Von Stephanie Munk
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Am 28. Mai heißt es bei der Stichwahl in der Türkei: Erdogan gegen Kilicdaroglu. Der Drittplatzierte Sinan Ogan könnte dabei zum Königsmacher werden.
Ankara - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verfehlte bei der Türkei-Wahl 2023 knapp die absolute Mehrheit. Es wird eine Stichwahl mit Kemal Kilicdaroglu geben. Hier finden Sie alle Informationen zur Stichwahl.
Wie fielen die Ergebnisse der Türkei-Wahl 2023 aus? Bei der Präsidentschaftswahl in der Türkei am vergangenen Sonntag (14. Mai) hat der amtierende Präsident Erdogan die absolute Mehrheit von über 50 Prozent nur äußerst knapp verfehlt. Sein Stimmenanteil belief sich auf 49,5 Prozent. Der Kandidat der Opposition, Kemal Kilicdaroglu, erzielte hingegen 44,8 Prozent. Sinan Ogan, der dritte Kandidat, erreichte einen Anteil von 5,2 Prozent.
War das Ergebnis überraschend? Das Resultat der Präsidentenwahl sorgte für eine Überraschung. Obwohl Umfragen im Vorfeld eine Stichwahl prognostiziert hatten, galt Kilicdaroglu als Favorit.
Was bedeutet „Stichwahl“? Eine Stichwahl findet statt, wenn kein Kandidat bei einer Wahl die erforderliche Mehrheit erreicht, um als Sieger hervorzugehen. In der Türkei hätte einer der Kandidaten eine absolute Mehrheit von über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erreichen müssen, um Präsident zu bleiben oder zu werden. Da dies nicht eingetreten ist, treten diejenigen Kandidaten, die die meisten Wählerstimmen erhalten haben, in einer Stichwahl erneut gegeneinander an.
Wer tritt bei der Stichwahl in der Türkei gegeneinander an? Am 28. Mai treten bei der Stichwahl in der Türkei erneut der Vorsitzende der AKP , Erdogan, und Kemal Kilicdaroglu von der linksgerichteten CHP gegeneinander an.
Was muss man über Recep Tayyip Erdogan wissen? Erdogan (69) wuchs in Istanbul als Sohn eines armen Seemanns auf. In seiner Jugend versuchte er, das Familieneinkommen durch den Verkauf von Wasser, Sesamkringeln und Süßigkeiten aufzubessern. Später studierte er Wirtschaftswissenschaften. Im Jahr 1994 wurde der streng gläubige Muslim zum Oberbürgermeister von Istanbul gewählt.
Nachdem seine frühere Partei verboten wurde, gründete Erdogan die AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung), eine islamisch-konservative Partei. Im Jahr 2003 wurde er Ministerpräsident der Türkei und brachte den Islam wieder stärker in die Politik. Im August 2014 wurde Erdogan zum Präsidenten der Türkei gewählt und kurz darauf führte er eine Verhaftungswelle gegen regierungskritische Journalisten durch.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden. © Mehmet Gulbiz/dpa Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb. © Jeff_J._Mitchell/Imago Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt. © Anadolu Ajansi/dpa Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich. © dpa/epa Der nächste politische und wirtschaftliche Erfolg ist die Abzahlung sämtlicher Schulden, welche die Türkei in 19 Jahren als Schuldner bei der IWF und Weltbank hatten. Die Türkei hat sich in 50 Jahren fast 47 Milliarden US-Dollar aus dem Fonds geliehen. Nachdem bei Verhandlungen keine Einigung über eine neue Standby-Vereinbarung getroffen werden konnte, entschied sich die Türkei den Rest der Schulden 2009 anlässlich der Jahrestagung der IWF und Weltband (siehe Bild) zu tilgen. Der nächste politische und wirtschaftliche Erfolg ist die Abzahlung sämtlicher Schulden, welche die Türkei in 19 Jahren als Schuldner bei der IWF und Weltbank hatten. Die Türkei hat sich in 50 Jahren fast 47 Milliarden US-Dollar aus dem Fonds geliehen. Nachdem bei Verhandlungen keine Einigung über eine neue Standby-Vereinbarung getroffen werden konnte, entschied sich die Türkei den Rest der Schulden 2009 anlässlich der Jahrestagung der IWF und Weltband (siehe Bild) zu tilgen. © epa Jaffe / Imf Handout Auf diesen auch international anerkannten politischen Erfolg folgte noch im selben Jahr ein Eklat. Als Israels Premierminister Shimon Peres das Vorgehen seines Staates im Gazastreifen rechtfertigte, fragte er Erdogan, wie er auf einen Raketenbeschuss Istanbuls reagieren würde. Erdogan reagierte verärgert und rief: „One Minute(s)! One Minute(s)!