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Weil Wladimir Putins Streitkräfte NATO-Luftraum missachten, schließt Polen den Abschuss russischer Flugobjekte über eigenem Staatsgebiet nicht mehr aus.
Warschau - Verschiedene Mitglieder der NATO reagieren auf die Provokationen des Moskau-Autokraten Wladimir Putin. So will Polen nach Angaben von Regierungschef Donald Tusk resolut gegen Verletzungen seines Luftraums einschreiten. Polnischen Medienberichten zufolge erklärte Tusk auf einer Pressekonferenz in Sierakowice, dass die Regierung in Warschau bereit sei, Flugobjekte abschießen zu lassen, die in polnisches Territorium eindringen und eine Bedrohung darstellen könnten.
Tusk bekräftigte laut dpa, dass es darüber keine Diskussion gebe. Anders verhalte sich die Lage in weniger eindeutigen Situationen. Dann müsse man vorsichtiger vorgehen und zweimal überlegen, bevor man eine Entscheidung treffe, die zu einer ernsthaften Eskalation des Konflikts führen könnte, sagte Tusk demnach.
Russland verletzt polnischen Luftraum: Wladimir Putins Drohnen sorgen für Aufregung
Der polnische Ministerpräsident verwies auf den Vorfall am vergangenen Freitag (19. September), bei dem sich zwei russische Kampfjets im Tiefflug einer polnischen Bohrinsel in der Ostsee näherten, ohne die polnische Staatsgrenze zu verletzen. Russland hatte in der Nacht auf den 10. September den polnischen Luftraum zudem mit mindestens 18 Drohnen verletzt. Besonders brisant: Dort, wo mehrere von Putins Drohnen abstürzten, waren polnische Armee-Stützpunkte nicht fern.
Laut der Welt schossen damals in Polen stationierte F-35-Kampfjets des NATO-Partners Niederlande drei von fünf Drohnen ab, die sich in Richtung des polnischen Militärflughafens Rzeszow bewegt hatten, über den rund 90 Prozent aller Waffen-Lieferungen an die Ukraine abgewickelt werden. Und: Wie der Radiosender RMF24 berichtete, sei eine der Drohnen in Nowe Miasto an der Pilica südwestlich von Warschau dicht an einer Kaserne der polnischen Territorialverteidigung abgestürzt.
Auch andere NATO-Staaten beklagen mutmaßlich russische Luftraum-Verletzungen. So waren nach Angaben Estlands ebenfalls am Freitag (19. September) drei russische Kampfjets etwa zwölf Minuten lang in den Luftraum eingedrungen. Russland bestritt diese Darstellung. Was die Verletzungen des polnischen Luftraums in der Nacht auf den 10. September angeht, wurden nach Angaben von Tusk bislang in mehreren Gebieten im Osten und im Zentrum des Landes die Fragmente von 18 Drohnen gefunden.
Polen und Litauen äußern sich zu möglichem Abschuss von Russland-Kampfjets
In der Debatte um einen möglichen Abschuss russischer Kampfjets hat sich indes auch Litauen positioniert. Wie das polnische Nachrichtenportal TVP World berichtet, schlug die litauische Verteidigungsministerin der NATO vor, einen solchen Abschuss in Betracht zu ziehen. Dovilė Šakalienė verwies demnach auf einen Vorfall am 24. November 2015, als das NATO-Mitglied Türkei ein russisches Su-24-Kampfflugzeug über seinem Luftraum abschoss, das offenbar aus Richtung Syrien in denselben geflogen war.
Der Kreml protestierte damals, beließ es aber bei wirtschaftlichen Sanktionen als Reaktion. Litauen hat selbst weder Kampfjets noch große Flugabwehr-Batterien. Über dem Baltikum patrouillieren im Rahmen des Bündnisses abwechselnd NATO-Kampfjets aus Deutschland, Großbritannien oder Italien. In Estland, Lettland und Litauen kommunizieren immer wieder Sorgen vor einem möglichen russischen Angriff mit Blick auf ihre Zeit in der Sowjetunion. (Quellen: dpa, Welt.de, RMF24, TVP World) (pm)
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