VonErkan Pehlivanschließen
Steigende Inflation und Währungskrise: Nach der Türkei-Wahl leidet die Wirtschaft weiter. Jetzt soll es Finanzminister Mehmet Simsek richten. Kann das gelingen?
Ankara - Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich im Vorfeld der Türkei-Wahl zwei Mal mit Mehmet SImsek getroffen. Am Ende konnte er ihn überzeugen, doch noch Finanzminister zu werden. Simsek hatte bereits zwischen 2009 und 2015 das Finanzressort geleitet. Der Handlungsdruck ist groß. Denn die Wirtschaft liegt in dem Land am Boden. Die Inflation steigt - und die Türkische Lira befinden sich im freien Fall.
Schwere Aufgabe für Simsek in Türkei: Inflation steigt und die Lira ist im freien Fall
Geht es nach der staatlichen Statistikbehörde TÜIK, so liegt die Inflation bei 39,59 Prozent. Allerdings berechnet das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Ena Grup” diese mit 109,02 Prozent. Und der Direktor von Ena Grup, Prof. Veysel Ulusoy, bescheinigt in seiner Kolumne bei der Zeitung Cumhuriyet weitere Probleme: Alleine im Mai lag das Außenhandelsdefizit bei über zwölf Milliarden Dollar.
Zugleich macht der Wertverlust der Türkischen Lira dem Land massiv zu schaffen. Inzwischen kostet der US-Dollar mehr als 21,20 Lira - und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch die Amtseinführung von Simsek konnte den Wertverlust der Türkischen Lira nicht stoppen. Fünf Jahre zuvor hatte der US-Dollar noch 4,73 Türkische Lira gekostet.
Analysten der US-Bank Goldman Sachs sehen die Zukunft für die Türkische Leitwährung weiterhin nicht positiv. Innerhalb von zwölf Monaten könnte der US-Dollar sogar 28 TL kosten. Gerade für ein Land, das neben Energie viele andere Waren und Rohstoffe aus dem Ausland einführen muss, hat das katastrophalen Auswirkungen. Lohnerhöhungen und Rentenanpassungen liegen deutlich unter den Inflationszahlen.
Neuer Finanzminister der Türkei: Simsek will zur „Rationalität“ zurück
Simsek scheint sich seiner schwierigen Aufgabe bewusst zu sein und hat Veränderungen angekündigt, um auch das Vertrauen internationaler Investoren zu gewinnen. Der neue Finanzminister versprach, sich neben Transparenz auch an internationale Standards zu halten. „Die Türkei hat keine Alternative mehr, als auf den Boden der Rationalität zurückzukehren”, sagte SImsek bei einer Pressekonferenz.
Allerdings ist die AKP-Regierung mit den Oligarchen des Landes eng verbandelt. Die staatlichen Ausschreibungen werden praktisch größtenteils noch unter der „Fünferbande“ aufgeteilt, den fünf Konzernen, die durch die Erdogan-Regierung Milliardenaufträge bekommen. Der Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, Kemal Kilicdaroglu (CHP) hatte versprochen, 418 Milliarden Dollar an Steuergeschenken für die großen Konzerne zurückzufordern, wenn er zum Staatsoberhaupt gewählt wird. Die werden sich allerdings kaum in die Karten schauen lassen oder auf staatliche Milliardenaufträge verzichten.
Erdogan wirft Simsek Betrug von Halkbank vor
Inzwischen ist ein früheres Video von Präsident Erdogan aufgetaucht, in dem er sich über seinen neuen Finanzminister verärgert zeigt. Simsek habe versucht, gemeinsam mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Ali Babacan und Außenminister Ahmet Davutoglu die staatliche Halkbank zu betrügen. „Ich dachte, sie sind ehrlich. Lernt sie durch ihre Taten kennen”, sagt Erdogan in seiner Rede. (erpe)
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