“ Daraufhin gab ihm der Moderator wieder das Wort. Er kritisierte Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung und warf der Israels Regierung vor, bewusst unschuldige Zivilisten und Kinder getötet zu haben. Währenddessen versuchte der Moderator immer wieder, Erdogans Rede zu beenden. Erdogan war der Ansicht, die Redezeit sei unfair verteilt und verließ das Podium. Auf diesen auch international anerkannten politischen Erfolg folgte noch im selben Jahr ein Eklat. Als Israels Premierminister Shimon Peres das Vorgehen seines Staates im Gazastreifen rechtfertigte, fragte er Erdogan, wie er auf einen Raketenbeschuss Istanbuls reagieren würde. Erdogan reagierte verärgert und rief: „One Minute(s)! One Minute(s)!“ Daraufhin gab ihm der Moderator wieder das Wort. Er kritisierte Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung und warf der Israels Regierung vor, bewusst unschuldige Zivilisten und Kinder getötet zu haben. Währenddessen versuchte der Moderator immer wieder, Erdogans Rede zu beenden. Erdogan war der Ansicht, die Redezeit sei unfair verteilt und verließ das Podium. © dpa/epa Der Eklat in Davos und nachfolgende Abreise des türkischen Staatschefs hatten zur Folge, dass Erdogan von Anhängern der Hamas-Bewegung auf Demonstrationen gefeiert wurde. Aber auch in seiner türkischen Heimat stieß er mit seinen Worten auf fruchtbaren Boden und wurden auch von seinen eigenen Anhängern für diese Aktion gefeiert. Am Istanbuler Flughafen waren Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie „Willkommen zurück, Eroberer von Davos“ oder „Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten“ zu sehen. Der Eklat in Davos und nachfolgende Abreise des türkischen Staatschefs hatten zur Folge, dass Erdogan von Anhängern der Hamas-Bewegung auf Demonstrationen gefeiert wurde. Aber auch in seiner türkischen Heimat stieß er mit seinen Worten auf fruchtbaren Boden und wurden auch von seinen eigenen Anhängern für diese Aktion gefeiert. Am Istanbuler Flughafen waren Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie „Willkommen zurück, Eroberer von Davos“ oder „Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten“ zu sehen. © Nabil Mounzer/dpa/epa Allzu lange hielt diese innertürkische Zufriedenheit mit ihrem Staatschef jedoch nicht vor. Am 28. Mai 2013 beginnen in der Türkei Dauerproteste gegen Erdogan. Ursprung war eine Demonstration gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, woher die Protestwelle ihren Namen hat. Ein übermäßiger Gewalteinsatz seitens der Polizei sorgte für die Eskalation der Proteste. Schnell fanden weitere Proteste in großen türkischen Städten gegen die als autoritär angesehene Regierung Erdogans AKP statt. Allzu lange hielt diese innertürkische Zufriedenheit mit ihrem Staatschef jedoch nicht vor. Am 28. Mai 2013 beginnen in der Türkei Dauerproteste gegen Erdogan. Ursprung war eine Demonstration gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Gelände des Gezi-Parks, woher die Protestwelle ihren Namen hat. Ein übermäßiger Gewalteinsatz seitens der Polizei sorgte für die Eskalation der Proteste. Schnell fanden weitere Proteste in großen türkischen Städten gegen die als autoritär angesehene Regierung Erdogans AKP statt. © Tolga Bozoglu/dpa Bei den Protesten spielte auch die Besetzung des Taskim-Platzes eine große Rolle. Rund um