Rückblick

Die Chronik des Ukraine-Krieges

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Feuerwehrleute versuchen im April 22, ein Feuer in einem von einer Rakete getroffenen Gebäude in einem Vorort von Charkiw zu löschen.
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Von der Invasion der „kleinen grünen Männchen“ auf der Krim bis hin zum Stellungskrieg im Donbass - ein Rückblick auf den Kriegsverlauf in der Ukraine.

Frühjahr 2014: Während des Chaos der „Euromaidan“-Revolution in Kiew nutzt Russland den Zerfall der ukrainischen Staatsinstitutionen zu der merkwürdigsten Invasion seit dem Ende der Sowjetunion und ihrer „freundschaftlichen Interventionen“ (Ungarn, Tschechoslowakei, Afghanistan ...): „Freundliche Herren“, maskiert mit Skimasken und in anonymen grünen Uniformen mit russischem Schnitt, tauchen auf der Krim auf und übernehmen dort die Macht. Im Westen werden diese russischen Soldaten als „kleine grüne Männchen“ (eine anzügliche Cartoon-Reihe aus den 1960er/1970er Jahren) verhöhnt. Gegen sie etwas zu unternehmen, traut sich niemand. Die neue Ukraine muss den Verlust der strategisch wichtigen Halbinsel hinnehmen und rettet im Osten, was zu retten ist.

Ukrainische Revolutionärinnen im Februar 2014 in Kiew.

Spätsommer 2014: Der Revolution folgt ein grotesker Schießkrieg. Nach dem gescheiterten Versuch, Provokateure einzuschleusen und „Volkserhebungen“ in allen Bevölkerungszentren der Ukraine zu inszenieren – gefolgt von Bitten um Annexion durch Russland – , versuchen Moskaus Leute vor Ort, in den teilbesetzten Oblasten Donezk und Luhansk eine Front gegen die Ukrainer aufzubauen. Die verteidigen ihre demokratische Revolution mit „Alarmeinheiten“, spontan zusammengewürfelten Gruppen von Bewaffneten, Milizen, paramilitärischer Polizei und verbliebenem Militär. Die extremen Nationalisten und Rechtsradikalen darunter ziehen besonders viel internationales Augenmerk auf sich; sie stellen aber zu keinem Zeitpunkt mehr als zwei oder sechs Prozent (je nach Quellenlage) der kämpfenden Truppe. Mit der Schlechtwetterperiode wird der Konflikt im Donbass zum Stellungskrieg.

Pro-russische Separatisten an einem Kontrollpunkt in Donezk.

12. Februar 2015: Deutschland und Frankreich beaufsichtigen die Unterzeichnung des „Minsk-II-Abkommens“ zwischen der Ukraine und Russland, um den fortwährend schwelenden Konflikt im Donbass doch noch friedlich beizulegen. In der eher schäbigen Tradition des Münchener Abkommens von 1938, das der britische Premier Neville Chamberlain bei seiner Rückkehr nach London angeblich schwenkte („Peace in our time!“), ist auch „Minsk II“ am Ende das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde. Aber Angela Merkel und (etwas weniger) Emmanuel Macron wollen ihren diplomatischen Erfolg nicht schmälern und halten lange über Gebühr an dem Abkommen fest.

Die Krim-Brücke, hier noch eine Baustelle, im März 2018.

25. November 2018: Noch ein Mal flammt der groteske Krieg nach vier Jahren erneut auf: Ein Schiff des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB rammt nahe der Straße von Kertsch – der Meerenge, die das Asowsche mit dem Schwarzen Meer verbindet – einen ukrainischen Schlepper. Kurze Zeit später wird auch noch eines von zwei Begleitbooten der ukrainischen Marine beschossen. Die Russen bringen schließlich alle drei Schiffe auf und internieren (bis heute!) die Besatzungen. Moskau behauptet, die Schiffe seien ohne Erlaubnis durch russische Hoheitsgewässer gefahren.

