben.

Trumps Migrations Strategie – Menschenrechtsaktivistin kritisiert ICE: „rechtsradikalen Wehrsportgruppe“

Vertreter der US-Regierung und der beiden Behörden sprachen jeweils von Selbstverteidigung. Videos, die aus unterschiedlichen Perspektiven das Geschehen einfingen, lassen allerdings darauf schließen, dass sich die Beamten nicht in Gefahr befanden. „Was in den USA geschieht, hat mit einem Rechtsstaat nichts mehr zu tun“, sagt Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Bei den Bildern habe sich teils gefragt: „Ist das Teheran oder Minneapolis?“

Die Ausbildung der ICE-Beamten sei miserabel, klare Einsatzregeln fehlten, kritisiert Tekkal. Sie meint damit nicht nur die tödlichen Schießereien: „Es gibt zahlreiche dokumentierte Fälle, die zeigen, dass unbescholtene US-Bürger in den Abschiebeknästen landen. Es findet oftmals Racial Profiling statt. Du brauchst nur die falsche Hautfarbe zu haben und läufst Gefahr, ins Visier von ICE zu geraten.“ Was unterscheide die Behörde noch von einer „rechtsradikalen Wehrsportgruppe, die Jagd auf Migranten macht“?

Die 16 absurdesten Donald-Trump-Momente 2025

Trumps Gaza Video auf Großleinwänden bei einem Konzert der Band „Massive Attack“ auf dem Unaltrofestival in Italien
Im Februar postete Donald Trump ein KI-generiertes Video, das seine Zukunftsvision für den Gaza-Streifen zeigte. Darin zu sehen waren goldene Trump-Statuen und riesige Hoteltürme. Nach eigener Aussage wollte er das Gebiet zur „Riviera des Nahen Ostens“ machen. Auch eine Vertreibung der lokalen Bevölkerung stand im Raum. Im Hintergrund lief ein KI-generierter Song mit dem Text „Trump-Gaza, Number one“. Auf dem Foto sieht man ein Konzert der Trump-kritischen Band „Massive Attack“, die das Video im Bühnenbild nutzte. © IMAGO / Alessandro Bremec
Flagge Grönlands im Wind
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit sprach Donald Trump immer wieder davon, Grönland zu US-Staatsgebiet zu machen. Im März sagte er über Dänemark: „Sie sagen, sie hätten Anrechte [auf Grönland]. Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Aber ich denke nicht.“ Dass Grönland völkerrechtlich tatsächlich zu Dänemark gehört, schien dem US-Präsidenten egal zu sein. © IMAGO / Kristian Tuxen Ladegaard Berg
US-Präsident Trump sitzt an seinem Schreibtisch im Oval Office, neben ihm steht der 4-jährige Sohn von Elon Musk
Während einer Pressekonferenz im Oval Office flüsterte Elon Musks Sohn X Æ A-Xii dem US-Präsidenten Beleidigungen zu. In den Aufnahmen zu hören sind Sätze wie „Du bist nicht der Präsident. Du musst weggehen.“ oder „Ich möchte, dass du den Mund hältst.“ © IMAGO / CNP / AdMedia
Demonstrantin hält ein gelbes Schild mit einem Pinguin und dem Schriftzug „Don‘t tariff on me“
Am 02.04.2025 veröffentlichte Donald Trump seine Zollliste, die die Weltwirtschaft ins Chaos stürzte. Auf der Liste der sanktionierten Länder standen auch die Heard- und McDonald-Inseln. Erstens gehören sie zu Australien, bräuchten also gar keine eigene Zollregelung und zweitens leben auf ihnen quasi ausschließlich Pinguine. Daraufhin kam die Vermutung auf, Trump habe die Liste von ChatGPT erstellen lassen. Online machten Witze über sanktionierte Pinguine die Runde. © IMAGO / Carl Seibert
McMahon im Weißen Haus
So sehr Trump KI, bzw. AI auch liebt, so wenig Ahnung scheint seine Bildungsministerin Linda McMahon von der Technologie zu haben. Im April freute sie sich darüber, dass Kinder in der Schule zukünftig den Umgang mit „A.1.“ lernen sollen. Die Abkürzung AI schien ihr fremd zu sein. Vor ihrer Politik-Karriere managte McMahon bis 2009 zusammen mit ihrem Ehemann die Show-Wrestling-Liga WWE. © IMAGO / Bonnie Cash - Pool via CNP
Zwei Soldaten winken bei Trumps Militärparade aus einem Panzer, darüber ein gigantischer Monitor mit dem Logo der UFC
Zum 250-jährigen Bestehen der US Army ließ Trump eine Militärparade veranstalten. Zufälligerweise fiel sie exakt auf seinen Geburtstag am 14. Juni. Über den Panzern thronten riesige Werbeanzeigen der Hauptsponsoren – darunter die Kampfsport-Liga UFC und Coinbase, eine Handelsplattform für Kryptowährungen. © IMAGO / Tom Williams
US-Präsident Trump auf dem Dach des West Wings des Weißen Hauses
Große Verwirrung herrschte im August, als Trump einen Spaziergang auf dem Dach des Weißen Hauses machte. Mit Reportern unterhielt er sich über seine Pläne, das Gebäude umzubauen. Auf die Frage, was er noch alles bauen wolle, antwortete er scherzhaft „Atomraketen“. © IMAGO / Pool / ABACA