den Platz herum fanden Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten statt. Es wurde zu einem Symbol von Widerstand gegen Polizeigewalt. In Anlehnung auf den Arabischen Frühling wurden die Proteste dort auch als „Türkischer Frühling“ bekannt. Am 12. Juni 2013 wurde der Platz, erneut mit hoher Polizeigewalt, geräumt. Bei den Protesten spielte auch die Besetzung des Taskim-Platzes eine große Rolle. Rund um den Platz herum fanden Ausschreitungen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten statt. Es wurde zu einem Symbol von Widerstand gegen Polizeigewalt. In Anlehnung auf den Arabischen Frühling wurden die Proteste dort auch als „Türkischer Frühling“ bekannt. Am 12. Juni 2013 wurde der Platz, erneut mit hoher Polizeigewalt, geräumt. © Burak Akbulut/Anadolu Agency/dpa Doch weitere Proteste sollten folgen. Diesmal sehr persönlich an Erdogan gerichtet. Auslöser war ein angeblicher Mitschnitt eines Telefonates mit seinem Sohn Bilal, indem es darum geht, wie sie Millionensummen vor Korruptionsermitteln verstecken können. „Wir haben hier auch 30 Millionen Euro!“, riefen die Demonstranten, die sich erneut nahe dem Taskim-Platz sammelten. Sie verteilten große Menschen Falschgeld, um auf Korruption aufmerksam zu machen. Doch weitere Proteste sollten folgen. Diesmal sehr persönlich an Erdogan gerichtet. Auslöser war ein angeblicher Mitschnitt eines Telefonates mit seinem Sohn Bilal, indem es darum geht, wie sie Millionensummen vor Korruptionsermitteln verstecken können. „Wir haben hier auch 30 Millionen Euro!“, riefen die Demonstranten, die sich erneut nahe dem Taskim-Platz sammelten. Sie verteilten große Menschen Falschgeld, um auf Korruption aufmerksam zu machen. © Imago Seit Herbst 2014 residiert Erdogan im Präsidentschaftspalast im Naturschutzgebiet Atatürk Orman Çiftliği in der Hauptstadt Ankara. Der Gebäudekomplex gilt umstritten – unter anderem, weil er trotz eines gerichtlichen Verbots errichtet wurde. Kritisiert werden darüber hinaus die Größe des Palasts: rund 1000 Zimmer sollen vorhanden sein. Weiter waren die Kosten in Höhe von etwa 1,37 Milliarden Türkische Lira enorm für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Seit Herbst 2014 residiert Erdogan im Präsidentschaftspalast im Naturschutzgebiet Atatürk Orman Çiftliği in der Hauptstadt Ankara. Der Gebäudekomplex gilt umstritten – unter anderem, weil er trotz eines gerichtlichen Verbots errichtet wurde. Kritisiert werden darüber hinaus die Größe des Palasts: rund 1000 Zimmer sollen vorhanden sein. Weiter waren die Kosten in Höhe von etwa 1,37 Milliarden Türkische Lira enorm für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. © Turkish President Press Office/Imago Für internationale Schlagzeilen sorgte Satiriker Jan Böhmermann, als er den türkischen Präsidenten in einem Schmähgedicht diffamierte. Die Regierung der Türkei sowie auch Erdogan selbst erstatteten Strafanzeige gegen Böhmermann; die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Am 4. Oktober 2016 gab die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt, dass das Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann eingestellt wurde. Der Satiriker und Fernsehmoderator spielte in seiner damaligen Sendung „Neo Magazin Royale“ hin und wieder auf das Gedicht an, äußerte sich aber nicht zu dem Prozess. Für internationale Schlagzeilen sorgte Satiriker Jan Böhmermann, als er den türkischen Präsidenten in einem Schmähgedicht diffamierte. Die Regierung der Türkei sowie auch Erdogan selbst erstatteten Strafanzeige gegen Böhmermann; die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Am 4. Oktober 2016 gab die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt, dass das Ermittlungsverfahren gegen Böhmermann eingestellt wurde. Der Satiriker und Fernsehmoderator