- VonLisa Mahnkeschließen
Nach der US-Eskalation im Iran häufen sich Warnungen zur Straße von Hormus. Funkmeldungen untersagen offenbar die Durchfahrt. Experten warnen.
Update, 1. März, 12:46 Uhr: Mindestens 150 Tanker haben vor der strategisch wichtigen Straße von Hormus den Anker geworfen und können nicht weiterfahren. Darunter befinden sich sowohl Rohöl- als auch Flüssiggasschiffe, wie aus einer Reuters-Auswertung von Daten der Plattform MarineTraffic hervorgeht.
Die Schiffe stauen sich vor den Küsten der großen Ölproduzenten Irak und Saudi-Arabien sowie vor Katar. Dutzende weitere Tanker liegen auf der anderen Seite der Meerenge fest.
Wegen Iran-Eskalation: Straße von Hormus „praktisch geschlossen“ – Experten befürchten Krise für Ölhandel
Erstmeldung: Nach den gemeinsamen Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran wächst die Sorge vor einer Eskalation mit gravierenden Folgen für den weltweiten Energiehandel. Grund ist eine strategisch wichtige Meerenge, die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasverkehrs fließen. Diese ist nun offenbar vorerst geschlossen: Schiffe hätten per Funk die Mitteilung erhalten, dass kein Schiff das Nadelöhr passieren darf.
Laut der AFP gab die iranische Revolutionsgarde an, die Meerenge sei mit der Einstellung des Schiffsverkehrs „praktisch geschlossen“. Mehrere Schiffe seien gewarnt worden, dass die Passage wegen der „militärischen Aggression der USA und Israel“ derzeit „nicht sicher“ sei. Auch die EU-Marinemission Eunavfor Aspides und die britische Behörde für Seehandel bestätigten laut AFP und Reuters den Eingang von entsprechenden Funkmeldungen. Eine offizielle Anordnung aus Teheran ist allerdings bisher nicht veröffentlicht worden.
Wegen US-Angriffen im Iran: Öl-Preisschocks erwartet – Schließung wäre historisch beispiellos
Laut Politico wäre eine vollständige Schließung der Meerenge historisch beispiellos. Im Sommer 2025 hatte der Iran zwar mit einer Hormus-Blockade gedroht, aber diese nicht durchgeführt. Selbst während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er-Jahren hat Teheran demnach den Transit nicht komplett gestoppt. Dennoch hatte der Krieg damals den Handel schwer beeinflusst: Bei dem sogenannten Tankerkrieg attackierten beide Konfliktparteien Hunderte Handelsschiffe im Persischen Golf und in der Straße von Hormus, wie die AFP erinnerte. Auch die USA griffen dort im April 1988 ein, nachdem eine US-Fregatte durch eine iranische Seemine schwer beschädigt wurde.
Ein andauernder militärischer Konflikt könne laut Politico die Ölversorgung aus Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten beeinträchtigen und so weltweit Preisschocks auslösen, besonders im Falle einer andauernden Sperrung der Straße von Hormus. Laut der AFP verfügten nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate über alternative Exportrouten über Pipelines für maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Katar, Kuwait, der Irak, aber auch der Iran selbst sind für den Transport auf Golf-Häfen angewiesen.
Menschen auf der Straße, Rauch über Städten: Bilder der Eskalation im Nahen Osten




Schlimmer als Venezuela: Energieexpertin warnt vor Folgen von Kämpfen in der Golfregion
Energieexpertin Samantha Gross vom Brookings Institute sagte laut Politico: „Iran ist ein größerer Ölproduzent als Venezuela, und die Folgen einer Störung könnten daher größer sein.“ Laut Politico war der Ölpreis bereits am Freitag (27. Februar) auf 67 Dollar pro Barrel gestiegen. Analysten der Investmentbank Barclays rechneten laut Reuters am Freitag mit einer Steigerung auf 80 Dollar für den Rohölpreis der Sorte Brent, sollten die Kämpfe zwischen den USA, Israel und dem Iran weiterlaufen.
Die Straße von Hormus ist nur etwa 50 Kilometer breit und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Laut AFP passieren täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl diese Route – fast ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Zudem werde etwa 20 Prozent des globalen Handels mit Flüssigerdgas (LNG) über diese Meerenge abgewickelt, vorrangig aus Katar. Nicht erst seit gestern sind dort allerdings Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarden unterwegs, die immer wieder ausländische Schiffe festsetzen.
Auch deutsche Reedereien betroffen: Eskalation zwischen USA und Iran „trifft das Herz globaler Seehandelsrouten“
Besonders betroffen sind auch deutsche Reedereien. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) berichtete in einer Pressemitteilung, dass zahlreiche Schiffe deutscher Unternehmen in der Region unterwegs seien. Viele Reedereien hätten Krisensitzungen einberufen, Schiffe würden umgeleitet oder warteten außerhalb der Gefahrenzonen.
VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger erklärte: „Die aktuelle Eskalation trifft das Herz globaler Seehandelsrouten und auch die Schiffe deutscher Reedereien, vor allem aber die Menschen an Bord, unmittelbar.“ Weiter sagte er: „Für viele unserer Mitgliedsunternehmen ist dies eine akute operative Krise, keine abstrakte geopolitische Entwicklung.“
Der Verband warnte zudem vor einem durchgehenden „Risikoband“ entlang zentraler Seehandelsrouten zwischen Europa und Asien – von der Straße von Hormus über die beiden Zugänge zum Roten Meer, die Meerenge Bab al-Mandab und den Suezkanal. Auch die Huthi-Miliz im Jemen hatte mit neuen Angriffen in der Region gedroht, wie Politico berichtete.
Ölanalyst hinterfragt Schließung von Nadelöhr – wäre „politischer Selbstmord“ für den Iran
Der Ölanalyst Homayoun Falakshahi vom Marktforschungsunternehmen ICIS warnte gegenüber Politico, eine Blockade der Straße von Hormus wäre „politischer Selbstmord“, da sie weitere Länder in den Konflikt hineinziehen würde. Besonders China wäre betroffen. Rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte gehen laut der AFP demnach dorthin.
In den USA träumt die Öllobby offenbar schon von einem Zugang zu der iranischen Ölindustrie. Man plane eine „stabilisierende Kraft“ für den Fall eines Regimezusammenbruchs, zitierte Politico Robert Auers, Marktanalyst bei der Beratungsfirma RBN Energy. „Es besteht das Potenzial, die Produktion fast sofort zu steigern“. Allerdings führe ein Regimewechsel nicht immer sofort zu höheren Produktionsraten, meint Jim Burkhard, Vizepräsident und globaler Leiter der Rohölforschung bei S&P Global Energy.
Laut Burkhard könnten sich die USA den militärischen Eingriff im Iran vorwiegend wegen des aktuell gut gesättigten Ölmarktes erlauben. Zwar sind die Ölpreise zuletzt gestiegen, im langfristigeren Vergleich sanken sie im Jahr 2026 jedoch auf ein Fünf-Jahres-Tief. Dennoch erntete die Iran-Eskalation wegen der potenziell gesteigerten Ölpreise von Demokraten Kritik. (Quelle: Politico, Reuters, AFP, eigene Recherche) (lismah)
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