Ungeklärter Rechtsstatus

Putin über Prigoschins Truppe: Wagner gibt es, aber Wagner „existiert nicht“

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Wladimir Putin hat zum ersten Mal indirekt zugegeben, dass die Söldner der Wagner-Truppe im Auftrag Russlands agiert haben. Die Zukunft der Gruppierung bleibt derweil unklar.

Moskau - Wladimir Putin ist, soweit bekannt, kein Quantenphysiker. Seine Aussage über die Wagner-Gruppe um Jewgeni Prigoschin erinnert dennoch stark an Erwin Schrödingers berühmte Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist. Doch während man bei Schrödingers Katze die Quantenmechanik für den ungeklärten Zustand verantwortlich macht, ist es im Falle Wagners die Gesetzeslage in Russland. „Wir haben kein Gesetz über private Militärorganisationen... Die Gruppe gibt es zwar, aber juristisch existiert sie nicht“, wird der Kremlchef von der russischen Tageszeitung Kommersant zitiert.

Jewgeni Prigoschin in einem Auto am 26. Juni 2023.

Damit habe Putin zum ersten Mal indirekt eingestanden, dass die russische Führung im Ukraine-Krieg bewusst auf eine illegale Organisation gesetzt habe, so ntv. Der Kreml hatte dies zuvor abgestritten. Die Truppe, die von ihrem Befehlshaber Prigoschin mehrfach als besonders kampfwillig und fähiger als der Rest des russischen Heeres dargestellt wurde, hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. 2014 für den Einsatz im ukrainischen Donbass gebildet, gilt die Schattenarmee als extrem brutal und nimmt keine Rücksicht auf Menschenleben. Zahlreiche Kriegsverbrechen werden den Söldnern angelastet.

Im Hass auf die Ukraine vereint: Schon vor der Revolte gab es Streit zwischen Prigoschin und Putin

Gleichzeitig ist die Wichtigkeit ihrer Leistungen für Moskau nicht von der Hand zu weisen. Vor allem in den monatelangen blutigen Kämpfen um die Stadt Bachmut hat der Söldnertrupp sich einen Namen gemacht. Präsident Putin hatte Wagner Ende Mai zur erfolgreichen Einnahme gratuliert. Allerdings waren sich beide Seiten schon während der Kämpfe nicht ganz grün. Nach Ansicht von Prigoschin hatte Russland die Kämpfer nicht ausreichend mit Waffen und Munition versorgt. Ende Juni dann die Kehrwende: nach einem angeblichen Angriff russischer Truppen auf ein Lager der Söldner, lässt Prigoschin die Stadt Rostow am Don besetzen. Kolonnen von Söldnern rücken bis kurz vor Moskau vor, für Putin eindeutig Verrat.

Erst kurz vor Moskau wird der Vormarsch gestoppt. Es finden Verhandlungen statt, bei denen der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko als Vermittler fungiert. Daraufhin pfeift Prigoschin die Wagner-Truppe zurück. Am 29. Juni kommt es im Kreml zu weiteren Verhandlungen mit mehreren Kommandeuren der Privatarmee. Auch Prigoschin selbst soll dabei anwesend gewesen sein, wie der Kommersant berichtet. Nach eigenen Angaben soll Putin den Söldnern nach ihrer Revolte gegen die Militärführung angeboten haben, in der Ukraine weiter unter eigenem Kommando zu kämpfen.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Verbleib des Wagner-Chefs lange unklar: Hat er die Wünsche seiner Männer ignoriert?

„Viele haben genickt, als ich das sagte“, so Putin. Nur Prigoschin selbst habe das nicht gesehen, da er vorne gesessen habe. Stattdessen habe er gesagt „Nein, die Männer sind mit so einer Entscheidung nicht einverstanden“. Das habe Putin ntv zufolge am Rande des Future Technologies Forum im Moskauer World Trade Center einem Korrespondenten des Kommersant mitgeteilt. Ob Putins Nacherzählung der Dialogabfolge und Sitzordnung stimme, könne jedoch nicht nachgeprüft werden.

Wo sich Prigoschin gerade aufhält, war lange nicht klar. Zeitweise war davon ausgegangen worden, dass er Unterschlupf in Minsk in Belarus gesucht hat. Bei einer Pressekonferenz am 6. Juli hatte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko überraschend geäußert, dass sich der Kopf der Wagner-Truppe nicht im Land aufhalte. Wagner sei ein russisches Unternehmen, deshalb seien Fragen dazu nicht an ihn zu richten, sagte er. Am 14. Juli ist nach Wochen wieder ein Foto von Prigoschin aufgetaucht. (Tadhg Nagel)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pool /Wagner Group

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