FR-Ausgabe: Ein schwarzer Tag

Der russische Angriff auf die Ukraine markiert eine Zäsur. Wie der Krieg das Denken militarisiert und sich die Sicherheitslage in Europa verändert, untersucht die Themenausgabe der Frankfurter Rundschau vom 24. Februar 2023, der wir diesen Text entnommen haben. Weitere Aspekte daran:

Neue Normalität: Frieden wird die Ausnahme sein, sagt der Soziologe Richard Sennett.

Altes Denken: Wie der Militarismus einen Siegeszug durch unsere Köpfe angetreten hat.

Neuer Alltag: Stefan Scholl berichtet für die FR aus Moskau. Der Krieg hat sein Leben verändert.

Alte Ängste: Politologe Karl-Rudolf Korte über die Sorgen der Deutschen und ihr Krisenmanagement.

Neues Leben: Flucht aus Kiew, dann Neubeginn in Deutschland: Zwei Brüder berichten über ihr Jahr.

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6. Januar 2019: Die erst drei Wochen zuvor gegründete „einheitliche ukrainisch-orthodoxe Kirche“ wird als eigenständige religiöse Gemeinschaft vom Patriarch von Konstantinopel – der höchsten Autorität der Orthodoxen Kirche – anerkannt. Damit wird das bisher dominierende – und Putin treu ergebene – Moskauer Patriarchat auf seine natürliche Größe zurechtgeschrumpft.

2020: Der 21. zwischen der Ukraine und Russland vereinbarte Waffenstillstand im Donbass wird wie alle anderen zuvor auch komplett ignoriert. Allein im März wurden täglich mehr als 700 Verletzungen der Vereinbarung registriert. Der 22. Waffenstillstand erst zeitigt eine signifikante Reduktion der Zwischenfälle.

Mitte Februar 2021: Nachdem das ukrainische Parlament Manöver mit Nato-Truppen auf seinem Territorium gestattet, nehmen die Verletzungen des Waffenstillstands wieder rapide zu. Dutzende ukrainische Soldat:innen werden getötet, die Verluste auf russischer/separatistischer Seite sind nicht bekannt.

April 2021: Russland verstärkt seine Truppenpräsenz nördlich und östlich der Ukraine um rund 100 000 Mann. US-amerikanische und britische Aufklärer beobachten die Entwicklung aus der Luft.

Januar bis Februar 2022: Im Donbass bleibt es eigentümlich ruhig, die ukrainischen Streitkräfte verzeichnen keine Verluste, andere Waffenstillstandsverletzungen bleiben so gering wie seit 2014 nicht.

21. Februar 2022: Putin erklärt die „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk per Dekret für unabhängig. Die Ukraine zieht ihre Fronteinheiten im Osten etwas zurück und vermeidet dort alle Truppenkonzentrationen.

23. Februar 2022: Das ukrainische Parlament beschließt einen 30 Tage währenden Ausnahmezustand für das gesamte Land, der am nächsten Tag, einem Donnerstag, in Kraft treten soll. Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht vergebens, mit Putin Kontakt aufzunehmen und spricht schließlich im Fernsehen auf Russisch direkt an die Menschen im Nachbarland und fleht sie an, sich für den Frieden einzusetzen.

Flagge der sogenannten „Republik Donezk“.

24. Februar 2022: Die russischen Offiziere in Belarus, im Grenzgebiet bei Belgorod und im Donbass erhalten den Befehl, ihre Paradeuniformen für die Siegesfeiern in der Ukraine beim Einmarsch mitzuführen. Putins Feindaufklärung – oder seine Einflüsterer – behauptet, dass es keinerlei Widerstand gegen die „Befreiung“ der russischen Provinz Ukraine vom Joch „homosexueller jüdischer Nazis“ gibt, ergo ist die „militärische Spezialoperation“ bereits erledigt; man muss jetzt quasi nur noch Paraden zwischen Lwiw und Donezk orchestrieren. Den russischen Invasionstruppen werden laut Recherchen russischer Bürgerrechtsgruppen auch Namenslisten mitgegeben - eine für mögliche Kollaborateur:innen und eine für „zu liquidierende“ Personen.

