Nach wochenlangem Zögern

Vance äußert sich zu Trumps Wahlniederlage– keine „verrückte Verschwörungstheorie“

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Wie blickt Vize J. D. Vance auf Trumps Wahlniederlage 2020? Auf einer Kundgebung machte er eine Aussage. Das Team von Harris reagierte.

Williamsport – Bei einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania hat J.D. Vance, der republikanische Vize-Kandidat für die US-Wahl, die Wahlniederlage von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2020 offen geleugnet. „Ich glaube, es gab 2020 ernsthafte Probleme. Also, hat Donald Trump die Wahl 2020 verloren? Nicht nach den Worten, die ich wählen würde“, sagte Vance am Mittwoch (16. Oktober) laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Er betonte, keine „verrückte Verschwörungstheorie“, zu vertreten, sondern machte Zensur in der Berichterstattung vor der US-Wahl 2020 als entscheidenden Faktor für Trumps Niederlage aus.

Der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat für die US-Wahl, JD Vance, will Trumps Wahlniederlage gegen 2020 nicht akzeptieren.

Vance will Wahlniederlage Trumps nicht anerkennen – bei TV-Duell zur US-Wahl war er ausgewichen

Zuvor war Vance wochenlang der Frage nach dem Wahlausgang 2020 ausgewichen. Während des TV-Duells mit seinem demokratischen Rivalen Tim Walz am 1. Oktober hatte Vance mehrmals ausweichend auf die Frage reagiert, ob Trump die US-Wahl 2020 gegen Joe Biden rechtmäßig verloren habe.

Vance hatte betont, dass er sich auf die Zukunft konzentrieren wolle und die Probleme, die nach 2020 entstanden sind – wie eine „weite offene Grenze“ und „unbezahlbare Lebensmittelpreise“. Ein Video aus 2022 hatte aber bereits nahegelegt, was der Kandidat für die Vizepräsidentschaft tatsächlich denkt.

Das ist Trumps Vize JD Vance

J. . Vance ist der „Running Mate“ von Donald Trump bei der US-Wshl. Bei einem Wahlsieg soll er Trumps Vize-Präsident im Weißen Haus werden. Vance gilt als ultrarechter Hardliner, dabei war J.D. Vance einst einer seiner schärfsten Kritiker.

Vor der Präsidentschaftswahl 2016 schimpfte Vance noch vehement auf Trump. „Mein Gott, was für ein Idiot“, twitterte Vance damals über den späteren Präsidenten. Später entschuldigte er sich öffentlich und nahm seine Kritik an Trump zurück: „Ich bedaure, dass ich falsch lag.“

J. D. Vance stammt aus Middletown in Ohio in der vom Niedergang der Stahlindustrie geprägten „Rostgürtel“-Region. Seine Mutter hatte jahrelang mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen. Mit seiner Bestseller-Autobiografie „Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise“ schlagartig berühmt. 

Vance ist streng katholisch und Vater von drei Kindern, Er vertritt derzeit seinen Heimatstaat Ohio im US-Senat. Dort ist er bekannt für seine populistisch-nationalistische Agenda und seine Zugehörigkeit zur republikanischen Rechten. 

Vance macht Tech-Konzerne für Trumps Wahlniederlage gegen Biden verantwortlich

Bei der Kundgebung am Mittwoch nun zeigte Vance dieselbe unbewiesene Meinung, die tausende Republikaner mit ihm teilen: Trump sei der Wahlsieg 2020 gestohlen worden. Aber von wem? Auch darauf hatte der Vize-Kandidat von Trump eine Antwort: Er führte Trumps Wahlniederlage auf eine angebliche Zensur durch große Tech-Konzerne zurück. Vance betonte dabei die ausgebliebene Berichterstattung über die Laptop-Affäre von Joe Bidens Sohn Hunter Biden.

Vance sagte laut einem Bericht von CNN: „Was ich weiß, was verifizierbar ist, ist, dass 2020 große Technologieunternehmen Amerikaner davon abgehalten haben, über Dinge wie die Hunter-Biden-Laptop-Geschichte zu sprechen. Und das hatte eine große, große Konsequenz auf die Wahl“, erklärte Vance. Er betonte, keine „verrückte Verschwörungstheorie“, zu vertreten, sondern Zensur in der Berichterstattung vor der US-Wahl 2020 als entscheidenden Faktor zu sehen.

Harris-Team reagiert auf Behauptung von Vance, Trump sei bei US-Wahl 2020 betrogen worden

Hintergrund: Im Vorfeld der Wahlen 2020 wurden die Inhalte eines Laptops von Hunter Biden an Nachrichtenorganisationen verkauft. Die meisten Redaktionen schreckten davor zurück, die Inhalte zu veröffentlichen, da sie eine mögliche russische Desinformationskampagne befürchteten.

