Treffen der Rechtskonservativen

„Wir gegen die anderen“: Donald Trump findet Verbündeten in Argentiniens Regierungschef

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Gemeinsamer Vormarsch von Rechtsaußen: Argentiniens neuer Präsident Javier Milei trifft Donald Trump erstmals persönlich auf der CAPC nahe Washington, um Anknüpfungspunkte ihrer nationalen Politik zu finden.
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Die Rechtskonservativen spinnen ihr Netz, neuer Knotenpunkt ist Argentinien. Zwischen Javier Milei und Donald Trump entflammt eine Männerfreundschaft.

Washington – „Es ist mir so eine Ehre! Es ist unglaublich! Sie sind der Größte für mich!“, schwärmt Javier Milei. Der Angesprochene und er fallen sich am Sonnabend (24. Februar) in die Arme und herzen einander so intensiv, als müssten sie sich gegenseitig stützen – da wird eine Männerfreundschaft demonstriert zwischen dem neuen Präsidenten Argentiniens und dem alten und eventuell neuen starken Mann der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Milei war als Gast aufgetreten auf der amerikanischen Conservative Political Action Conference (CPAC), einem großen Rechtskonservativen-Treffen im Gaylord Convention Center am Rande der US-Hauptstadt Washington.

Das war offensichtlich das erste persönliche Treffen der beiden Politiker. Der argentinische Präsident hofierte Trump, der in der Nacht zu Sonntag, 25. Februar, die US-Vorwahlen in South Carolina gegen Nikki Haley gewann und auf dem besten Weg ist, Spitzenkandidat der Republikaner zu werden. Milei regiert seit Dezember als Regierungschef Argentiniens und gilt als rechtspopulistisch, ultrakonservativ beziehungsweise ultraliberal. Die Rechten knüpfen also ihr Netzwerk, vermutet die Politikprofessorin und Populismusforscherin Sheri Berman von der New Yorker Columbia Universität, wie sie aktuell das Handelsblatt zitiert.

Freundschaft zwischen Trump und Milei: Rechtskonservative knüpfen Kontakt

Argentiniens Gesellschaft taumelt. Die jährliche Inflationsrate liegt bei 254 Prozent, und sie stieg zuletzt in einem Tempo wie bei der Hyperinflation Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Allein im Januar betrug die Teuerungsrate 20 Prozent. Milei will das ändern: Er plant, den Dollar als paralleles Zahlungsmittel zulassen, die Staatsausgaben radikal zu kürzen und die verschlossene Ökonomie für Handel und Investitionen öffnen. Dafür sucht er Gleichgesinnte, und auch Donald Trump kann Verbündete gut brauchen, um dem amtierenden Präsidenten Joe Biden Paroli zu bieten.

„Amerikas Rechtskonservative knüpfen globale Bande“, titelt das Handelsblatt und führt weiter aus: „Trump und Milei werden häufig miteinander verglichen. Beide teilen eine ,Anti-Establishment-Haltung und die Bereitschaft, sich nicht an die traditionellen Regeln zu halten‘, sagt Populismusforscherin Berman, auch wenn die Ziele weltweiter Rechtsaußen-Strömungen zum Teil sehr voneinander abweichen. ,Wir gegen die anderen, das ist ein sehr verbindendes Element.‘“

Personen wie Donald Trump, Mike Pompeo, Nikki Haley oder auch Steve Bannon gehören zu den Stars im konservativ-rechten Lager. Sie alle traten beim alljährlichen Treffen des Conservative Political Action Committee (CPAC) auf und warnten davor, dass Demokraten vorhätten, die USA in ein sozialistisches Land mit unkontrollierter Einwanderung zu verwandeln. Die Konservativen sind allerdings gespalten: für und wider ihres populärsten Protagonisten, Donald Trump; der hat ganz klar die ultra-konservativen Wähler hinter sich. „Wenn die Gegenseite Erfolg haben sollte, dann wird aus unseren einst großartigen USA ein gescheiterter Staat, den niemand wiedererkennen wird. Ein gesetzloser, mit offenen Grenzen, von Verbrechen heimgesuchter, dreckiger kommunistischer Albtraum“, sagte Trump während seiner Rede auf der CPAC.