spielte in seiner damaligen Sendung „Neo Magazin Royale“ hin und wieder auf das Gedicht an, äußerte sich aber nicht zu dem Prozess. © Presidential Press Office/Spata/dpa Am Abend des 15. Juli 2016 kam es offiziellen Angaben zufolge zu einem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs. Da die Revolte bei einem Großteil der Bevölkerung jedoch auf Ablehnung stieß, und auch bei der politischen Opposition wenig Anklang fand, fiel der Putsch schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen. Die Erdogan-Regierung machte prompt die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich, was diese aber zurückwies. Das Foto zeigt Anhänger von Präsident Erdogan auf einem Panzer auf der Bosporusbrücke am 16. Juli 2016. Am Abend des 15. Juli 2016 kam es offiziellen Angaben zufolge zu einem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs. Da die Revolte bei einem Großteil der Bevölkerung jedoch auf Ablehnung stieß, und auch bei der politischen Opposition wenig Anklang fand, fiel der Putsch schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen. Die Erdogan-Regierung machte prompt die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich, was diese aber zurückwies. Das Foto zeigt Anhänger von Präsident Erdogan auf einem Panzer auf der Bosporusbrücke am 16. Juli 2016. © dpa/EPA Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde. Im Jahr 2017 setzte Recep Tayyip Erdogan mithilfe eines Referendums eine Verfassungsänderung durch, bei der es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse ging. Dadurch gewann der türkische Präsident noch mehr Einfluss auf die Justiz. Die Opposition sprach von Wahlbetrug. Auch Untersuchungen von Forschenden legen nahe, dass das Referendum manipuliert wurde. © Turkish Presidential Press Office/Imago Unter Erdogan begann 2018 in der Türkei eine Währungskrise, woraufhin die türkische Lira in den folgenden Jahren Rekordwertverluste einbüßte. Zwischen 2019 und 2021 tausche der Präsident dreimal den Chef der türkischen Zentralbank, weil sie die lockere Finanzpolitik nicht mittragen wollten. Für 2022 hob Erdogan den Mindestlohn um 50 Prozent an und forderte von Arbeitgebern weitere Steuern. Dies soll den Verlusten entgegenwirken. Unter Erdogan begann 2018 in der Türkei eine Währungskrise, woraufhin die türkische Lira in den folgenden Jahren Rekordwertverluste einbüßte. Zwischen 2019 und 2021 tausche der Präsident dreimal den Chef der türkischen Zentralbank, weil sie die lockere Finanzpolitik nicht mittragen wollten. Für 2022 hob Erdogan den Mindestlohn um 50 Prozent an und forderte von Arbeitgebern weitere Steuern. Dies soll den Verlusten entgegenwirken. © Sha Dati/Imago Erdogan wird mit seiner islamisch-konservativen AKP wieder im Wahlbündnis mit der ultranationalistischen MHP antreten. Ein Teil der Opposition hat sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen („Sechser-Tisch“), zu dem unter anderem die größte Oppositionspartei CHP und die nationalkonservative Iyi-Partei gehören. Ein weiteres Bündnis bildet die pro-kurdische Oppositionspartei HDP mit kleineren Parteien. Im Jahr 2023 trat Erdogan mit seiner islamisch-konservativen AKP wieder im Wahlbündnis mit der ultranationalistischen MHP bei der Türkei-Wahl an. Ein Teil der Opposition schloss sich zu einem Bündnis zusammen („Sechser-Tisch“), zu dem unter anderem die größte Oppositionspartei CHP und die nationalkonservative Iyi-Partei gehörten. Ein weiteres Bündnis bildet die pro-kurdische Oppositionspartei HDP mit kleineren Parteien. © Adem Altan/afp Seit den schweren Erdbeben muss sich die Regierung scharfer Kritik an ihrem Krisenmanagement stellen. Vielerorts wurde beklagt, dass Rettungsteams zu spät, in zu geringer Zahl und mit zu wenig Ausrüstung in die Krisenregion gekommen seien. Unter