Hufeisenmagnet zieht mehrere Metallkugeln an, 3D-Illustration
In mehreren Reden stellte Donald Trump absurde Thesen über Magnete auf. Glaubt man dem US-Präsidenten, wisse niemand, was Magnete überhaupt seien. Außerdem würden sie ihre Funktion verlieren, wenn man Wasser auf sie schüttet. © IMAGO / Zoonar.com / Cigdem Simsek
Logo des neuen „Department of War“
Von einigen wird Trump als Friedenspräsident gefeiert. Immerhin habe er in der ersten Amtszeit keinen neuen Krieg angefangen. Doch ein Dekret des Präsidenten vom 5. September will nicht so recht in dieses Bild passen. Trump benannte das „Department of Defense“ (Verteidigungsministerium) kurzerhand in „Department of War“ (Kriegsministerium) um. Damit ist der ehemalige Fox News-Moderator Pete Hegseth nun offiziell „Kriegsminister“. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump spricht vor Kameras
Am 10. September wurde der Rechtsextreme und Trump-Vertraute Charlie Kirk ermordet. Donald Trump drückte sein Entsetzen aus, doch als er nur drei Tage nach dem Vorfall gefragt wurde, wie er mit dem Verlust umgehe, war von Trauer oder Empathie wenig zu spüren. Der US-Präsident beteuerte, dass es ihm „sehr gut“ gehe. Statt über Kirk zu sprechen, wechselte er abrupt das Thema und redete lieber darüber, wie großartig sein neuer Ballsaal werden würde. © IMAGO / ZUMA Press Wire
Armenische und albanische Flagge im Wind, Illustration
Bei einer Pressekonferenz im September redete Trump davon, zwischen „Aberbaidschan“ und Albanien vermittelt zu haben. Eigentlich meinte er Aserbaidschan und Armenien. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Fehler passierte. Insgesamt gibt es mindestens drei dokumentierte Fälle. Beim Gipfel der „Europäischen Politischen Gemeinschaft“ machte Albaniens Premier Edi Rama daraufhin Witze über die großartige Streitschlichtung zwischen seinem Land und Aserbaidschan. © iunewind / IMAGO
Bild eines weitgehend zerstörten Teils des East Wings am Weißen Haus während der Abrissarbeiten
Im Oktober rollten Bagger an und zerstörten den historischen East Wing des Weißen Hauses vollständig. Hier soll Trumps neuer Ballsaal entstehen. Weder wurde die Öffentlichkeit im Vorhinein über den Abriss informiert, noch gibt es für das Projekt eine Genehmigung der zuständigen Planungskommission. Finanziert wird es durch private Spenden, unter anderem von Amazon, Apple, Microsoft, Google und Meta. © IMAGO / Celal Gunes
Donald Trump
Ebenfalls im Oktober präsentierte Trump im Weißen Haus Modelle eines Triumphbogens für Washington. Er soll zum 250-jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit errichtet werden. Das größte Exemplar gefalle ihm natürlich am besten. Schnell gaben Internet und Presse dem Projekt den Namen „Arc de Trump“. Kritiker sehen Parallelen zu den Machtbauten historischer Diktatoren, beispielsweise zu Napoleon oder zu Plänen für Hitlers „Welthauptstadt Germania“. So bezeichnet etwa „Der Standard“ Trump als „Möchtegern-Cäsar“. © Jim Lo Scalzo/Imago
Bild einer auf Papier gezeichneten Uhr
Donald Trump prahlte mit seinem guten Abschneiden bei einem IQ-Test. Der sei teilweise „wirklich schwierig“ gewesen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelte es sich jedoch um den Montreal-Cognitive-Assessment-Test – ein Demenztest, der im Rahmen einer Routineuntersuchung durchgeführt wurde. Aufgaben bestehen unter anderem darin, eine bestimmte Uhrzeit mit gezeichneten Uhrzeigern darzustellen oder ein Nashorn zu erkennen. © AndreyPopov / IMAGO
Links: Musiker Kenny Loggins während eines Auftritts. Rechts: US-Präsident Donald Trump inszeniert sich in einem KI generierten Video als Kampfjet-Pilot, der eine Krone trägt.
Als Reaktion auf die „No Kings“-Proteste postete Donald Trump ein KI-generiertes Video (rechts), das ihn mit einer Königskrone zeigt. In einem Kampfjet fliegt das KI-Abbild des Präsidenten über die Protestierenden und wirft Fäkalien auf diese ab. Im Hintergrund läuft der Song „Danger Zone“, den man aus dem Film „Top Gun“ kennt. Sänger Kenny Loggins (links) protestierte gegen die Nutzung seines Liedes. © Dave Alloca/imago/Truth Social (Screenshot)
US-Präsident Trump in Japan
Bei einem Besuch in Japan wirkte Donald Trump verwirrt. Geistesabwesend läuft er am Begrüßungskomitee vorbei. Premierministerin Sanae Takaichi muss den US-Präsidenten immer wieder auf den richtigen Weg führen. Am Ende kommen beide wieder bei ihrem Startpunkt an  © Mark Schiefelbein/dpa

