Landtagswahl

Wann gibt es erste Prognosen und Hochrechnungen zur Hessen-Wahl?

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Die Spitzenkandidaten der hessischen Landtagswahl zu Beginn einer TV-Diskussionsrunde ("Triell").
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Die Landtagswahl in Hessen wird mit Spannung erwartet. Doch wann gibt es am Wahlabend erste Prognosen und Hochrechnungen? Ein Überblick.

Hessen – Der Wahlabend bei der Hessen-Wahl 2023 könnte vor allem eine Niederlage für die SPD werden. Die Sozialdemokraten könnten, wenn auch ganz knapp, hinter den Grünen, vielleicht sogar noch hinter der AfD landet. Die vorläufige Entscheidung wird am 8. Oktober fallen. Alles Wichtige zu Prognosen und Hochrechnungen zur Landtagswahl in Hessen.

Wann bei der Hessen-Wahl mit ersten Prognosen und Hochrechnungen zu rechnen ist

Nach den Stimmabgaben bei der Hessen-Wahl um 18 Uhr, beginnen die Wahlhelfer mit der Auszählung. Um 18 Uhr werden die ersten Prognosen der Landtagswahl in Hessen veröffentlicht. Diese beruhen nicht auf ausgezählten Stimmen, sondern auf den sogenannten „Exit Polls“, also repräsentativen Umfragen vor Wahllokalen. Bei den Nachwahlbefragungen werden Wähler in ausgewählten Bezirken gebeten, anonym Fragebögen auszufüllen.

In der Regel folgt die erste Hochrechnung zu den Ergebnissen der Hessen-Wahl etwa eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale, also gegen 18.30 Uhr. Im Laufe des Abends werden immer wieder neue Hochrechnungen veröffentlicht. Das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl wird in der Regel am späten Abend oder in der Nacht bekannt gegeben. Die Kreiswahlausschüsse stellen in öffentlicher Sitzung die endgültigen Wahlkreisergebnisse spätestens am 18. Oktober 2023 fest. Am 27. Oktober 2023 stellt der Landeswahlausschuss in öffentlicher Sitzung das endgültige Landeswahlergebnis fest.

Was ist der Unterschied zwischen Prognosen und Hochrechnungen?

Eine Prognose beruht auf Umfragen, die während der Wahl durchgeführt werden. Wählerinnen und Wähler werden nach Verlassen des Wahllokals zufällig ausgewählt und befragt. Neben der aktuellen Stimmenvergabe wird auch die der vergangenen Wahl abgefragt, um Angaben über die Wählerwanderung zu sammeln. Um sozialstrukturelle Merkmale zu analysieren, können demografische Angaben zu Alter, Geschlecht, Bildung, Erwerbsstatus oder Konfession abgefragt werden.

Eine Hochrechnung ist eine Schätzung des endgültigen Wahlergebnisses. Sie basiert auf den Ergebnissen der bereits ausgezählten Wahlbezirke. Je mehr Bezirke ausgezählt werden, desto genauer wird die Hochrechnung.

Hessen-Wahl 2023: In den Umfragen rutscht die SPD mit Faeser weiter ab

In den jüngsten Umfragen zur Hessen-Wahl 2023 müssen SPD und Spitzenkandidatin Nancy Faeser einbüßen. Laut dem umstrittenen INSA-Meinungstrend für Bild verliert die SPD weitere vier Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat und kommt damit nur noch auf 16 Prozent. Auch verglichen mit der letzten Hessen-Wahl 2018 müssen die Sozialdemokraten ein Minus von knapp vier Punkten hinnehmen.