6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021 in Washington DC
Alles begann mit einer Rede von Donald Trump. Der noch amtierende Präsident hatte seine Anhängerinnen und Anhänger nach Washington DC gerufen, um dort gegennnnnnn die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zu demonstrieren. Der hatte die Wahl im November gewonnen, am 6. Januar sollten dann die Wahlmänner der Bundesstaaten Bidens Sieg in Washington DC bestätigen. Eigentlich ein formaler, zeremonieller Akt. In Trumps Wahrnehmung aber wohl die letzte Chance, die Niederlage gegen Biden noch zu verhindern. Seine tausenden Zuhörer forderte Trump auf, „gemeinsam zu Kapitol“ gehen um „unser Land zurückzuerobern“. © Brendan Smialowski/afp
Tausende Menschen finden sich am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington DC ein
Der Mob aus MAGA-Fans gehorchte Donald Trump und zog in Richtung Kapitol. Gegen 12 Uhr Ortszeit fanden sich tausende Menschen auf den Stufen zu den Parlamentsgebäuden ein. Viele trugen Camouflage-Kleidung und Gasmasken. Trump-Flaggen und Devotionalen waren überall zu sehen. Entgegen seiner Ankündigung war der abgewählte US-Präsident aber nirgends zu sehen. Das Sicherheitspersonal, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Secret Service, soll Trump eine Teilnahme an der Demonstration verboten haben. © Roberto Schmidt/afp
Ein Galgen, wohl für Mike Pence, ist vor den Stufen des Kapitols in Washington DC am 6. Januar zu sehen.
Donald Trumps Getreue hatten es aber nicht nur auf die Demokraten und Joe Biden abgesehen. Auch Mike Pence geriet ins Visier des Mobs. Trump hatte in den Tagen zuvor von seinem Vizepräsidenten gefordert, die Wahl von Biden nicht zu ratifizieren – eine formale Aufgabe, die im politischen System der USA dem Vize zufällt. Pence weigerte sich, was Trumps Fans zu dem Schlachtruf „Hang Mike Pence“ (Hängt Mike Pence“) inspirierte. Ihre Forderung unterstrich der Mob mit selbstgebastelten Galgen vor dem Kapitol. © Andrew Caballero-Reynolds/afp
Der Maga-Mob prügelt sich am 6. Januar vor dem Kapitol in Washington DC mit der Polizei
Vor dem Kapitol traf der Mob auf hoffnungslos unterbesetzte Sicherheitskräfte. Die Polizei war machtlos und konnte die Barrikaden vor dem Kapitol nicht lange halten. Gegen 12.30 durchbrach der wütende Mob schließlich die Absperrungen. Zwei Stunden hatte die Polizei endgültig aufgegeben und die Trump-Fans verschafften sich Zugang zu den Parlamentsgebäuden. © Joseph Prezioso/afp
Mike Pence und Nancy Pelosi im Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Während draußen die Schlacht zwischen MAGA-Fans und Kapitolspolizei tobte, lief im US-Senat die Sitzung, in der Joe Biden endgültig zum Präsidenten erklärt werden sollte. Kurz nachdem der Mob sich Zugang zu den Gebäuden verschafft hatte, unterbrachen Vizepräsident Mike Pence und Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Sitzung. Der Plenarsaal wurde von den Sicherheitskräften evakuiert. © Erin Schaff/afp
Anhänger von Donald Trump in den Gebäuden des Parlaments auf dem Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Im Kapitol begannen die Anhänger Donald Trumps in den heiligen Hallen der amerikanischen Demokratie zu randalieren. Zahlreiche Kunstwerke wurden zerstört, die Wände mit Exkrementen beschmiert und ein Rednerpult gestohlen, das kurz darauf auf Ebay zum Verkauf angeboten wurde. Währenddessen verbarrikadierten sich Abgeordnete, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten, in einzelnen Räumen des Kapitols. © Roberto Schmidt/afp
Richard Barnett im Büro von Nancy Pelosi beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC in den USA
Die Anhänger von Donald Trump hatten es besonders auf das Büro von Nancy Pelosi abgesehen. Richard Barnett war unter denen, die sich Zugang zu den Räumen der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses verschaffte. Dort machte Barnett Fotos von sich im Stuhl Pelosis, veröffentlichte diese auf Facebook und schrieb Pelosi beleidigende Nachrichten auf den Schreibtisch. Kurze Zeit nach dem Sturm aufs Kapitol wurde Barnett verhaftet. © Saul Loeb/afp
Jake Angeli, der QAnon Schamane beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Zweifelhafte Berühmtheit erlangte am 6. Januar 2021 auch Jake Angeli. Der sogenannte „QAnon-Schamane“ beteiligte sich in Kriegsbemalung und mit Fellmütze inklusive Hörnern am Sturm aufs Kapitol. Tage später wurde Angeli festgenommen und des vorsätzlichen Betretens oder Verbleibs in gesperrten Gebäuden oder Geländen ohne rechtmäßige Befugnis sowie des gewaltsamen Betretens und des ordnungswidrigen Verhaltens auf dem Gelände des Kapitols angeklagt. Die Fahndung sei aufgrund der „einzigartigen Kleidung und den umfangreichen Tätowierungen auf seinem Oberkörper“ leicht gefallen, gaben die Behörden im Anschluss an. © Saul Loeb/afp
Anhänger Donald Trumps beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in den Gebäden des Parlaments in Washington DC.
Überall in den Gebäuden tummelten sich stundenlang die Anhänger Donald Trumps. Der abgewählte US-Präsident zögerte, die Nationalgarde zur Unterstützung der Kapitolpolizei zu entsenden und weigerte sich zunächst, den Mob per Videobotschaft zur Ruhe zu bringen. Erst vier Stunden, nachdem die Türen des Kapitols eingeschlagen worden waren, wandte sich der noch amtierende Präsident an die Demonstranten. Nur halbherzig verurteilte er die Gewalt des Tages und lobte die Randalierer noch als „große Patrioten“. © Saul Loeb/afp
Nationalgardist im Einsatz beim Sturm aufs Kapitol am 6. Januar in Washington DC
Erst gegen 16.30 Uhr, also zweieinhalb Stunden, nachdem das Kapitol gestürmt worden war, wurde die Nationalgarde geschickt. Wer diesen Einsatz, den die Kapitolpolizei zwei Stunden zuvor bereits beantragt hatte, letztlich genehmigt hat, ist nicht bekannt. Laut offizieller Anrufliste hat Donald Trump von 11 Uhr bis 18 Uhr kein einziges Telefonat geführt. Die Theorie liegt nahe, dass Mike Pence letztlich den Einsatz der Nationalgarde in die Wege geleitet hatte. Den Sicherheitskräften gelang es gegen 17.30 Uhr, den Mob aus den Parlamentsgebäuden im Kapitol zu drängen. © Olivier Douliery/afp
Anhänger von Donald Trump beim Sturm aufs Kapitol in Washington DC am 6. Januar
Die Bilanz des Kapitolsturms am 6. Januar in Washington DC fällt verheerend aus. Insgesamt kamen zehn Menschen ums Leben, fünf davon Polizisten. Vier dieser Männer begangen in den Tagen nach dem Sturm Suizid. 140 weitere Sicherheitsbeamte und unzählige Demonstranten wurden verletzt. Bis heute laufen Gerichtsverfahren gegen Beteiligte des Aufstands. Doch für Donald Trump ändert das alles nichts. Bis heute hat er seine Wahlniederlage nicht akzeptiert und lässt seit dem 6. Januar keine Gelegenheit aus, den Beinahe-Sturz der Demokratie in den USA kleinzureden. © Samuel Corum/afp