Trümmern verschüttete Menschen hätten so nicht gerettet werden können. In den Erdbebengebieten herrschten vielerorts Minusgrade, viele der Eingeschlossenen erfroren. Nach dem schweren Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023 musste sich die Regierung Erdogans scharfer Kritik an ihrem Krisenmanagement stellen. Vielerorts wurde beklagt, dass Rettungsteams zu spät, in zu geringer Zahl und mit zu wenig Ausrüstung in die Krisenregion gekommen seien. Unter Trümmern verschüttete Menschen hätten so nicht gerettet werden können. In den Erdbebengebieten herrschten vielerorts Minusgrade, viele der Eingeschlossenen erfroren. © Bulent Kilic/afp Die Kritik an der Regierung nach den schweren Erdbeben traf auch Erdogan persönlich. Ende Februar, also rund drei Wochen nach den Beben, entschuldigte sich Erdogan erstmals bei den Menschen dafür und bat um Vergebung für Verzögerungen bei der Erbeben-Hilfe. Erdogan räumte Versäumnisse ein und sagte bei einem Besuch in Adiyaman, aufgrund der großen Zerstörung, der Wetterbedingungen und der Schäden an der Infrastruktur habe man in den ersten Tagen nicht in der „gewünschten Effektivität“ arbeiten können. „Wie jeder Sterbliche können auch wir Fehler, Mängel und Makel haben.“ Die Kritik an der Regierung nach den schweren Erdbeben traf auch Erdogan persönlich. Ende Februar, also rund drei Wochen nach den Beben, entschuldigte sich Erdogan erstmals bei den Menschen dafür und bat um Vergebung für Verzögerungen bei der Erbeben-Hilfe. Erdogan räumte Versäumnisse ein und sagte bei einem Besuch in Adiyaman, aufgrund der großen Zerstörung, der Wetterbedingungen und der Schäden an der Infrastruktur habe man in den ersten Tagen nicht in der „gewünschten Effektivität“ arbeiten können. „Wie jeder Sterbliche können auch wir Fehler, Mängel und Makel haben.“ © Adem Altan/afp Erdogan bat zudem „um ein Jahr“ Zeit, um „die Wunden des Erdbebens zum Großteil“ zu heilen. Die Opposition kritisierte dagegen den Vorstoß des türkischen Präsidenten. Man nehme die Entschuldigung nicht an, schrieb etwa die prokurdische Partei HDP auf Twitter. Ali Babacan, der Chef der Oppositionspartei Deva, erklärte rundheraus, Erdogan könne der Verantwortung nicht entkommen. Erdogan bat zudem „um ein Jahr“ Zeit, um „die Wunden des Erdbebens zum Großteil“ zu heilen. Die Opposition kritisierte dagegen den Vorstoß des türkischen Präsidenten. Man nehme die Entschuldigung nicht an, schrieb etwa die prokurdische Partei HDP auf Twitter. Ali Babacan, der Chef der Oppositionspartei Deva, erklärte rundheraus, Erdogan könne der Verantwortung nicht entkommen. © Press Office of the Presidency of Turkey/afp Auch Erdogans Hauptrivale im Kampf um das Präsidentenamt macht Erdogan für die Folgen verantwortlich. „Sie waren in allen möglichen Dingen untätig, so wie hier auch“, sagte Kemal Kilicdaroglu von der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP. „Sie haben wirklich keine Ahnung, wie man einen Staat regiert. Ich sage es ganz offen: Wenn jemand hauptverantwortlich für diese Folgen ist, dann ist es Erdogan.“ Auch Erdogans Hauptrivale im Kampf um das Präsidentenamt macht Erdogan für die Folgen verantwortlich. „Sie waren in allen möglichen Dingen untätig, so wie hier auch“, sagte Kemal Kilicdaroglu von der kemalistisch-sozialdemokratischen CHP. „Sie haben wirklich keine Ahnung, wie man einen Staat regiert. Ich sage es ganz offen: Wenn jemand hauptverantwortlich für diese Folgen ist, dann ist es Erdogan.