Diktator Trump? Ex-Berater Bolton beruhigt: „Hat nicht den Verstand dafür“
VonSandra Kathe
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Der ehemalige Trump-Berater Bolton warnt davor, dass eine Wiederwahl Trumps den Kreml zum Jubeln bringen könnte. Doch die Demokratie in den USA sieht er nicht in Gefahr.
Washington – Ein knappes halbes Jahr vor der US-Wahl wächst in vielen Kreisen der Bevölkerung die Sorge um einen erneuten Wahlsieg des abgewählten Präsidenten Donald Trump. Neben dessen Positionen zu Themen wie Immigration, Klimawandel und Außenpolitik, fürchten Kritikerinnen und Kritiker vor allem, dass eine weitere Amtszeit Trumps die Demokratie in den USA nachhaltig beschädigen könnte.
Grund zur Sorge geben dafür zum einen die Andeutungen Trumps, der schon davon gesprochen hat, gerne für einen Tag Diktator werden zu wollen. Doch noch ein Punkt kommt hier zum Tragen: Die Erinnerung an die Vorkommnisse des 6. Januar 2021, als US-amerikanische Neonazis, Verschwörungsgläubige und Fans des abgewählten Präsidenten das Kapitol stürmten, um die Bestätigung im Amt von Trumps Nachfolger Joe Biden zu verhindern. Drei Menschen wurden dabei getötet, mehrere Polizeibeamte nahmen sich in Folge der Ereignisse das Leben.
Wahl in den USA: Wie gefährlich würde eine zweite Amtszeit für Donald Trump?
Trumps Rolle im Kapitolsturm ist seither im Zentrum hitziger Debatten, viele Kritikerinnen und Kritiker sprachen von einem Putschversuch. Darüber hinaus wurden mehrere Mitglieder seines Rechtsbeistandsteams bereits zu hohen Strafzahlungen verurteilt, weil sie in mehreren Fällen Personen und Unternehmen fälschlich der Wahlfälschung beschuldigt hatten. Auch Trump selbst und mehrere seiner Familienmitglieder hatten bereits Monate vor der Wahl begonnen, ein mögliches Wahlergebnis, das Donald Trump nicht als US-Präsident bestätigt, in Zweifel zu ziehen.
Ein ehemaliger Mitarbeiter Trumps, der den Ex-Präsidenten inzwischen immer kritisiert, ist der ehemalige UN-Botschafter und Sicherheitsberater John Bolton. In einem jüngst veröffentlichten Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro äußerte er sich extrem skeptisch zu den Befürchtungen vieler Trump-Gegner und betonte, Trump hätte „nicht den Verstand“, um sich als Diktator durchzusetzen. Dennoch könnte eine erneute Amtszeit des Republikaners laut Bolton schwere Folgen haben.
Mögliche Trump-Wiederwahl in den USA: Demokratie nicht in Gefahr
So betonte Bolton in seinem Interview etwa, laut einer Übersetzung der britischen Zeitung The Telegraph, dass die amerikanische Verfassung und die Institutionen im Land zu „stark“ seien, um von Trump ins Wackeln gebracht zu werden: „Trump hat sie bereits angegriffen, indem er versucht hat, das Wahlergebnis in Zweifel zu ziehen und ist damit gescheitert. Er konnte die Wahl nicht stehlen, als er noch im Oval Office saß, aus Mar-a-Lago wird es ihm im November genauso wenig gelingen“. Auch eine Verlängerung seiner Amtszeit im Falle eines Wahlsiegs sei laut Verfassung ausgeschlossen.
Auf die Frage, ob Trump Absichten hätte, die USA als Diktator zu reagieren, sagte Bolton wörtlich: „Dazu hat er nicht den Verstand. Er ist ein Immobilienentwickler, verdammt nochmal!“. Gründe zur Sorge gäbe es laut Bolton dennoch genügend. So könne der ehemalige Sicherheitsberater des Ex-Präsidenten sich etwa vorstellen, dass Trump für die USA einen Austritt aus der Nato vorantreiben könnte.
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Zuvor hatte Bolton bereits mehrfach angekündigt, dass ein Wahlsieg Trumps vor allem im Kreml gefeiert werden könnte, weil eine Unterstützung der Ukraine durch Trumps Republikaner deutlich schwächer ausfallen sollte als unter demokratischer Führung im Weißen Haus. Das zeigt sich auch bereits in der aktuellen Blockade von Ukraine-Hilfen durch republikanische Abgeordnete im US-Parlament.
Darüber hinaus sei auch ein möglicher Nato-Austritt ein immer wiederkehrendes Thema für Trump, das Russland unter Machthaber Wladimir Putin in die Karten spielen könne, so Bolton: „Wenn Trump eine Idee hat, kommt er dazu wieder und wieder zurück. Zwischendurch lenkt ihn etwas ab, er vergisst es, irgendwann fällt es ihm wieder ein und er handelt danach.“ Einen Nato-Austritt der USA halte Bolton aus diesem Grund für eine „echte Möglichkeit“. (saka)