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Putin setzt im Ukraine-Krieg weiterhin auf Privatarmeen. In Russland gewinnt die Söldnertruppe „Redut“ an Bedeutung – und hat in der Ukraine bereits 7000 Kämpfer im Einsatz.
Moskau – Russland hat über 40 Privatarmeen, 20 davon sollen im Ukraine-Krieg im Einsatz sein. Wagner war einst die mächtigste, doch ist seit dem Tod ihres Anführers Jewgeni Prigoschin laut Experten wohl dem Untergang geweiht. Aus der Asche steigt eine neue Söldnertruppe auf, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Redut“ heißt die Truppe, die dem russischen Verteidigungsministerium direkt untersteht. Wenn es nach der Privatarmee geht, sollen bald auch Frauen an die Front.
Redut statt Wagner: Weshalb Russland im Ukraine-Krieg weiter auf Privatarmeen setzt
Nicht erst seit Wagner greift der Kreml gerne auf Privatarmeen zurück. Der russische Staat lenkt die Schattenarmeen zwar, konnte eine direkte Beteiligung aber bislang von sich weisen. Die privaten Militärunternehmen dienen zudem als hybrides Instrument, erklärte der Chef des Militärgeheimdienstes der Ukraine jüngst dem Medium RBC-Ukarina. Die Privatarmeen ermöglichen Russland „die öffentliche Meldung von Verlusten zu vermeiden und Rekrutierungs- und Mobilisierungsbemühungen fortzusetzen, ohne die öffentliche Stimmung unnötig zu stören“, so Jussow. Ein mutmaßlich weiterer Vorteil: Fällt ein Söldner im Krieg, muss der russische Staat Berichten zufolge den Hinterbliebenen keine Entschädigung zahlen.
Ukraine-Krieg: Wie Putin bei Redut weiter die Strippen zieht
Zwar ist von Privatarmeen die Rede, doch bei Redut und den anderen irregulären Kampfeinheiten zieht weiterhin der russische Präsident Wladimir Putin die Strippen. „Sie alle erfüllen die Befehle Putins. In Russland gibt es keine Privatarmeen mehr“, so der ukrainische Militärgeheimdienstchef Jussow. Denn zuletzt entschied sich Moskau für einen Kurswechsel – womöglich weil der Kreml die Einheit der Führung gefährdet sah: Bis 1. Juli dieses Jahres mussten sich alle russischen Freiwilligenverbände und Privatarmeen offiziell unter die Befehlsgewalt des russischen Verteidigungsministeriums stellen. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin weigerte sich der Anweisung zu folgen, der Rest ist Geschichte.
Die Söldnerarmee Redut ist also direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt. Der Einheit werden auch gute Verbindungen zum russischen Geheimdienst GRU nachgesagt. Dahinter könnte mehr stecken: Wie Recherchen des RFE/RL ergaben, koordiniert und finanziert der GRU die Einheit direkt. Redut sei also nur eine „Pseudo-Privatarmee“, so wie die meisten der privaten Kampfeinheiten und Söldnertruppen, bestätigte eine anonyme Quelle aus GRU-Kreisen dem Medium RFE/RL. Kämpfer würden Verträge mit einem nicht existierenden Unternehmen unterschreiben und dann direkt vom russischen Staat bezahlt, hieß es weiter.
7000 Redut-Kämpfer in Ukraine im Einsatz: Auch im umkämpften Awdijiwka
Schon im Jahr 2008 wurde Redut aus dem Boden gestampft und dient seitdem der Regierung und Russlands Superreichen. Die Redut-Gründer brachten Erfahrung aus Auslandseinsätzen mit und waren zuvor unter anderem im Auslandsgeheimdienst oder beim Militär tätig, hieß es in Recherchen des norwegischen Instituts für Verteidigungsforschung. Laut The Insider ging die Initiative zur Gründung vom damaligen stellvertretenden Chef des GRU, Wladimir Alekseew, aus. Teils hatten die Redut-Kämpfer zuvor auch anderen Milizen oder Spezialeinheiten angehört, darunter etwa PMSC Antiterror-Orel, wie die Bundeszentrale für politische Bildung (Bpb) berichtete.
Wie auch bei Wagner rekrutiert Redut teils in Straflagern und Gefängnissen und schickt seine Kämpfer vor allem in die hart umkämpften Gegenden. Im Ukraine-Krieg kämpfen die Söldner der Kampftruppe aktuell in Awdijiwka, teilten die US-Kriegsexperten des Institute for the Study of War (ISW) mit. Wie das britische Verteidigungsministerium mitteilte, hatte die Redut-Truppe Mitte Oktober rund 7000 Söldner im Einsatz. Zum Vergleich: Bei Wagner waren es zu Hochzeiten rund 50.000 Kämpfer. Redut sei bereits an Kämpfen in Donezk, Charkiw, Luhansk und Kiew beteiligt gewesen, hieß es aus London weiter – und damit offenbar seit Beginn der russischen Invasion. Laut Euronews sollen Redut-Kämpfer unter anderem an dem Komplott zur Ermordung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beteiligt gewesen sein.
Schickt Redut bald Frauen an die Front? Offenbar Scharfschützinnen für Ukraine rekrutiert
Das ISW stellte in seinem Bericht am vergangenen Dienstag (24. Oktober) fest, dass Redut nun auch Frauen für den Ukraine-Krieg rekrutiere. Insbesondere für Positionen wie Scharfschütze oder Drohenoperateur würden Frauen gesucht, so die ISW-Experten unter Bezugnahme auf eine Recherche der russischen Zeitung Vazhnye Istorii. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu waren im März 1110 Frauen an der Front, was damit nur etwa 0,3 Prozent der gesamten russischen Streitkräfte ausmachte.
Latest Defence Intelligence update on the situation in Ukraine – 30 October 2023.
— Ministry of Defence 🇬🇧 (@DefenceHQ) October 30, 2023
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🇺🇦 #StandWithUkraine 🇺🇦 pic.twitter.com/1VEiUxiBYU
Im Zweiten Weltkrieg hingegen habe es in der Sowjetunion eine starke Tradition weiblicher Scharfschützinnen und anderer Kämpferinnen gegeben. Noch bleibe unklar, „ob die offiziellen russischen Streitkräfte dem Beispiel folgen werden und mehr Kampfpositionen für Frauen öffnen“, schrieb das britische Verteidigungsministerium auf der Plattform X (vormals Twitter) weiter. Redut fischt aber auch in bekannten Gewässern: Berichten zufolge soll die Söldnertruppe auch ehemalige Wagner-Kämpfer rekrutieren.