„Ohne viel Geld auszugeben“

Luftkampf wie im Ersten Weltkrieg: Ukraine schießt Drohnen mit dem Gewehr ab

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Die Ukraine greift auf archaische Methoden zurück: die Luftschlacht gegen Drohnen mit Propellermaschine und Gewehr. Sie braucht Erfolg für wenig Geld.

Odessa – „Aus den Wolken heraus Hunnen, Kugeln, Flügel, überall; ich dachte ,Gott, steh mir bei‘. Meine Maschine geriet ins Trudeln – ich blickte nach hinten: Der Pilot war über dem Steuerknüppel zusammengebrochen. Ich war in der Luft gefangen; mit einem toten Piloten“ – den anonymen Bordschützen aus dem Ersten Weltkrieg lässt Autor Stephen Saunders erzählen in einer ZDF-Doku über Flugzeuge im Ersten Weltkrieg – dem Schmelztiegel zwischen neuen Waffen und traditioneller Kriegstaktik, wie Saunders berichtet. Im Ukraine-Krieg haben die Verteidiger gegen Russlands Aggression offenbar zu einfachen Lösungen zurückgefunden: zum Abschuss von Drohnen aus Propellerflugzeugen heraus – vermutlich sogar mit Handfeuerwaffen. Darüber berichtet jetzt das US-Nachrichtenmagazin Forbes.

Kämpfe über Odessa: Die Ukraine weiß sich im Drohnengefecht zu helfen

Im Dezember 1903 soll Orville und Wilbur Wright der erste Motorflug gelungen sein; mehr als ein Jahrzehnt später waren Flugzeuge elementarer Bestandteil des Ersten Weltkriegs. Heute wäre ein Gefecht ohne Unterstützung aus der Luft zum Scheitern verurteilt, und die klapprigen Propellermaschinen sind längst von autonom fliegenden Drohnen ersetzt worden; allerdings macht die Low-Tech von gestern Wladimir Putins High Tech von heute noch immer schwer zu schaffen.

Über Odessa soll die Besatzung eines Jak-52-Propellerflugzeugs mittels Gewehrschüssen eine russische Aufklärungsdrohne vom Himmel geholt haben, wie ein Video auf X (vormals Twitter) zu belegen scheint. Die Aufnahmen zeigen das Flugzeug, sie lassen Schüsse hören, und abschließend ist zu sehen, wie eine Drohne an ihrem Fallschirm zu Boden segelt. Laut Angaben von Forbes ist das Kunststück mit zwei verschiedenen Drohnen gelungen: mit einer Orlan-Aufklärungsdrohne sowie einer Zala-Lancet-Drohne.

Wissenschaftler beobachten inzwischen verstärkt das Nebeneinander von moderner und bereits überkommen geglaubter Kriegstechnik. Ulrike Franke schreibt über den Ukraine-Krieg im Focus von „Erster Weltkrieg mit Technologie“ – die Politikwissenschaftlerin vom European Council for Foreign Relations beschreibt damit die, in ihren Worten, „Gleichzeitigkeit“ von beispielsweise Panzern mit üppigem Stahlmantel sowie aus Schützengräben stürmenden Soldaten mit „Cyberangriffen, und Drohnen, die sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag im Himmel kreisen“. Und sie beobachtet, dass beide Seiten jeweils von der anderen Seite lernen – etwa, dass, wie sie schreibt, die Ukraine beispielsweise behördliche Daten in Cloudlösungen speichere und Russland eben infanteristische Offensiven von schwer zu vernichtenden Panzern anführen lasse. Jetzt scheint die Ukraine auch erfolgreich ausprobiert zu haben, Erfolge mit knappem Budget zu erzielen.

„Zum einen müssen wir selbst Kleinstdrohnen als Mengenverbrauchsgut begreifen. Ausgehend von den hohen Verlustzahlen von Drohnen im Ukrainekrieg, müssen diese Kleinstdrohnen günstig und schnell verfügbar sein. Dieser Einkauf ähnelt dabei mehr dem von Munition als der Beschaffung neuer Waffensysteme.“

Generalleutnant Andreas Marlow gegenüber dem Deutschen BundeswehrVerband

Not macht erfinderisch: Kiew muss im Ukraine-Krieg Geld sparen

Der Frontalangriff auf die Technik von morgen mit den Mitteln von gestern ist möglicherweise schlichtweg aus der Not geboren. Gleich zu Beginn des Konflikts wurde schnell klar, dass die Drohnentechnik in ein ökonomisches Wettrüsten ausufern würde: Drohnen sind bis heute relativ günstig, weshalb sie in Schwärmen auftreten. Die Luftabwehr dagegen bleibt immens teuer. Die „Gepard“ erwiesen sich in der Ukraine beim Abschuss der „Shahed-136“-Drohnen als wirkungsvoller als die dem deutschen Flugabwehrkanonenpanzer ähnlichen sowjetischen Flugabwehrgeschütze und -systeme.