Boris Rhein: Werdegang, Wahlen und Skandale des hessischen Ministerpräsidenten

Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen
Boris Rhein galt schon früh als Überflieger und Hoffnungsträger der hessischen CDU. Bereits im Alter von 27 Jahren wurde der Jurist erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Mit 38 Jahren übernahm Rhein das Amt des hessischen Innenministers. Im Jahr 2014 wurde der zweifache Vater zum Wissenschaftsminister in die schwarz-grüne Landesregierung berufen. Seit Januar 2019 war er Präsident des hessischen Landtags - inzwischen führt er die schwarz-grüne Regierung an. © Frank Rumpenhorst/dpa
Boris Rhein: Ministerpräsident in Hessen und Volker Bouffier
Den Respekt, den sich Rhein in seiner Amtszeit als Landtagspräsident erarbeitet hat, galt als ein entscheidender Punkt für die Nachfolge von Volker Bouffier als hessischer Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender. Dass Bouffier noch während der laufenden Legislaturperiode abtrat, hatte vor allem den Grund, seinem Nachfolger die Chance auf einen Amtsbonus zu geben. Als Vertrauter von Bouffier gilt Rhein nicht.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Die Frankfurter Goethe Universität
Rhein wurde als Sohn des früheren Frankfurter Schuldezernenten Peter Rhein geboren. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Frankfurt im Jahr 1991 studierte er Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Studium schloss er im Jahr 1997 mit dem Ersten Staatsexamen ab. Nach dem Zivildienst, den er als Betreuer in einem Wohnheim für Schwerbehinderte (Praunheimer Werkstätten) absolvierte, folgte im Jahr 2000 das zweite Staatsexamen. Danach war er bis zu seiner Berufung zum Minister als Rechtsanwalt tätig. © Heike Lyding/Imago
Michel Friedmann
1996 sorgte Rhein als Vertreter der Jungen Union Frankfurt mit einem verbalen Angriff gegen seinen Parteikollegen Michel Friedman für Wirbel. Anlass war die scharfe Kritik des damaligen CDU-Vorstandsmitglieds am rechten Flügel der hessischen CDU. Friedman sei eine „Belastung für die Frankfurter CDU“, sagte Rhein, der Friedman indirekt zum Parteiaustritt und zum Verlassen der Stadt Frankfurt aufforderte. SPD und Grüne missbilligten die Aussage als „skandalöse Entgleisung“. © Thomas Koehler/Imago
Rockergruppe "Hells Angels"
Im Jahr 2011 wurden Vorwürfe gegen Rhein laut, er habe Kontakte zu der Rockergruppe Hells Angels. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte über ein Telefonat berichtet, bei dem ein Mitglied der Rockergruppe Rheins Hilfe bei Auseinandersetzungen um die Straßenprostitution im Frankfurter Bahnhofsviertel gelobt habe. Rhein wies die Vorwürfe weit von sich. „Ich habe weder Kontakte zu den Hells Angels, noch unterstütze ich diese Gruppierung oder treffe Absprachen mit ihnen“, sagte er damals. Im September 2011 erließ er ein Verbot gegen zwei Hells-Angels-Vereine. © Fredrik von Erichsen/dpa
Peter feldmann
Nur wenige Monate später musste Boris Rhein den ersten großen Rückschlag seiner politischen Karriere verkraften. Dass sein Weg nicht fortwährend steil nach oben führte, lag ausgerechnet an den Wahlberechtigten in seiner Heimatstadt. Bei der Wahl um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten erreichte Rhein im ersten Wahlgang zwar das beste Ergebnis, musste sich dann aber in der Stichwahl am 25. März 2012 deutlich seinem SPD-Kontrahenten Peter Feldmann geschlagen geben.  © Andreas Arnold/dpa
Fußballfans Frankfurt
Die Wahlniederlage könnte auch mit den Frankfurter Fußballfans zu tun haben. Selten hatten sich wohl so viele von ihnen an einer politischen Wahl beteiligt wie an jener um das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters. Und warum? Um zu verhindern, dass Rhein neues Stadtoberhaupt wurde. Ihre Abneigung machten sie auch auf dem Platz deutlich. „Ob SGE, ob FSV, Boris Rhein will keine Sau“, hieß es da gerne. Und auf Flugblättern der Ultras war zu lesen: „Rhein raus – häng deine Nase ned in Dinge, von denen du keine Ahnung hast!“ Zuvor hatte Rhein „eine härtere Gangart gegen gewaltbereite Problemfans“ angekündigt.  © Imago
Frankfurter Opernplatz
In den Jahren danach präsentierte sich Boris Rhein ohnehin gerne als Vertreter von Recht und Ordnung. Als Innenminister forderte er eine Verschärfung des Strafgesetzbuches, um Gewalttaten gegen die Polizei besonders zu ahnden. „Die Beamten, die täglich ihre Gesundheit für das Allgemeinwohl aufs Spiel setzen, brauchen mehr Schutz“, sagte er 2013. „Die zunehmende Eskalation der Gewalt muss für die Täter besondere Konsequenzen nach sich ziehen.“ Rhein fasste seine Vorstellungen unter dem Stichwort „Schutzparagraf für Schutzleute“ zusammen. © Frank Rumpenhorst/dpa
Blockupy-Proteste in Frankfurt am Main
Für großes Entsetzen sorgten die Vorfälle vom 1. Juni 2013, als die Polizei in Frankfurt massiv gegen eine genehmigte Demonstration der Blockupy-Bewegung vorging. Als damaliger Innenminister verteidigte Rhein die Entscheidung, einen Kessel um rund 1000 Menschen zu ziehen. Dies sei „nachvollziehbar, richtig und vom Gesetz gedeckt“. Schließlich habe es massive Verstöße gegen das Versammlungsrecht gegeben. Im Grundrechte-Report 2013 hingegen war von einem „verfassungsrechtlichen Skandal“ die Rede.  © Boris Roessler/dpa
Ehemaliges Poilzeigefängnis Klapperfeld
Hohn und Spott erntete Boris Rhein im Oktober 2017, als er einmal am späten Abend mit einer Gruppe von teils offenbar angetrunkenen Begleitern mal eben Einlass ins „Klapperfeld“ in Frankfurt verlangt hatte - das alternative Kulturzentrum werde schließlich mit Steuergeld unterstützt. Diejenigen, die im Haus waren, verwiesen auf das Hausrecht der Initiative „Faites votre jeu!“ und die regulären Öffnungszeiten – aus der Besichtigung wurde nichts. Im Netz wurde darüber unter dem Hashtag #Rheinwillrein gelacht.  © Imago

Damit rutscht die SPD von einem bisher klaren zweiten Platz auf eine Stufe mit den Grünen (minus drei Prozentpunkte verglichen mit der September-Umfrage) und der AfD (ein Prozentpunkt mehr). Indes scheint die AfD auch bei den Umfragen in Hessen ihren Höhenflug fortzusetzen. Kurz vor der Landtagswahl am Sonntag liegt sie laut dem jüngsten ARD-Umfragetrend bei 15 Prozent. Das wären zwei Prozentpunkte mehr als bei der vergangenen Wahl 2018.

Entspräche das spätere Ergebnis den Umfragen, stünde Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) mit einem Vorsprung von 35 Prozent der Posten als Regierungschef weiterhin zu (ARD-Umfragetrend 29.09). In Hessen wäre dann rechnerisch eine Neuauflage von Schwarz-Grün möglich. In dieser Konstellation wird Hessen seit Anfang 2014 regiert. Auch für ein Bündnis zwischen CDU und SPD würden es reichen. Eine Ampel-Koalition wie im Bund käme dagegen auf keine Mehrheit. (bohy)

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