24. Februar 2022: Alle Vorstöße der russischen Truppen auf ukrainisches Territorium verfehlen ihre Tagesziele. Am markantesten ist der krude und eigentümliche Versuch der Russen, auf dem Flughafen Kiew-Hostomel zu landen und im Handstreich die ukrainische Regierung zu erledigen. Im Donbass verrückt sich die seit 2015 fest stehende Front die nächsten zwei Monate um nicht einen Millimeter. Erbeutete russische Unterlagen zeigen, dass die Militärplaner einen erfolgreichen Abschluss der „Spezialoperation“ innerhalb von zwölf Tagen projektiert hatten.

Sicherheitskräfte inspizieren in einer Straße in Kiew die Überbleibsel einer Granate.

Februar 2022: Eine seit 1945 in Europa nicht mehr gekannte Flüchtlingsbewegung beginnt. Das westukrainische Lwiw wird zum Tor für alle, die aus der Ukraine heraus wollen oder sollen. Ununterbrochen fahren Züge mit Frauen, Kindern und Alten vor allem nach Polen, Busunternehmen organisieren Konvois zur Grenze, manche Männer bringen ihre Familien mit dem Pkw dorthin, dann kehren sie um, um sich für den Kriegsdienst zu melden. Es gibt auch Kriegsdienstverweigerer und -verweigerinnen, aber noch viel mehr vormals pazifistisch Gesinnte ziehen nun Uniformen an. Wer aber partout nicht am Krieg teilnehmen will, bekommt ein Problem mit der Regierung in Kiew, die die Generalmobilmachung ausgerufen hat und bald auch allen Männern im wehrfähigen Alter die Ausreise untersagt. Nach nun einem Jahr Krieg haben laut UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) rund 8,1 Millionen Menschen die Ukraine verlassen. 5,4 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land.

Trauer um getötete ukrainische Soldaten in Kiew.

Ende Februar 2022: Entlang der Schwarzmeerküste läuft es für die Invasoren besser; dort können sie auch aus zwei Richtungen angreifen – von der Krim und aus der Oblast Rostow am Don. Eine Landverbindung zwischen russischem Gebiet und der Krim ist schnell gesichert, Melitopol wird eingenommen, Cherson ist erreicht. Eigentlich hält sich nur noch die wichtige Hafenstadt Mariupol. Im Süden rächt sich für Kiew, dass der Hauptteil der ukrainischen Streitkräfte im Donbass steht.

März 2022: Mit einer zahlenmäßigen Überlegenheit von 12:1 rücken russische Verbände von Norden her nach Kiew vor. Die Einnahme der Hauptstadt scheint nur Stunden entfernt. Aber 30 Kilometer vor Kiew kommt die Offensive zum Stehen: Von vorne widerstehen ukrainische Einheiten den Russen, von hinten kommt für sie kein Nachschub durch. Es fehlen der Armee die Transportkapazitäten. Jahre der Korruption zahlen sich zugunsten der Ukraine aus. Kiew ist gerettet. Die Eroberung von Charkiw, zweitgrößte Stadt der Ukraine und ihre Waffenschmiede, scheitert ebenfalls. Dort bewährt sich zum ersten mal wirklich, dass die ukrainischen Streitkräfte seit ihrer Reformierung 2015 sich an den überlegenen westlichen Standards orientiert haben.

4. März 2022: Erstmals beschießt russische Artillerie das AKW Saporischschja.

7. März 2022: In einem internen Papier des russischen Geheimdienstes FSB wird die Invasion als „Totalversagen“ gewertet. Die Entlassung russischer Generäle wegen mangelnder Erfolge wird zum Alltag.