Der „Gepard“ gilt zudem gegenüber teuren Flugkörpern wie den Patriot-Raketen als kostengünstiger: Fast geht das Geschoss als Schnäppchen durch; aber auch nur im Vergleich: 560 Euro berechnet Munitions-Hersteller Rheinmetall der Ukraine pro Schuss für den „Gepard“. Im Vergleich: Der deutsche Kampfpanzer „Leopard“ jagt mit jeder Granate 9000 Euro durch den Schornstein. Allerdings: Der „Gepard“ verballert aus seinen zwei Maschinenkanonen rund 620.000 Euro. Pro Minute. Die ukrainischen Verteidiger scheinen jetzt Geld sparen zu wollen oder zu müssen – koste es, was es wolle.

Ukraine-Krieg wirft die Frage auf, wie der Krieg der Drohen weitergeht

Die Jakowlew Jak-52 soll das Schulungsflugzeug eines Fliegerclubs sein, wie der ukrainische Nachrichtendienst Unian berichtet; sie stammt aus Sowjetzeiten und wurde in den 1970er-Jahren gebaut. Dadurch wird dieses Ereignis um so spannender, wie das Magazin Defense Express schreibt, denn dieses Sportflugzeug war weder für den Einbau von Waffen vorgesehen, noch für die Aufrüstung mittels Zieloptiken; insofern fragt Defense Express, ob diese Jak doch noch mit Maschinengewehren nachgerüstet wurde, oder ein zweites Besatzungsmitglied mittels Handfeuerwaffen auf die Drohne losgegangen war. Darüberhinaus stellt Defense Express anhand dieses Ereignisses die Frage nach der Zukunft des Drohnenkrieges.

„Für das Deutsche Heer ergeben sich aus dem Einsatz von Drohnen zwei Handlungsfelder. Zum einen müssen wir selbst Kleinstdrohnen als Mengenverbrauchsgut begreifen. Ausgehend von den hohen Verlustzahlen von Drohnen im Ukrainekrieg, müssen diese Kleinstdrohnen günstig und schnell verfügbar sein. Dieser Einkauf ähnelt dabei mehr dem von Munition als der Beschaffung neuer Waffensysteme“, schreibt Generalleutnant Andreas Marlow für den Deutschen BundeswehrVerband. Der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres sieht die Drohne deshalb offenbar als künftiges Hauptkampfmittel und regt die entsprechende Ausbildung der Kräfte an.

Kampf der Propeller-Maschinen: Solch eine russische Orlan-10-Drohne hat die Ukraine offenbar aus einem Schulflugzeug heraus mittels einer Handfeuerwaffe vom Himmel geholt – vermutlich aus Kostengründen.

Technik von gestern: Ex-US-Offizier hält die Debatte um Patriots für überholt

Allerdings gehen andere Militärs schon etliche Schritte weiter. Wo sich der Defense Express noch beschäftigt mit verschiedenen Propellerflugzeugen, die zur Drohnenjagd geeignet wären, stellt das Magazin gleichzeitig die Frage der Sinnhaftigkeit des Kampfes zwischen Mensch und Maschine. Glasklar argumentiert da Paul Maxwell in einem aktuellen Aufsatz für das Army Cyber ​​Institute an der United States Military Academy (West Point), dessen stellvertretender Direktor er ist: Maxwell plädiert für Investionen in Drohnen, die Drohnen jagen – die Debatte um Patriots hält er demzufolge für überholt.

