„Werden nicht ruhen“: Hamas droht nach Geiseltausch mit neuer Eskalation
VonLisa Mahnke
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Nach der Geisel-Freilassung bleibt die Lage angespannt. Die Hamas fordert die Freilassung aller Gefangenen. Eine erneute Eskalation droht.
Gaza – Nach dem jüngsten Geisel- und Gefangenenaustausch zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt. Zwar wurden die letzten lebendigen Geiseln freigelassen und offenbar Hunderte palästinensische Häftlinge entlassen, doch viele Fragen sind weiterhin offen. Eine Erklärung der Hamas ruft nun die Frage einer erneuten Eskalation auf.
In Ramallah im Westjordanland wurden die Busse mit freigelassenen Palästinensern von Hunderten begrüßt. Um wie viele Personen es sich handelte, ist unklar. Laut Reuters soll die Hamas 154 weitere Freigelassene in Ägypten gezählt haben. Der Austausch sei das Ergebnis der „Standhaftigkeit“ des palästinensischen Volkes, so die Hamas in einer Erklärung. Gleichzeitig bekräftigte sie, die Befreiung aller Gefangenen habe weiterhin höchste Priorität. Israel versprach im Deal für den Waffenstillstand fast 2000 palästinensische Häftlinge entlassen, 1700 davon sind Personen, die im Rahmen der Angriffe im Gazastreifen inhaftiert wurden.
Hamas droht womöglich Eskalation an – Offene Fragen im Waffenstillstand sorgen für Spannungen
„Das palästinensische Volk wird nicht ruhen, bis der letzte Gefangene aus den Gefängnissen der neuen Nazis befreit ist und die Besatzung von unserem Land und unseren heiligen Stätten entfernt ist“, heißt es in der Erklärung der Hamas laut der dpa. Auf der Hamas-nahen Nachrichtenseite The Palestinian Information Center wird die Erklärung als eine Aufforderung an Israel gelesen, seinen Teil des Waffenstillstands einzulösen. Doch die Erklärung der Hamas lässt viel Spielraum. Vielerorts ist die Sorge groß, dass die Hamas sich nicht mit dem Abkommen zum Waffenstillstand zufriedengibt und eine erneute Eskalation zwischen Israel und der Hamas bevorsteht.
Weitere Spannungen entstehen dadurch, dass die Rückgabe der Leichen von 28 getöteten Geiseln noch nicht geklärt ist. Laut Al Jazeera ist der Zeitpunkt der Übergabe aktuell noch unklar. Die dpa berichtete, die Hamaswolle am Sonntag (13. Oktober) nur vier Leichen übergeben, anders als im Abkommen vorgesehen. Die Familien der Geiseln forderten vor diesem Hintergrund, die Hamas müsse für den Verstoß „einen Preis zahlen“.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Die Hamas äußerte sich in ihrer Erklärung, die auch die Hamas-nahe Nachrichtenseite The Palestinian Information Center zitierte, zunächst nicht zu einem Zeitplan. Stattdessen gab sie erneut Israel die Schuld an den toten Geiseln. Israels Armee unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe versucht, „sie ins Visier zu nehmen und zu eliminieren“. Die palästinensischen Gefangenen in Israels Gefängnissen litten unterdessen „unter verschiedenen Formen von Misshandlung, darunter Übergriffe, Folter und Tötungen“, so die Hamas.
Israel „akut bedroht“: Zentralrat der Juden will Hamas entwaffnen – Trump ist anderer Meinung
Dazu spaltet die kontroverse Frage, wann und inwiefern die Hamas entwaffnet werden solle. Beim Zentralrat der Juden war die Rückkehr der Geiseln „Grund zur Freude“. Der Zentralratspräsident Josef Schuster warnte allerdings auch vor möglichen weiteren Eskalationen: „Israel ist durch die Feinde in seiner Nachbarschaft weiterhin akut bedroht“. Die Hamas müsse daher entwaffnet und entmachtet werden. Auch Netanjahu gab an, dass er zu einem vollständigen israelischen Truppenabzug aus dem Gazastreifen erst bei einer Entwaffnung der Hamas bereit sei.
Der US-Präsident Donald Trump feierte das Gaza-Abkommen als „unglaublichen Triumph für Israel und die Welt“. Nun zeigte sich Trump allerdings offen dafür, dass sich die Hamas „für einige Zeit“ wiederbewaffne, „weil sie die Probleme beenden wollen. Darüber waren sie sehr offen“. Seit Beginn der Waffenruhe gibt es Berichte über Kämpfe zwischen Sicherheitskräften der Hamas und verfeindeten palästinensischen Clans. Dabei soll es auch mehrere Dutzend Todesopfer gegeben haben.
„Sie müssen verstehen, sie haben vermutlich 60.000 Menschen verloren. Da gibt es viele Vergeltungsmaßnahmen“, so Trump.Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium sollen Stand 13. Oktober 2025 67.869 Personen im Gazastreifen durch israelische Angriffe getötet worden sein. Dazu kommen angeblich 170.105 Verwundete. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.
Man müsse allerdings aufpassen, dass „es keine großen Verbrechen geben wird“, so der Republikaner weiter. Beim Gipfeltreffen in Ägypten zum Waffenstillstand im Gazastreifen am Sonntag (13. Oktober) sind weder Israel noch die Hamas vertreten. Trump stößt am Nachmittag dazu, nachdem er bereits Israel besucht hatte.(Quellen: dpa, AFP, Al Jazeera, The Palestinian Information Center, eigene Recherche) (lismah)