“ © Yasin Akgul/afp Erdogan kontert, indem er seinen stärksten Herausforderer Wahlen wegen Treffen mit der prokurdischen Partei HDP scharf kritisiert. Kilicdaroglu habe den parlamentarischen Arm einer „Terrororganisation“ zum Partner gemacht, sagte Erdogan. Die HDP, die bei der Präsidentenwahl keinen eigenen Kandidaten aufstellt, dürfte die Bewerbung Kilicdaroglus unterstützen. Die HDP-Stimmen könnten entscheidend sein. Erdogan konterte, indem er seinen stärksten Herausforderer Wahlen wegen Treffen mit der prokurdischen Partei HDP scharf kritisierte. Kilicdaroglu habe den parlamentarischen Arm einer „Terrororganisation“ zum Partner gemacht, sagte Erdogan. Die HDP, die bei der Präsidentenwahl in der Türkei 2023 keinen eigenen Kandidaten aufstellte, unterstützte die Bewerbung Kilicdaroglus, die durch HDP-Stimmen auf einen Sieg über Erdogan hofften. © Francisco Seco/dpa AKP-Kandidat mit seiner Anhängerschaft und in Begleitung seiner Ehefrau Emine Erdogan. Wenn auch knapp, so konnte Erdogan sich trotz allem 2023 bei den Präsidentschaftswahlen im zweiten Versuch durchsetzen. Verpassten beim ersten Wahlgang alle Kandidaten die absolute Mehrheit noch, holte Erdogan diese mit 52 Prozent der Stimmen in der sich anschließenden Stichwahl. Den Sieg feierte der AKP-Kandidat mit seiner Anhängerschaft und in Begleitung seiner Ehefrau Emine Erdogan. © MURAT CETIN MUHURDAR/AFP massive Protestwelle in weiten Teilen der Türkei Am 19. März 2025 nahm die türkische Polizei Erdogans Gegenspieler und Bürgermeister der Stadt Istanbul, Ekrem İmamoğlu, fest. Dem CHP-Politiker wurden Korruption und Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworden. İmamoğlus Festnahme und die weiteren Verhaftungen von über 100 Personen lösten eine massive Protestwelle in weiten Teilen der Türkei aus. Die Proteste richteten sich dabei vor allem gegen die Regierung Erdogans, der vorgeworfen wurde, die Festnahmen seien politisch motiviert. © ED JONES/AFP Epizentrum der Proteste gegen Erdogan war die Metropole Istanbul Epizentrum der Proteste gegen Erdogan war die Metropole Istanbul. Dort kam es am 29. März 2025 zur größten Demonstration der Türkei seit den Gezi-Protesten 2013. Hunderttausende Menschen beteiligten sich. Laut CHP-Vertretern soll die Zahl sogar bei mehr als zwei Millionen gelegen haben. Die Polizei ging zum Teil mit aller Härte gegen die Demonstrationen vor. Laut Angaben des türkischen Innenministeriums wurden etwa 2.000 Menschen festgenommen. © KEMAL ASLAN/AFP Als ein Mittel des Widerstands gegen Erdogan setzt die Protestbewegung auch auf Boykottaufrufe. Als ein Mittel des Widerstands gegen Erdogan setzt die Protestbewegung auch auf Boykottaufrufe. Produkte von Unternehmen, denen eine Nähe zu Erdogan unterstellt wird, sollten nicht mehr gekauft werden, so die Forderung der Opposition. „Stoppt alle Einkäufe! Supermärkte, Online-Shopping, Restaurants, Benzin, Kaffee, Rechnungen, kauft nichts“, sagte Özgür Özel, Vorsitzender der CHP-Partei. © ADEM ALTAN/AFP Im Juli 2016 wurde die türkische Regierung von einem Putschversuch seitens des Militärs bedroht. Als Reaktion darauf rief die Regierung unter Erdogan einen Ausnahmezustand aus, der mehrmals bis zum Jahr 2017 verlängert wurde. Der Putschversuch bildete auch den Anlass für eine Verfassungsänderung, durch die die Exekutivbefugnisse gebündelt und der Einfluss Erdogans auf die Justiz ausgebaut wurden.
Was muss man über Kemal Kilicdaroglu wissen? Kemal Kilicdaroglu ist der Präsidentschaftskandidat der Opposition. Der 75-jährige Politiker hat Wirtschaftswissenschaften studiert und verfügt über langjährige Erfahrung als Buchhaltungsexperte und im Bereich Sozialversicherung. Seit dem Jahr 2002 ist er Mitglied des türkischen Parlaments und vertritt dort die CHP (Republikanische Volkspartei). Im Jahr 2010 wurde er zum Vorsitzenden seiner Partei gewählt.
Im März 2023 wurde Kilicdaroglu vom Oppositionsbündnis „Sechser Tisch“ als gemeinsamer Kandidat für die Wahlen in der Türkei nominiert. Zudem erhält er Unterstützung vom linken Parteienbündnis „Bündnis für Arbeit und Freiheit“, zu dem auch die pro-kurdische HDP gehört.
