Debatte über Reaktion

Verluste für Russland: Türkei schoss Wladimir Putins Kampfjet einst ab

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Russland verletzt wiederholt NATO-Luftraum. Wladimir Putin hatte wegen eines ähnlichen Vorfalls einst richtig Ärger mit Recep Tayyip Erdogan.

Latakia – Die Aufregung ist groß. Nachdem Kampfjets aus Russland am Freitag (19. September) den baltischen Luftraum über estnischem Staatsgebiet verletzt hatten, hatte Estland für diesen Montag (22. September) eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Derweil erwägt Polen, russische Kampfjets im Notfall über eigenem Staatsgebiet abzuschießen. Sowas passierte an der NATO-Grenze vor knapp zehn Jahren real.

Der russische Machthaber Wladimir Putin im August 2016 bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Sankt Petersburg.

Konkret: Am 24. November 2015 hatte die türkische Luftwaffe eine russische Suchoi Su-24 über der syrischen Grenzprovinz Latakia abgeschossen, nachdem diese den türkischen Luftraum laut Angaben aus Ankara mehrmals überschritten hatte. Der Kreml dementierte diese Version. Man könne beweisen, dass das Kampfflugzeug sich permanent über syrischem Staatsgebiet befunden habe, hieß es damals. Entsprechende Beweise legte das Moskau-Regime, das gegenwärtig den blutigen Ukraine-Krieg weiterführt, dann aber doch nicht vor.

Russland-Provokationen gegen die NATO: Türkei schoss einst russischen Kampfjet ab

Laut türkischer Version sei der russische Kampfjet dagegen mehrmals gewarnt worden, man würde schießen, sollte es zu einer neuerlichen Luftraum-Verletzung kommen. Zwei türkische F-16-Kampfflugzeuge bekamen schließlich den Abschussbefehl und feuerten eine Luft-Luft-Rakete auf die russische Maschine ab. Warum der taktische russische Bomber letztlich über Syrien getroffen wurde, ist nicht bekannt. Einer der Piloten konnte sich mit dem Schleudersitz aus dem brennenden Flugzeug retten.

In Sozialen Netzwerken kursierte ein Video, das zeigen soll, wie der Kampfjet abstürzt und in Bodennähe in einem riesigen Feuerball aufging. Wie die Deutsche Welle (DW) berichtet, kam einer der russischen Piloten ums Leben. Kreml-Chef Wladimir Putin nannte den Abschuss „einen Dolch, den uns Komplizen von Terroristen in den Rücken gestoßen haben“. Er fragte in einer Stellungnahme in Sotschi am Schwarzen Meer: „Wollen sie etwa die NATO in den Dienst des Islamischen Staates setzen?“

Der damalige russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu (re.) präsentierte Moskau-Machthaber Wladimir Putin Anfang Dezember 2015 den geborgenen Flugschreiber der abgeschossenen Su-24.

Zuletzt kam es zu wiederholten Provokationen Russland gegen die Verteidigungsallianz NATO. So näherten sich am vergangenen Freitag (19. September) zum Beispiel zwei russische Kampfjets im Tiefflug einer polnischen Bohrinsel in der Ostsee. Am selben Tag hatten gleich drei russische Kampfjets estnischen Angaben zufolge für zwölf Minuten den Luftraum Estlands verletzt. Seither wird über einen möglichen Abschuss russischer Maschinen durch die NATO in einem solchen Fall debattiert.

Abschuss russischer Kampfjets durch die NATO? Polen und Litauen beziehen Position

So erklärte der polnische Premierminister Donald Tusk laut dpa auf einer Pressekonferenz, dass die Regierung in Warschau bereit sei, Flugobjekte abschießen zu lassen, die in polnisches Territorium eindringen und eine Bedrohung darstellen. Die litauische Verteidigungsministerin Dovilė Šakalienė schlug laut TVP World der NATO konkret vor, russische Kampfflugzeuge in solchen Fällen abzuschießen.

Sie verwies explizit auf dem Abschuss der Su-24 im November 2015 durch die Türken. Moskau hatte vorübergehend wirtschaftliche Sanktionen eingeleitet, ehe eine Entschuldigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Mitte 2016 zu einer politischen Wiederannäherung zwischen Ankara und dem Kreml geführt hatte. (Quellen: Spiegel, Deutsche Welle, dpa, TVP World) (pm)

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