Die tödliche Gewalt gegen zivilen Ungehorsam sei das eine. Das andere sei, dass sich die Regierung hinter die Täter stellt und die Fakten verdreht. „Das kennen wir wirklich nur von finsteren Despotien wie der Islamischen Republik Iran“, sagt die Menschenrechtsaktivistin. Man dürfe sich nichts vormachen: Die USA als Garant von Menschen- und Freiheitsrechten gehörten der Vergangenheit an. „Zumindest unter Trump“, ergänzt Tekkal. Was ihr Hoffnung mache, seien die US-Bürgerinnen und -Bürger, „die sich diesem Treiben entgegenstellen, sich mit Betroffenen solidarisieren und klar den Verfassungsbruch benennen.“

„Der US-Präsident hat eine Vielzahl von teils rechtswidrigen Exekutivanordnungen und politischen Maßnahmen durchgesetzt, die Menschenrechte und Grundfreiheiten verletzen“, erklärt unterdessen Amnesty International auf Anfrage unserer Redaktion. Julia Duchrow, Generalsekretärin der Organisation in Deutschland sagt: „Die Konzentration von Macht, der Ausbau autoritärer Praktiken sowie Rassismus sind Kernbestandteil dieser neuen Regierungspolitik.“ Die Tötungen im Zuge der „aggressiven Einwanderungs-Razzien“ und die Intervention in Venezuela stellten dabei nur die jüngste Eskalation dieser Entwicklung dar. 

Kritik gibt es auch an der deutschen Regierung, die bisher zurückhaltend auf die Vorfälle reagiert hat. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation müsste es für die deutsche Bundesregierung eine Selbstverständlichkeit sein, Menschenrechte zu verteidigen und eine Außenpolitik ohne Doppelstandards zu führen: „Dazu gehört auch, dass die Bundesregierung Menschenrechtsverstöße konsequent als solche benennen muss.“ (Quellen: Düzen Tekkal, Amnesty International, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire / Anadolu Agency / Xinhua

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