Kemal Kilicdaroglu: Die Geschichte von Erdogans Herausforderer Kemal Kilicdaroglu führt seit 2010 die kemalistisch-sozialdemokratische CHP an. Der heute 74 Jahre alte Finanzexperte sollte die Partei nach zwei herben Niederlagen gegen Recep Tayyip Erdogans AKP zu alter Stärke führen. Nun fordert er Erdogan als Präsidentschaftskandidat eines Bündnisses aus sechs Parteien heraus. Umfragen bescheinigen ihm gute Chancen, Erdogan tatsächlich an der Spitze des Staates abzulösen. © Adem Altan/afp Geboren wurde Kemal Kilicdaroglu am 17. Dezember 1948 in Ballica, einem kleinen Dorf im Norden der Türkei. Seit 1974 ist er mit der Journalistin Selvi Kilicdaroglu verheiratet. Vor ihrer Ehe arbeitete sie an der Fakultät für Politikwissenschaft der Universität Ankara. Das Paar hatte drei Kinder, von denen eines im Alter von drei Monaten verstarb. Selvi Kilicdaroglu stammt wie ihr Mann Kemal aus Ballica. © Republican People‘s Party (CHP) Press Service/afp Nationale Berühmtheit erhielt Kemal Kilicdaroglu in der Türkei aufgrund seines Kampfes gegen Korruption. Dabei machte er auch vor Mitgliedern der Regierung nicht Halt. 2008 beschuldigte er Dengir Mir Mehmet Firat, den Stellvertreter Erdogan während eineer Debatte im türkischen Parlament. Mit dabei hatte Kilicdaroglu Dokumente, die die Verwicklungen beweisen sollten. © Adem Altan/afp Im Jahr 2011 trat die CHP erstmals unter ihrem neuen Vorsitzenden Kemal Kilicdaroglu bei den Parlamentswahlen in der Türkei an - und feierte einen ersten Erfolg. Die Partei gewann mehr als fünf Prozent dazu und sicherte sich ihren Platz als größte Oppositionspartei hinter Erdogans regierender AKP. Gemeinsam mit seiner Anhängerschaft feierte Kilicdaroglu den Erfolg in Ankara. © Adem Altan/afp Erdogan und Kilicdaroglu bei einer Beerdigung Recep Tayyip Erdogan versuchte seinen Herausforderer Kemal Kilicdaroglu immer wieder in die Nähe zur Terrororganisation PKK zu rücken. Doch Kilicdaroglu ging immer wieder auf Distanz zu der kurdischen Organisation, die er ebenfalls als „Terroristen“ bezeichnete. 2017 besuchte er an der Seite von Erdogan die Beerdigung eines türkischen Soldaten, der in Kämpfen mit der PKK getötet worden war. © Adem Altan/afp Putschversuch in der Türkei 2016 Am 16. Juli wurde die Türkei von einem Militärputsch erschüttert. Die aufgebrachten Bürger stellten sich den Soldaten in zahlreichen Städten entgegen. Die Welt blickte auch auf Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu. Der stellte sich trotz aller Differenzen hinter Recep Tayyip Erdogan. Der Präsident entkam den Putschisten und der Umsturzversuch wurde schließlich abgewendet. © Adem Altan/afp Kemal Kilicdaroglu entkommt Anschlag auf Konvoi Auch Kemal Kilicdaroglu musste in seiner politischen Karriere bereits um sein Leben fürchten. Im Jahr 2016 wurde sein Fahrzeugkonvoi in der Region Artvin von militanten Kurden attackiert. Ein türkischer Soldat wurde getötet, zwei weitere verletzt. Kilicdaroglu konnte unverletzt entkommen. Der Anschlag wurde später mit der PKK in Verbindung gebracht und sorgte für Schockwellen in der türkischen Politik. © Republican People‘s Party (CHP) Press Service/afp Kemal Kilicdaroglu beim Marsch für Gerechtigkeit in Istanbul Nach dem Putschversuch und dem PKK-Anschlag bemühte sich Recep Tayyip Erdogan, die Türkei zu einem autoritären Staat umzubauen. Er führte das Präsidialsystem ein, beschränkte die Pressefreiheit und ging gegen zahlreiche Politiker der Opposition vor. Gemeinsam mit seinen Anhängern demonstrierte Kilicdaroglu 2017 mit einem „Marsch für die Gerechtigkeit“ von Ankara bis Istanbul gegen die Verhaftung eines CHP-Abgeordneten. © Ozan Kose/afp Kemal Kilicdaroglu wird auf einer Beerdigung attackiert Im Jahr 2019 kommt es erneut zu einem Angriff auf Kemal Kilicdaroglu. Diesmal wird der Oppositionspolitiker auf einer Beerdigung eines Soldaten in Ankara attackiert. Kilicdaroglu erlitt leichte Verletzungen und musste in einem nahe gelegenen Gebäude in Sicherheit gebracht werden. Der Angreifer entpuppte sich im Nachgang als Mitglied der regierenden AKP. © Harun Ozalp/afp Wahl in der Türkei Doch Kemal Kilicdaroglu ließ sich nicht von seinem Kurs abbringen. Im Jahr 2023 stehen seine Chancen, Recep Tayyip Erdogan abzulösen, besser als je zuvor. In Umfragen liegt er vor seinem Amtsinhaber. Die CHP könnte nach mehr als 20 Jahren wieder die Regierung in der Türkei stellen. Doch die Entscheidung darüber könnte auch erst am 28. Mai stehen - sollte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erhalten, kommt es dann zur Stichwahl. © Ozan Kose/afp Was geschieht mit den Stimmen des Drittplatzierten? Die Anhänger von Sinan Ogan (55), dem drittplatzierten Kandidaten und Ultranationalisten, spielen eine entscheidende Rolle in der bevorstehenden Stichwahl. Ogan konnte 2,8 Millionen Stimmen für sich verbuchen. Zwischen Erdogan und seinem Gegner liegen etwa 2,5 Millionen Stimmen. Am Montag, den 22. Mai, gab Ogan bekannt, dass er Erdogan in der Stichwahl unterstützen wird. Diese Entscheidung mindert die Hoffnungen von Kilicdaroglu, dass er sich durchsetzen kann.