Frühjahr 2022: Die von ihrer eigenen Unfähigkeit frustrierten russischen Einheiten beginnen in den besetzten Gebieten ein chaotisches Terrorregime. Das Städtchen Butscha im Kiewer Umland wird zum Sinnbild für Putins „Entnazifizierung“: Bis August 2022 finden die ukrainischen Ermittlungsbehörden mehr als 400 gefolterte und massakrierte Zivilpersonen. Manche haben die Russen auf offener Straße gefesselt und exekutiert, andere im Vorbeifahren erschossen. Ein gefangener Russe wird dafür später zu lebenslanger Haft verurteilt. Da Moskau abstreitet, dass seine Truppen daran beteiligt gewesen sind, erlebt ein alter Buhmann eine Renaissance: Putins muslimische Hilfstruppen aus Tschetschenien im „wilden“ Kaukasus sollen fortan für Exzesse verantwortlich sein. Berüchtigt wird die brutale Entmannung und Ermordung eines ukrainischen Gefangenen durch einen Kämpfer vor laufender Handykamera - das Video verbreitet sich schnell im Netz.

Durch russische Angriffe zerstörte Gebäude in Mariupol.

Mitte März 2022: Ausbleibende Geländegewinne führen zur verstärkten Bombardierung des gesamten ukrainischen Staatsgebietes. Im belagerten Mariupol wird ein Entbindungshospital getroffen. In der Donbass-Stadt Popasna trifft eine (laut Genfer Konvention verbotene) Phosphorbombe ein Altersheim. Alle 60 Bewohner:innen kommen ums Leben.

14. März 2022: Die britische Regierung meldet, dass die russische Marine alle Seewege aus der Ukraine blockiert. Die UN schlagen Alarm, weil ohne ukrainisches Getreide eine weltweite Hungersnot droht. Nur unter größten Schwierigkeiten kann Kiew die Landwirtschaft aufrechterhalten.

Ende März 2022: Das Kampfgeschehen konzentriert sich zunehmend auf Mariupol. Russland nutzt international vereinbarte „humanitäre Korridore“ zum Beschießen der flüchtenden Bevölkerung oder um sie nach Russland zu deportieren. Im Laufe des Jahres werden die Deportationen systematisiert, die Menschen bekommen russische Pässe verpasst und werden in Russland quasi in Hausarrest gehalten. Deportierte Kinder werden indoktriniert. Genau Zahlen dieser Kriegsopfer sind nicht bekannt; sie gehen mutmaßlich in die Hunderttausende.

Ende März 22: Das Kampfgeschehen konzentriert sich zunehmend auf Mariupol.

3. April 2022: Einer der zahllosen Propagandisten des Kreml erklärt bei der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti, das Ziel Russlands sei „die Vernichtung der Ukraine als Staat“. Danach werde man das dortige Volk prüfen, ob es zu sehr „nazifiziert“ sei, um noch eine Zukunft in der „neuen Welt“ (Euphemismus für die zu rekonstruierende Sowjetunion) zu haben. Internationale Holocaust-Verbände protestieren gegen die Umdeutung von Begrifflichkeiten durch den Kreml. Manche Beobachter:innen sehen sich bestätigt in ihren seit Jahren vorgetragenen Warnungen, Putins Russland habe sich zugunsten einer „hyperrealen“ Fantasie von der faktischen Realität verabschiedet.

April 2022: Die Offensivkraft der Invasoren ist an allen Frontabschnitten verpufft. Westliche Fachleute schätzen, dass Russlands beste Einheiten am ukrainischen Widerstand weitgehend aufgerieben wurden. Wie als Beleg dafür greifen russische Artillerie und Luftwaffe immer öfter mit ungelenkten Geschossen wahllos zivile wie militärische Objekte an.

