VonAndreas Apetzschließen
Der Kreml kämpft mit den Folgen des missglückten Wagner-Putsches. Die Bestrafung der Schuldigen könnte schwer Folgen für Russland haben.
London/Moskau – Mit seinem Putschversuch hat Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin die russische Führung in Not gebracht. Die „Risse“ in Putins Machtgefüge sind tief - doch Prigoschin ist längst nicht mehr die einzige Persona non grata in den Kreisen des Kreml. Die Rache an seinen „Verrätern“ gestaltet sich für Präsident Wladimir Putin nun schwierig. Auch der russische General Sergej Surowikin war womöglich in die Meuterei der Privatarmee verwickelt. Seine Bestrafung könnte weitreichende Folgen haben und die Nation spalten.
Strafe für Surowikin könnte für Spaltung sorgen: „Bruchlinien“ in Putins Führungsriege
Angeblich wurde er schon verhaftet und in ein Internierungslager gebracht – sicher ist sich über den Aufenthaltsort des prominenten russischen Generals jedoch außerhalb des Kreml niemand. Eine Bestrafung Surowikins wegen seiner Verwicklung in die Wagner-Meuterei wäre nach britischer Ansicht für die russische Führung aber riskant. Im Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums am Mittwoch (5. Juli) heißt es, der General sei trotz seines „brutalen Rufs“ weiter „einer der angesehensten ranghohen Offiziere des russischen Militärs“.
Surowikin gilt in Russland und dem Westen als skrupelloser Befehlshaber. „Jede offizielle Strafe gegen ihn dürfte spaltend wirken“, heißt es aus London. Dass nun hohe Offiziere unter Verdacht stünden, zeige, „wie Prigoschins gescheiterter Aufstand die bestehenden Bruchlinien innerhalb der nationalen Sicherheitsgemeinschaft Russlands verschärft hat“.
Das britische Ministerium betonte, Surowikin, der Chef der russischen Luft- und Weltraumkräfte und ehemals Oberkommandierender im Ukraine-Krieg, sei seit dem Wagner-Aufstand am 23. und 24. Juni nicht mehr öffentlich gesehen worden. Er soll als Verbindungsmann zwischen Prigoschin und dem russischen Verteidigungsministerium fungiert haben. Auch der russische Vize-Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow sei zuletzt auffällig abwesend gewesen. Ein Video zeigte den Verteidigungsminister zuletzt im Gespräch mit Prigoschin, während der Wagner-Einheiten kampflos die südrussische Stadt Rostow am Don und das dortige Hauptquartier besetzt hatten.
Nach Wagner-Aufstand: Inhaftiertung von Surowikin bislang nicht bestätigt
„Berichte über Surowikins Festnahme können nicht bestätigt werden, aber die Behörden werden seine lange Verbindung mit Wagner, die bis zu seinem Dienst in Syrien 2017 zurückreicht, wahrscheinlich misstrauisch sehen“, schrieb das britische Ministerium. Auch wenn sich der Kreml selbst noch nicht zu Surowikins Verbleib geäußert hat, berichteten russische Blogger dem Nachrichtenportal The Moscow Times von einer Inhaftierung des Generals.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Nach dem Befehligen der russischen Truppen in Syrien eilte Surowikin ein gewaltiger Ruf voraus. Während seines syrischen Einsatzes soll er für die Bombardierung Aleppos mitverantwortlich gewesen sein, was ihm in Russland den Spitznamen „General Armageddon“ einbrachte. Von Oktober 2022 bis in den Januar 2023 war er mit der Aufgabe betraut, sämtliche Truppen in der Ukraine zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.
Prigoschin und General Surowikin - ungebrochene Nähe?
Laut Russland-Experte Stephan Laack erhielt Surowikin vor allem aus ultranationalistischen Kreisen Zuspruch. Doch schon im vergangenen Jahr habe es auch Skepsis über den militärischen Fähigkeiten des Generals gegeben. „Bevor er auf den Posten des Kommandeurs der russischen Truppen in der Ukraine gehievt wurde, hatte er das Kommando über die russischen Truppen im Süden der Ukraine und somit auch den Rückzug aus Teilen der annektierten Region Cherson zu verantworten“, sagte Laack der ARD- „Tagesschau“.
Nach seiner Degradierung zu Beginn des Jahres zum stellvertretenden Generalstabschef, kamen schnell Zweifel an der Loyalität des Generals gegenüber Putin auf. Unterstützung erfuhr Surowikin vor allem durch Prigoschin. Der Wagner-Chef forderte weitere Zusammenarbeit zwischen seiner Söldnertruppe und dem ehemaligen Generalstabschef. Laut dem Russland-Experten Laack sah Prigoschin in Surowikin einen „intelligenten, ausgebildeten und erfahrenen Heeresführer“. (aa/dpa)