Wie sind die Prognosen für die Stichwahl in der Türkei? Amtsinhaber Erdogan geht als deutlicher Favorit in die Wahl. Um den Präsidenten zu besiegen, wäre für den Oppositionspolitiker Kilicdaroglu ein wahres Wunder vonnöten. Es bleibt fraglich, ob er nach der Enttäuschung über seine Niederlage im ersten Durchgang noch genügend Wähler mobilisieren kann.
Kritiker bemängeln, dass Kilicdaroglu an Charisma für das höchste Staatsamt mangelt. Auch seine Herkunft stellt ein Handicap dar. Er stammt aus der Provinz Dersim (heute Tunceli), die von Kurden geprägt ist und wo viele Aleviten leben. Mitte April hat der 74-Jährige erstmals öffentlich seine Zugehörigkeit zum Alevitentum bekannt gegeben und somit ein bedeutendes Tabu in der Türkei gebrochen.
Wie bewerten die Kandidaten ihre Chancen? Erdogan ist von seinem bevorstehenden Sieg bei der anstehenden Stichwahl um das Präsidentenamt in zwei Wochen überzeugt. Auf Twitter verkündete er am Dienstag, dass er „so Gott will, einen historischen Erfolg erzielen“ werde.
Auch sein Herausforderer, Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu, zeigte sich selbstbewusst und kämpferisch. Er interpretierte das Ergebnis vom Sonntag als eine Botschaft des Wandels und betonte auf Twitter: „Aber es ist auch klar, dass wir diejenigen sind, die viel härter kämpfen müssen, um ein so rücksichtsloses Regime loszuwerden. Wir haben noch zwölf Tage, um diesen dunklen Tunnel zu verlassen.“
Sind die Wahlen in der Türkei ordnungsgemäß abgelaufen? Nach den Wahlen in der Türkei am Sonntag haben Wahlbeobachter Bedenken bezüglich der Abläufe geäußert. Frank Schwabe, der Leiter der Wahlbeobachtungsmission des Europarats, erklärte, dass die Türkei nicht den Prinzipien einer demokratischen Wahl entspräche. Die Delegation bemängelte mangelnde Transparenz bei der Stimmauszählung und forderte von der Wahlbehörde eine klare Erklärung zur Veröffentlichung der Wahlergebnisse. Es wird vermutet, dass die Behörde unter dem Einfluss der Regierung steht.
Bereits vor der Wahl wurden ungleiche Bedingungen festgestellt. Die regierende AKP unter Erdogan habe „ungerechtfertigte Vorteile“ gehabt, insbesondere in Bezug auf die Berichterstattung der türkischen Medien. Die türkische Regierung kontrolliert weite Teile der Medienlandschaft, was zu einer einseitigen Berichterstattung führen kann. Die Opposition stand offenbar teilweise unter massivem Druck.
Auch die niedrige Wahlbeteiligung in den von Erdbeben stark betroffenen Regionen Anfang Februar ist besorgniserregend. Obwohl keine rechtlichen Hindernisse vorlagen, war die emotionale Belastung dort offensichtlich enorm. Es liegen vorerst keine offiziellen Daten zur Wahlbeteiligung in den betroffenen Gebieten vor.
Wie haben die Türken in Deutschland gewählt? Bei den türkischen Wählern in Deutschland zeichnet sich erneut eine deutliche Mehrheit für Erdogan bei der Präsidentschaftswahl ab. Der Amtsinhaber erhielt knapp zwei Drittel der Stimmen aus Deutschland. Es ist anzunehmen, dass Erdogan in Deutschland wesentlich besser abschneiden wird als insgesamt bei der Wahl.
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