VonJana Stäbenerschließen
Aufgrund des Klimawandels verliert Deutschland mehr Wasser als andere Länder. Aber nicht nur das: auch Flüsse und Küsten sind in Gefahr.
Ein neuer Bericht des Umweltbundesamts (UBA) zur Klimakrise zeigt, wo die Regierung ihr Geld hinstecken sollte: Demnach gehört Deutschland zu einer der Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit. Die Bundesrepublik verliere pro Jahr 2,5 Kubikkilometer Wasser, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag, 28. November 2023, in Berlin.
UBA-Präsident Dirk Messner ergänzte, wenn man dies über 20 Jahre hochrechne, sei es die Menge Wasser, die heutzutage der Bodensee umfasse. Seinen Erklärungen nach ist der Wasservorrat Deutschlands im Vergleich zu südeuropäischen Ländern zwar besser. Doch gemessen an diesem Vorrat ist der Verlust in Deutschland im weltweiten Vergleich am größten und schnellsten. Auch, weil in Deutschland viel Wasser abfließe – beispielsweise durch Entwässerungsgräben in der Landwirtschaft und Kanalisation in den Städten.
Klimakrise in Deutschland betrifft nicht nur unseren Wasservorrat
Die Folgen der Klimakrise in Deutschland verschärfen sich also. Erst Ende Oktober 2023 stellten Forschende vom Imperial College London fest, dass es schwerer als angenommen wird, das 1,5-Grad-Ziel aus dem Klimaabkommen von Paris zu erreichen. Laut ihnen ist die Menge an CO₂, die die Menschheit noch ausstoßen darf, in sechs Jahren aufgebraucht, wenn wir weiter so leben würden wie 2022.
Mit den jetzigen Klimaschutzmaßnahmen entwickelt sich die Temperatur in Deutschland stetig nach oben. Das hat aber nicht nur Folgen für unseren Wasservorrat. BuzzFeed News Deutschland zählt neun weitere Folgen auf, die 1,8 Grad Erderwärmung oder mehr auf Deutschlands Küsten und Gewässer hat.
1. Sturmfluten werden häufiger
Mitte Oktober 2023 wütete eine Sturmflut an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Sie gilt als das stärkste Ostseesturmhochwasser seit 1872 und zwang 2000 Menschen, ihre Häuser wegen Überschwemmungen zu verlassen – eine Frau starb. Hier zeigen zehn Bilder, wie es nach der Sturmflut an der Ostsee aussah.
Eine Expertin sagte bei BuzzFeed News Deutschland, dass solche Sturmfluten aufgrund des Klimawandels häufiger auftreten könnten. Der ansteigende Meeresspiegel sorge dafür, „dass Sturmfluten langfristig höher auflaufen können, auch wenn keine Veränderung der Sturmaktivität beobachtet wird.“ Laut Umweltbundesamt könnten Hochwasserereignisse, die statistisch gesehen aktuell einmal in 100 Jahren auftreten, zukünftig jährlich auftreten, wenn der Meeresspiegel bis 2100 wie erwartet ansteigt.
2. Flüsse haben weniger Wasser
Steigt die Temperatur aufgrund des Klimawandels weiter an, werden Niedrigwassersituationen (durch geringe Regenmengen und den Rückhalt in künstlichen oder natürlichen Wasserspeichern) zunehmen und intensiver werden. Laut Umweltbundesamt gilt das besonders für die Mosel, den Neckar und die Mulde für die Mitte des Jahrhunderts, wo man laut Berechnungen des Weltklimarats (IPCC) die Zwei-Grad-Marke Erderwärmung erreicht haben dürfte. Fast alle Flüsse seien Ende des Jahrhunderts davon betroffen.
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3. Mehr Hochwasser-Ereignisse
In Folge des Klimawandels kommt es nicht im Sommer, sondern eher im Winter zu Niederschlägen. Bedeutet: Niederschlag wird seltener in Form von Schnee gespeichert, sodass die Wahrscheinlichkeit von Hochwasser steigt. In den letzten Jahren haben die jährlichen Hochwasserstände an vielen Pegeln im Süden und Westen Deutschlands zugenommen und werden bei einer Erderwärmung von 1,8 Grad oder mehr weiter zunehmen.
4. Städte wie Greifswald stehen unter Wasser
Weil der Meeresspiegel aufgrund der Erderwärmung steigt, ist besonders die deutsche Nord- und Ostseeküste in Gefahr. Eine Karte der HafenCity Universität Hamburg zeigt die Simulation des Meeresspiegelanstiegs für das gemäßigte IPCC-Szenario RCP4.5, bei dem die Temperatur im Mittel um ca. 1,8 °C ansteigt. Mit Küstenschutz wären dann etwa 5.477 Menschen betroffen und 1.061 Kilometer Küste überflutet.
Zu den betroffenen Gebieten gehört auch der Küstenort Greifswald. Selbst bei der Auswahl des optimistischsten Szenarios, also der Klimaerwärmung von 1,8 Grad, steht im Jahr 2100 ein Teil der Stadt unter Wasser.
5. Ganze Inseln gehen unter
Auch mehrere Inseln sind betroffen: Norderney, Amrum, Föhr oder Sylt werden Teile ihrer Landmasse ans Meer verlieren. Eine Insel in der Nordsee soll sogar ganz untergehen.
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6. Küsten an der Ostsee werden abgetragen
An der Ostsee sind vom Klimawandel vor allem die Außenküsten, sowie besonders die Inseln und die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst von Küstenrückgang und Landverlusten betroffen. Steilküsten unterliegen zudem hohen Risiken durch Erosion, das heißt, ihr Gestein wird langsam vom Wasser und Wetter abgetragen.
7. Wattenmeer an der Nordsee wird zur Lagune
Durch den Meeresspiegelanstieg sind an der Nordsee besonders Wattflächen und Salzwiesen im Wattenmeer von einem potenziellen Rückgang gefährdet. Laut Umweltbundesamt könnte sich das Wattenmeer von einem wattdominierten zu einem lagunengeprägten System entwickeln. Das würde das dortige Ökosystem komplett verändern.
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8. Mehr Blaualgen
Eine höhere Wassertemperatur aufgrund des Klimawandels führt zu einer Eutrophierung unserer Gewässer, was wiederum die Wahrscheinlichkeit von Blaualgen (hier erfährst du alles Wissenswerte über sie) erhöht. Besonders gefährdet sind nährstoffreiche Gewässer, die langsam fließen oder in denen das Wasser ruhig steht. Hier leidet dann die Artenvielfalt, oder das Gewässer ist schlechter nutzbar, zum Beispiel als Badesee.
9. Unser Trinkwasser ist in Gefahr
In Deutschland stammt das Trinkwasser laut Umweltbundesamt zu rund 70 Prozent aus Grundwasser, gefolgt von Quellwasser, Seen und Talsperren, künstlich angereichertem Grundwasser, Uferfiltrat und Flusswasser. Durch steigende Temperaturen könnten diese Trinkwasserquellen sowohl quantitativ als auch qualitativ beeinträchtigt werden. Denn: Der Grundwasserpegel sinkt bei steigenden Temperaturen (wie wir an unserem Wasservorrat sehen).
Aber auch Keime in Trinkwasserleitungen könnten durch die zu erwartete Erwärmung von zwei Grad bis Mitte des Jahrhunderts begünstigt werden. Das gefährdet dann die Wasserqualität.
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(Mit Material der dpa)
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