Milei trifft Trump auf CPAC: Argentinischer Staatschef zeigt sich begeistert von Republikaner

Konservative Delegationen aus der ganzen Welt treffen sich dort – auf der aktuellen Veranstaltung sollen auch Abgeordnete der deutschen AfD gesehen worden sein. Allerdings finden die keinen Platz auf dem Podium. Der Chef der spanischen Vox-Partei, Santiago Abascal, hat in diesem Jahr eine Rede gehalten, daneben beispielsweise auch Liz Truss, Intermezzo-Premierministerin Großbritanniens. Aktuell dehnt sich das Rechtskonservativen-Netzwerk nach Ungarn aus. Deren autokratischer Regierungschef Viktor Orban gilt als europäischer Messias für das Rechtsaußen-Lager. Orban wird auch die Grundsatzrede halten, wenn sich die CPAC Ende April für zwei Tage in Budapest trifft.

An der Veranstaltung im vergangenen Jahr in Budapest hatte auch ein deutscher Vertreter seinen umjubelten Auftritt: Hans-Georg Maaßen. Er war in dem Jahr der einzige deutsche Redner auf der CPAC-Konferenz – die ein sektenartiges Geschmäckle hatte, wie die tagesschau berichtet hatte: „Nationalhymnen erklangen, Geistliche sprachen in schummrigem, blauem Licht Gebete. Die Konferenz begann wie ein Gottesdienst. Hunderte kamen am Donnerstag und Freitag zusammen. Viele von ihnen wetterten gegen die liberale Demokratie. Menschenrechte, Feminismus, queere Menschen und Geflüchtete gelten ihnen als Bedrohung der Zivilisation, hinter der Marxisten, Globalisten und der jüdische Milliardär George Soros vermutet werden. Auf der Konferenz wurden gängige antisemitische und verschwörungsideologische Bilder bedient.“

Viktor Orban und Javier Milei sind einander bereits begegnet. Bei seiner Amtseinführung war neben dem ungarischen Regierungschef auch Santiago Abascal von der spanischen Rechtspartei Vox zugegen. Wobei der Schulterschluss zwischen Milei und Orban oder Milei und Trump vielleicht gar kein so enger sein wird. Orban will eine moralinsaure Politik durchexerzieren, Milei will vorrangig den alt eingesessenen Profiteuren seines Landes an den Geldbeutel.

Argentiniens neuer Präsident Javier Milei werde häufig mit Donald Trump verglichen. Doch Milei sei lediglich ein Reformer im rechtskonservativen Habitus, behauptet beispielsweise Christian Rieck für die Neue Zürcher Zeitung: „Javier Milei ist – anders als Donald Trump – kein Protektionist oder Isolationist, sondern ein Wirtschaftslibertärer, der an die unsichtbare Hand des Marktes und die befreiende Wirkung der globalen Märkte glaubt. Er ist neoliberal eingestellt, und seine Reflexe sind im Kern monetaristisch. Sein Duktus, ,gegen die da oben‘ anzugehen, ähnelt demjenigen Trumps, doch geniesst Mileis radikaler Marktliberalismus weniger Unterstützung durch traditionelle rechtskonservative Kreise oder das Militär selbst.“

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Trump-Milei-Treffen auf CPAC: Sie haben das Zeug zu „best buddies“

Rieck sieht ihn also weniger als einen in der Wolle gefärbten Rechtskonservativen: Seine polarisierenden Aussagen zur Abtreibung sowie zur Militärdiktatur hält Rieck für wenig reflektiert, sie erscheinen ihm wie der Versuch, die sozial konservativen Kreise in Argentinien zu mobilisieren. Und dennoch wird ihm Amerika eher in Person von Donald Trump freundlich zulächeln, denn durch Joe Biden. Allerdings laufen Mileis Ambitionen etwa den ambitionierten Klima- und Umweltzielen der Europäer entgegen, was an das absurde Gebaren des ehemaligen brasilianischen Autokraten Jair Bolsonaro erinnert.

Allein damit hätte er das Zeug zu einem „best buddy“ von Donald Trump – beide verfolgen die Vision, ihre Nationen „great again“ zu gestalten – notfalls allein gegen den Rest der Welt. Schon deshalb können sie wohl gut miteinander; schon deshalb war das erste Treffen des tatsächlichen und des Möchtegern-Potentaten offenbar so ein Erweckungs-Erlebnis, denn nach Meinung von NZZ-Autor Rieck findet Donald Trump an Milei einen Charakterzug, den er sich selbst attestiert: „Mileis Führungsstil trägt messianische Züge.“

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