Unmanned Aerial Vehicles (Drohnen) hätten das moderne Schlachtfeld und den Luftraum darüber verändert – in allen ihren verschiedenen Größen: Die Luftverteidigung habe sich zu langsam entwickelt, um diese neue Bedrohung zu bekämpfen, und wo sie mitgewachsen sei, erweise sie sich dennoch als unzureichend. „Es ist an der Zeit, dass Luft-Luft-Kampfdrohnen entwickelt und eingesetzt werden. Damit das US-Militär vorbereitet ist, muss es UAV-Bedrohungen nicht mit der Technologie des Kalten Krieges, sondern mit moderner UAV-Technologie bekämpfen.“

Die Antwort auf Putin sind Luftüberlegenheitsrohnen – günstig, tödlich, wegwerfbar

Maxwells Vorschlag sind Luftüberlegenheitsdrohnen – für ihn der nächste Schritt in der Evolution der unbemannten Waffen. Auch Maxwell zieht seine Erkenntnisse aus dem Verlauf des Ersten Weltkriegs: Aus den berittenen Aufklärern am Boden wurden Ballons hoch oben über den Schützengräben, und auf die folgte die Fliegerei. Aufklärungsdrohnen waren für ihn der nächste logische Schritt, kampffähige Drohen sind für ihn der übernächste.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj
Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland. © Imago
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig.  © dpa
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland. © Alexander Gusev/Imago
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während ihres Studiums des Bauingenieurwesens an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen. Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann.
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während des Studiums an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen.  © Vadim Ghirda/dpa
Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine
Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann. © dpa
Arte - Diener des Volkes
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. © Arte/dpa
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.
Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.  © Arte/dpa
Vereidigung von Selenskyj als neuer Präsident der Ukraine
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein.  © Evgeniy Maloletka/dpa
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein. Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.
Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau. © Wolfgang Kumm/dpa
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab. Steueroasen sind in der Ukraine nicht illegal.
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Diese sind in der Ukraine allerdings nicht illegal. © Sergei Chuzavkov/afp
Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda auf den Britischen Jungferninseln
Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.  © Imago
Selenskyj
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann. © Evgen Kotenko/Imago
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann – und dies zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk tat. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben.
Er setzte das Mittel zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk ein. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben. © Instagram Account of Volodymyr Zelensky/afp
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten. Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden, der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus.
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten.  © Saul Loeb/afp
Joe Biden Hunter
Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden (hinten), der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus. © Imago
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin.
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. © Ukraine Presidential Press Service/afp
Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine
Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin. © dpa
Trump, Macron, Selenskyj - Paris
Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, dass Selenskyj mit Putin zusammentraf.  © Lafargue Raphael/Imago
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren. Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, das Selenskyj mit Putin zusammentraf.
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren.  © Charles Platiau/afp
Selenskyj
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation weiter. Immer häufiger besuchte Selenskyj (Mitte) Militärübungen der ukrainischen Armee, so auch am 16. Februar 2022 in der Stadt Riwne. © Imago
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation immer weiter. Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.
Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion eskalierte der Ukraine-Krieg.
In der Nacht zum 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion im März 2014 eskalierte der Ukraine-Krieg.  © Imago
London, United Kingdom
Im Westen war die Solidarität mit der überfallenen Ukraine groß. Der Regierungssitz im Vereinigten Königreich leuchtete in den ukrainischen Farben.  © Hesther Ng/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. Danach sollen die USA Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden.
Die USA sollen Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden. © Ukraine Presidency/afp

Was Militärs seiner Meinung nach schnell bräuchten, seien kleine billige Drohnen – vielleicht auch Einweg-Plattformen, die sich verteidigen können gegen die, wie er sagt „zahlreichen, handelsüblichen UAVs, die das Schlachtfeld verfinstern“. Sie sollten vor allem günstig sein und quasi „wegwerfbar“, wie Maxwell fordert. „Militärs können sich Flugzeuge zu herkömmlichen Preisen nicht in großen Mengen leisten, wenn die Bedrohung billig und wirksam ist. Eine Verteidigung auf diese Weise mag vorübergehend möglich sein, wird aber bei längeren Konflikten nicht erfolgreich sein, da die Ressourcen die Verfügbarkeit einschränken. Niedrige Kosten werden auch dazu beitragen, dass die untersten Einheiten Verteidigungsfähigkeiten erhalten können, die bisher nur zum Schutz wertvollerer Güter zur Verfügung standen“, schreibt er.

Auch wenn der Erste Weltkrieg der erste industrielle Krieg war und das Maschinengewehr gebar, griffen die Soldaten im Nahkampf oft auf ein Holzstück und Nägel zurück: die Grabenkeule. Der „Luftkampf“ mit Propeller und Flinte war also wohl weniger ein Husarenstück, denn vielmehr Zufall, oder eine Idee, die aus der Not geboren wurde. Reiner Pragmatismus also, wie Forbes-Autor David Axe vermutet: Langsam fliegende Flugzeuge mit Bordschützen seien eine offensichtliche Option gegen langsam fliegende unbemannte Luftfahrzeuge, „ohne viel Geld auszugeben“.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Russian Defence Ministry Press

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