Das Wahlkampf-Team der demokratischen Kandidatin für die US-Wahl, Kamala Harris, reagierte bereits auf Vances Aussage, er erkenne Trumps Wahlniederlage von 2020 nicht an. Sprecher Matt Corridoni erklärte, Vance habe „endlich zugegeben, dass er die Ergebnisse der Wahlen 2020 leugnet“.

Vance sei ein „loyaler Soldat in Trumps Streben nach absoluter, uneingeschränkter, grenzenloser Macht“. Unterdessen konnte Harris mit einem Interview auf Trumps Lieblingssender Fox News vor der US-Wahl punkten: Sie zeigte klare Kante und grenzte sich überraschend deutlich von Biden ab. Trump kanzelte das Fox News-Interview danach dennoch als desaströs ab und attestierte Harris eine Störung.

Donald Trump behauptet, ihm sei der Wahlsieg vor vier Jahren gestohlen worden

Donald Trump behauptet seit seiner verlorenen Wahl 2020, dass er die Präsidentschaft nur aufgrund von umfangreichem Wahlbetrug nicht gegen Biden gewonnen habe. Zahlreiche Ermittlungen haben keine Beweise für einen groß angelegten Wahlbetrug erbracht. Trump und seine Anhänger haben zudem mehrere Klagen gegen den Wahlausgang verloren.

Gegen Trump laufen zudem noch mehrere rechtliche Verfahren im Zusammenhang mit seinen Versuchen, den Wahlausgang im Nachhinein zu kippen. Dazu zählt der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 durch Tausende seiner Anhänger mit dem Versuch, die Amtsübergabe auf Joe Biden zu verhindern.

Trump will Wahlniederlage gegen Harris bei US-Wahl nicht hinnehmen – Sorge vor Eskalation

Trump hat bereits erklärt, auch eine mögliche Niederlage bei der kommenden Wahl gegen Kamala Harris nicht akzeptieren zu wollen.  „Wenn ich verliere – ich sage Ihnen was, das ist möglich“, sagte der Republikaner bei einem Wahlkampfauftritt im September in Michigan. „Denn sie schummeln. Das ist der einzige Weg, wie wir verlieren könnten, weil sie schummeln.“

Diese Haltung hat zu Befürchtungen geführt, dass es nach der US-Wahl am 5. November zu ähnlichen Szenen wie am 6. Januar 2021 kommen könnte. US-Präsident Joe Biden erklärte dazu, dass er zwar zuversichtlich sei, dass die US-Präsidentschaftswahl „frei und fair“ sein werde, er jedoch nicht sicher sei, ob sie friedlich verlaufen werde. Sicher ist, dass die US-Wahl 2024 knapp ausfallen wird. Umfragen sehen Trump und Harris im Kampf um das Weiße Haus fast gleichauf. (smu)

Rubriklistenbild: © Matt Rourke/AP/dpa

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