Mai 2022: Russische Stellen – von Frontkommandos bis zum Kreml – behaupten mehr und mehr, dass man „alles erreicht“ habe, was man wollte und es jetzt „nur noch“ um die „Befreiung“ oder „Konsolidierung“ der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk gehe.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

20. Mai 2022: Die letzten, nicht ganz 2000 Verteidiger:innen des Asowstal-Werkes in Mariupol geben auf. Nach gut zwei Monaten des Bombardements ist von der Stadt kaum noch etwas übrig geblieben. Die Bilder der Trümmerwüste werden international zum Sinnbild der russischen Zerstörungswut. Im August beginnen die Russen, die Trümmer von Mariupol einzureißen.

23. Mai 2022: Die russischen Verluste seit Beginn der Invasion haben nach westlichen Beobachtungen die Ausmaße derer der Sowjetarmee nach neun Jahren Krieg in Afghanistan erreicht: an die 15 000.

Frühsommer 2022: In Russland wird erstmals Kritik an der Kriegsführung laut. Die städtische Jugend skandiert „Scheiß-Krieg!“, es gibt Attacken auf Rekrutierungsbüros, Soldaten verweigern Marschbefehle, greifen Vorgesetzte an und prangern über die sozialen Medien die Korruption der oberen Ränge an. Selbsternannte Kriegskorrespondenten („Milblogger“) und extremistische Offizierskreise fordern die komplette Militarisierung Russlands und einen offenen Vernichtungskrieg gegen den Westen. Der BND berichtet von russischen Neonazis, die sich zum Einsatz gegen die Ukraine freiwillig melden.

Ukrainische Verteidiger feuern im südlichen Donbass auf russische Stellungen.

Juni 2022: Die ersten lokalen Gegenstöße ukrainischer Kräfte zeigen Erfolg. Die Russen kämpfen weiterhin um bestenfalls propagandistisch bedeutsame Orte im Donbass, aber die Ukrainer zeigen sich strategisch, taktisch, technisch und von der Kampfmoral her überlegen. Der zentrale Frontabschnitt favorisiert durch die zahlreichen Flüsse dort die flexibler agierenden Ukrainer mehr als die schwerfälligen Russen. Erstmals werden Partisaneneinheiten im Rücken der russischen Front aktiv.

Mitte Juni 2022: Die Russen versuchen verbissen, einen Frontbogen bei Sjewjerodonezk einzudrücken. Ein Erfolg würde Truppen für andere Operationen freisetzen – allerdings auch die Front der Ukrainer verkürzen und ihnen damit Handlungsspielraum geben. Dort in der Oblast Luhansk erproben die Ukrainer erstmals das systematische „Ausbluten“ von Feindverbänden durch hinhaltenden Widerstand aus vorbereiteten Stellungen heraus.

24. Juni 2022: Die Ukrainer geben das zu 90 Prozent zerstörte Sjewjerodonezk auf. Das ist in diesem Augenblick ein Schlag für die Kampfmoral der Nation. Schwer wiegen die bislang verzeichneten Verluste an Mensch und Material im Land: 30 bis 40 Prozent, verlautbart der ukrainische Generalstab.

Ukrainische Soldaten in der Nähe von Lyssytschansk.

3. Juli 2022: Die Ukrainer ziehen sich aus Lyssytschansk zurück, der letzten großen Stadt in der Oblast Luhansk. Weiterer Widerstand dort erscheint ihnen sinnlos.

Juli 2022: Die Ukrainer beziehen neue Verteidigungsanlagen auf der Höhe von Bachmut. Beide Seiten sind offenbar so erschöpft, dass erstmals keine größeren Kämpfe im Donbass stattfinden.

10. Juli 2022: Es heißt, Selenskyj habe die Befreiung der südlichen Ukraine befohlen. Damit beginnt eine großangelegte Desinformationskampagne, an deren Ende der Frontverlauf sich deutlich verändert haben wird. Ende Juli verlegen die Russen Truppen aus ihrem Hauptangriffsgebiet im Donbass nach Süden. Bei Cherson und Saporischschja kommt es immer wieder zu kleinen Vor- und Gegenstößen. Das AKW Saporischschja wird nun praktisch täglich beschossen.

