Diplomatische Spannungen

„Inakzeptabel“: Polen-Präsident schimpft im TV über Ukraine-Haltung – Kiew erbost

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Polen unterstützt die Ukraine im Kampf gegen Russland. Wolodymyr Selenskyj (links) und Mateusz Morawiecki müssen jetzt aber erst einmal für Ruhe sorgen.
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Polen gehört im Krieg zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Doch nun herrscht Streit. Präsident Selenskyj will die Wogen glätten.

Kiew/Warschau - Der Streit über ukrainische Getreideexporte zwischen Polen und der Ukraine ist weiter eskaliert. Anlass war die Aussage des polnischen Staatssekretärs Marcin Przydacz. Der außenpolitische Berater des polnischen Präsidenten Andrzej Duda hatte im Fernsehen Importbeschränkungen für ukrainische Agrarprodukte verteidigt - und in diesem Zusammenhang mehr Dankbarkeit von Kiew im Ukraine-Krieg gefordert. „Die Ukraine sollte damit beginnen, das zu schätzen, was Polen in den vergangenen Wochen und Monaten für sie getan hat“, sagte er.

Streit über Getreideexporte: Ukraine und Polen bestellen Botschafter ein

Der Vorwurf, die Ukraine würde Polens Unterstützung für den kriegsgebeutelten Nachbarn nicht ausreichend würdigen, kam in Kiew allerdings nicht gut an. Sogleich bestellte das ukrainische Außenministerium den polnischen Außenminister ein. Die Ukraine erklärte, die Äußerungen über die „angebliche Undankbarkeit der Ukrainer“ entsprächen nicht der Realität und seien „inakzeptabel“.

Über diese Belehrung zeigte sich wiederum Warschau verärgert. Als Reaktion bestellte das polnische Außenministerium deshalb seinerseits den ukrainischen Gesandten in Warschau ein. „In der internationalen Politik darf es unter Kriegsbedingungen und unter Berücksichtigung der riesigen Unterstützung Polens für die Ukraine nicht zu solchen Fehlern kommen“, schrieb der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki auf Twitter.

Polen gehört zu den engsten Verbündeten der Ukraine

Polen gehört zu den engsten Verbündeten der Ukraine im Kampf gegen die russische Invasion. Doch seit Polen sich gegen die Einfuhr ukrainischen Getreides auflehnt, wachsen die Spannungen zwischen Polen und der Ukraine. Die EU hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Zölle auf ukrainische Exporte gestrichen. In den Nachbarländern kam es daraufhin zu Protesten gegen den durch das ukrainische Getreide verursachten Preisverfall. Einige Länder verhängten Importstopps.

Im Juni erlaubte Brüssel Polen, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien Einfuhrbeschränkungen für ukrainisches Getreide einzuführen. Diese laufen im September aus. Im Juli drängte Polen die EU, die Vereinbarung zu verlängern, andernfalls werde Warschau dies eigenständig tun. Das soll dafür sorgen, die Getreidepreise stabil zu halten

Selenskyj greift in den Streit ein

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht derweil, die Wogen zwischen Polen und der Ukraine wieder zu glätten. „Wir werden nicht zulassen, dass irgendwelche politischen Momentaufnahmen die Beziehungen zwischen dem ukrainischen und dem polnischen Volk zerstören“, ließ er verlauten. „Die Emotionen sollten auf jeden Fall abkühlen.“ Freiheit und Wohlergehen beider Länder sowie das Zusammenhalten gegen Russlands Krieg stünden an erster Stelle. (dpa/afp/cs)

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