VonSandra Katheschließen
Seit dem Auslaufen des Getreideabkommens hat Russland mehrere Angriffe auf die Hafenstadt Odessa verübt – mit einer Waffe, gegen die die Ukraine wenig ausrichten kann.
Odessa/Kiew – Mit wiederholten Angriffen nimmt das russische Militär im Ukraine-Krieg aktuell vor allem die Schwarzmeer-Stadt Odessa ins Visier, an deren Hafen bis vor wenigen Tagen noch ukrainische Getreideexporte abgefertigt wurden. Bei den jüngsten Angriffen wurden nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet und verletzt, eine Unesco-Welterbestätte in der geschützten Altstadt von Odessa zerstört und zahlreiche Wohngebäude und zivile Infrastruktur beschädigt.
Mit der Grund für die verheerenden Folgen der Angriffe sind die von Russland eingesetzten Marschflugkörper der Typen Oniks und Kalibr sowie ballistische Iskander-Raketen. Allein in der Nacht auf Sonntag sind laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe 19 Raketen auf Odessa abgeschossen worden. Nur neun davon hätten abgefangen werden können.
Russland schießt Oniks-Raketen auf Odessa: Nur wenige Raketen abgefangen
Das größte Problem für die ukrainische Luftverteidigung sei dabei die P-800 Oniks-Rakete. Die auf die Zerstörung von Schiffen ausgelegte Lenkwaffe legt nach Angaben des ukrainischen Luftwaffensprechers Yuri Ihnat bis zu 3000 Stundenkilometer zurück, wie dieser bereits nach mehreren Oniks-Angriffen Mitte der Woche im ukrainischen Fernsehen sagte.
Wie die Online-Zeitung Kyiv Post berichtet, sei die Rakete jedoch nicht nur schnell, sondern stelle aktuelle Verteidigungssysteme auch wegen ihres Flugprofils vor Probleme. „Beim Abfeuern kann sie sehr hoch fliegen, um sich beim Annähern an ihr Ziel dann auf 10 bis 15 Meter anzunähern“, zitiert das Medium Ihnat. „Diese Art Rakete zu bekämpfen, ist schwierig, man kann sie am Ende höchstens mit elektronischer Kriegsführung beeinflussen“, erläutert der Luftwaffen-Experte.
Russischer Angriff auf Odessa: Melnyk fordert Strafen für Russlands „Barbarei“
Auch aus diesem Grund werden nach den vermehrten Oniks-Angriffen auf Odessa seit Aufkündigung des Getreide-Abkommens schon Rufe nach besseren Flugabwehrsystemen laut. Der Stabschef des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, forderte mit Blick auf den erneuten russischen Beschuss mehr Raketenabwehrsysteme und eigene taktische Raketen für die Ukraine. Botschafter Oleksii Makeiev, der die Ukraine in Berlin repräsentiert, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: „Wir brauchen mehr Flugabwehr.“
Auch sein Vorgänger, der amtierende ukrainische Vize-Außenminister Andrij Melnyk meldete sich am Sonntagmorgen auf Twitter zu Wort und postete Bilder der bei dem Angriff teilweise zerstörten zum Unesco-Welterbe zählenden Verklärungskathedrale, die erst vor wenigen Jahrzehnten wiederaufgebaut worden war. Der Welt warf Melnyk vor, bei der Zerstörung seines Landes nur zuzusehen: „Hallo Ampel, aufwachen. Moskau muss endlich bestraft werden für diese Barbarei!“, richtete er sich gezielt an die Regierung in Deutschland.
Die russische Armee-Führung dagegen betont, ausschließlich Militäranlagen zu beschießen. Nach dem jüngsten Angriff auf Odessa hatten die Streitkräfte in Moskau erklärt, sie hätten Orte getroffen, an denen „Terrorakte gegen Russland mithilfe von Marinedrohnen“ vorbereitet worden seien. Russland beschuldigt die Ukraine, am vergangenen Montag die Krim-Brücke, die die ukrainische Halbinsel mit russischem Festland verbindet, mit Marinedrohnen attackiert zu haben. (saka mit AFP)
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