738 Tage in Gefangenschaft: Hamas lässt letzte Geiseln frei – darunter auch vier Deutsch-Israelis
VonJekaterina Jalunina
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Nach über zwei Jahren Geiselhaft sind alle überlebenden Hamas-Geiseln wieder frei. Israel startet die Freilassung palästinensischer Gefangener.
Berlin/Gaza/Tel Aviv – Nach 738 Tagen in der Gewalt der Hamas sind alle überlebenden Geiseln aus dem Gazastreifen wieder frei. Wie übereinstimmende Medien berichten, übergab die islamistische Terrororganisation am Vormittag die letzten 20 Gefangenen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das sie anschließend nach Israel brachte.
Nach Angaben der israelischen Armee wurden die letzten 13 Männer im Gazastreifen vom IKRK an israelische Soldaten übergeben und befinden sich auf dem Weg nach Israel. Bereits zuvor hatte die Hamas sieben weitere Geiseln freigelassen, die inzwischen israelisches Gebiet erreicht haben. Unter den Befreiten befinden sich auch vier Deutsch-Israelis: Rom Braslavski, Alon Ohel sowie die Zwillingsbrüder Gali und Ziv Berman.
Nach über zwei Jahren Geiselhaft: Vier Deutsch-Israelis kehren aus der Gewalt der Hamas zurück
Nach mehr als zwei Jahren in der Gewalt der Hamas werden vier deutsch-israelische Geiseln in Kürze zu ihren Familien zurückkehren. Wie die Bild berichtet, wurde unter ihnen auch der 24-jährige Pianist Alon Ohel am Montagmorgen von den palästinensischen Terroristen freigelassen. Er gehörte demnach zu den ersten sieben Geiseln, die an diesem Tag freikamen. Laut Bild soll Ohel während seiner Gefangenschaft nahezu erblindet sein. Nach seiner Freilassung konnte er seine Eltern sowie seine beiden Geschwister wiedersehen. Nach israelischen Angaben seien alle freigelassenen Geiseln in der Lage gewesen, selbstständig zu gehen.
Kurz nach 9.30 Uhr deutscher Zeit wurden auch Fotos weiterer befreiter Geiseln veröffentlicht – darunter die Zwillingsbrüder Gali und Ziv Berman sowie Guy Gilboa-Dalal. Nach Angaben der Bild war Gilboa-Dalal beim Angriff auf das Nova-Festival verschleppt worden. Auch die Berman-Brüder sind nach fast zwei Jahren in der Gewalt der Hamas wieder in Freiheit. Laut Medienberichten waren sie kurz nach ihrer Entführung voneinander getrennt worden. Nun konnten sie sich erstmals wiedersehen – auf der Heimfahrt trugen sie bereits die Trikots ihres Lieblingsvereins Maccabi Tel Aviv.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
USA vermitteln Friedensplan: Unterzeichnung in Scharm el-Scheich markiert Ende des Gaza-Kriegs
Der Austausch gehört zu den Vereinbarungen, mit denen der Gaza-Krieg beendet werden soll, der am 7. Oktober 2023 mit einem Massaker der Hamas in Israel begann. Der Friedensplan kam unter wesentlicher Vermittlung der USA zustande. Zur Unterzeichnung im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich wurde auch US-Präsident Donald Trump erwartet. Zuvor war Trump von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für einen Auftritt im israelischen Parlament empfangen worden.
Nach der Befreiung: Steinmeier sendet Worte der Hoffnung an deutsch-israelische Geiseln
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den freigelassenen Geiseln mit deutscher Staatsbürgerschaft geschrieben. Er habe die Hoffnung ausgedrückt, „dass sie die Folgen der Gewalt, die sie erleiden mussten, nach und nach werden hinter sich lassen können“, hieß es in einer Mitteilung. Der Bundespräsident sei seit dem 7. Oktober 2023 in stetem Kontakt mit den Geisel-Familien gewesen und habe sie viele Male persönlich getroffen. Die Familien der heute freigelassenen deutschen Geiseln habe er zuletzt am 10. Juli getroffen.
Zentralrat der Juden: Nach Geisel-Rückkehr bleiben tiefe Wunden
Nach der Rückkehr der Geiseln aus dem Gazastreifen nach Israel sieht der Zentralrat der Juden in Deutschland weiterhin „tiefe Wunden“ in der jüdischen Gemeinschaft. „Bei aller Freude bedeutet dieser Tag sicherlich keine Rückkehr in die Normalität“, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Montag. „Der heutige Tag markiert vor allem den Beginn eines Prozesses“, betonte Schuster. Die Heilung der Wunden der vergangenen beiden Jahre seit dem 7. Oktober 2023 könne „erst am Ende dieses Prozesses stehen“.
Schuster zufolge stellte der Großangriff der Hamas auf Israel vor gut zwei Jahren „einen Wendepunkt im kollektiven jüdischen Bewusstsein“ dar. „Das größte Massaker an Juden seit der Schoa war der Beginn eines Albtraums: Für die 250 Geiseln, die nach Gaza verschleppt wurden, für die Hinterbliebenen von 1200 ermordeten Menschen, aber auch für Jüdinnen und Juden weltweit.“ Angesichts der Geisel-Freilassung vom Montag herrsche in der jüdischen Gemeinschaft aber auch Erleichterung, betonte Schuster.
Israel beginnt mit Freilassung palästinensischer Gefangener
Mehrere Nachrichtenagenturen, darunter die dpa, AFP und Reuters, berichten, dass Israel mit der Freilassung palästinensischer Gefangener begonnen hat. Am Montag verließen demnach mehrere Busse das Ofer-Gefängnis im besetzten Westjordanland bei Jerusalem. Auf Fernsehbildern war laut Angaben zu sehen, wie die Fahrzeuge die Freigelassenen nach Ramallah bringen sollten. Nach israelischen Angaben ist die Maßnahme Teil der Vereinbarung über eine Waffenruhe mit der Hamas. Insgesamt sollen rund 1700 Palästinenser, die im Gazastreifen festgenommen wurden, sowie etwa 250 Häftlinge, die zu teils lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt sind, freikommen.
Das israelische Militär rechnet nicht damit, dass die Hamas alle 28 getöteten Geiseln innerhalb der vereinbarten 72-stündigen Waffenruhe übergeben kann. Nach Angaben der Regierung in Jerusalem bleibt unklar, wann die Leichen vollständig überstellt werden.