1. August 2022: Dank türkischer und UN-Vermittlung kann ein erster ukrainischer Getreidefrachter unbehelligt durch das Schwarze Meer und den Bosporus fahren. Währenddessen stehlen Russen und Separatisten Teile der ukrainischen Ernte und verschiffen sie von der Krim aus.

29. August 2022: Ausgreifende Gefechte bei Cherson deuten auf die von Selenskyj befohlene Offensive hin.

Zerstörte Brücke in Staryi Saltiv im Osten von Charkiw.

Anfang September 2022: Die tatsächliche ukrainische Gegenoffensive entwickelt sich bis in den Oktober hinein im Norden bei Charkiw. Dort und im Donbass sind die russischen Kräfte geschwächt und ausgezehrt. Die Ukrainer machen deutliche Geländegewinne und vertreiben die Russen aus der unmittelbaren Umgebung von Charkiw. Die russische Front im westlichen Donbass bei Bachmut droht von ihren Versorgungsbasen abgeschnitten zu werden.

September 2022: Der Kreml ordnet offen eine Teilmobilmachung im Land an. 300 000 Reservisten sollen mobilisiert werden. Daraufhin bilden sich Autokonvois aus dem Land flüchtender Russen in alle Himmelsrichtungen.

Oktober bis Mitte November 2022: Das vermeintliche Ablenkungsmanöver einer ukrainischen Süd-Offensive erweist sich als echt: Die ukrainischen Kräfte stoßen bei Cherson bis an den Dnipro vor und befreien schließlich sogar die Stadt Cherson selbst.

Ukrainische Soldaten erweisen dem gefallenen Handballspieler Yevgen Kolesnichenko die letzte Ehre.

8. Oktober 2022: Bei einer Explosion stürzen zwei Teilstücke der 19 Kilometer langen Krim-Brücke bei Kertsch ein, die Russland und die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel verbindet. Der Kreml spricht von einem Terroranschlag durch die Ukraine. Kiew schweigt dazu.

Von November 2022 an: Nachdem sich die Fronten im Süden und Norden wieder stabilisieren, intensivieren die Russen ihre seit Invasionsbeginn schon laufenden Terrorangriffe mit Artillerie, Raketen und Drohnen auf zivile Ziele. Kiew befürchtet durch das Ausschalten kritischer Infrastruktur einen gefährlichen Kältewinter. Die Menschen versuchen trotzdem, einen möglichst friedlichen Alltag zu leben.

23. November 2022: Das EU-Parlament verurteilt Russland als staatlichen Unterstützer von Terrorismus.

21. Dezember 2022: Präsident Selenskyj unternimmt seine erste offizielle Auslandsreise seit Beginn der Invasion nach Washington. Vor dem US-Kongress dankt er den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung. Trump-treue Republikaner brüskieren ihn.

Februar 2023: Nach London und Paris reist Selenskyj nach Brüssel. In einer emotionalen Rede im Europaparlament bedankt er sich für die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger der EU. US-Präsident Biden besucht überraschend Kiew.

24. Februar 2023: Der Kampf um die strategisch eigentlich wertlose Stadt Bachmut entwickelt sich zum Massaker. Beide Seiten erleiden hohe Verluste. Die Söldner-Firma „Wagner“ übernimmt auf russischer Seite die Hauptlast. Die Ukrainer bleiben bei ihrer bereits erprobten Taktik, den Russen so viele Verluste wie möglich zuzufügen. (Peter Rutkowski, mit dpa)

In einer früheren Version des Artikels wurde die Zahl der aus der Ukraine geflüchteten Menschen mit 18,6 Millionen angegeben. Tatsächlich lag die Zahl zu dem damaligen Zeitpunkt bei 8,1 Millionen. Wir haben die Zahl korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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