Israel will kompletten Gazastreifen besetzen – Sorge um Geiseln wächst
VonBedrettin Bölükbasi
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Nail Akkoyun
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Israel will im Gaza-Krieg offenbar den kompletten Gazastreifen besetzen. Dies berichten hebräische Medien unter Berufung auf verschiedene Quellen.
Update vom 5. August, 10.15 Uhr: Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wird heute eine begrenzte Sicherheitssitzung leiten. Dabei wird er dem Sender Keshet 12 zufolge unter anderem mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir weitere Kriegspläne für den Gazastreifen diskutieren.
Die Netanjahu-Regierung will zwar den gesamten Gazastreifen besetzen, allerdings fürchten Militärbeamte eine Hinrichtung der Geiseln durch die Hamas, sollten die Militäroperationen ausgedehnt werden. Zamir hatte zuvor gesagt, er werde sich an Plänen, die den Geiseln schaden könnten, nicht beteiligen. Israelischen Medien zufolge teilte die Netanjahu-Regierung dem Generalstabschef mit, er solle zurücktreten, falls er mit der Besetzung des Streifens nicht einverstanden sei.
Die Würfel sind gefallen“: Israel will kompletten Gazastreifen besetzen
Erstmeldung: Gaza/Tel Aviv – Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte eine neue Gaza-Strategie angekündigt, nun steht fest: Israel will den kompletten Gazastreifen besetzen. Dies berichtet unter anderem die Times of Israel unter Berufung auf Netanjahus Büro. Die Besetzung soll jetzt auch Gebiete umfassen, in denen Geiseln von der Hamas festgehalten werden.
Dafür wolle er sich in den nächsten Tagen Rückendeckung des Kabinetts und der Militärführung holen, soll Netanjahu zu Ministern seines Kabinetts gesagt haben.
Mehrere Minister sollen laut hebräischen Medien zudem berichtet haben, dass Netanjahu in privaten Gesprächen den Begriff „Besetzung des Gazastreifens“ verwendet habe, um seine Vision für die Ausweitung der Militäroperationen in Gaza zu beschreiben. Ein hochrangiger Beamter aus dem Umfeld des Premierministers wird vom Newsportal Ynet mit den Worten zitiert: „Die Würfel sind gefallen – wir streben eine vollständige Besetzung des Gazastreifens an.“
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Dramatische Lage im Gazastreifen: Netanjahu will komplettes Gebiet besetzen lassen
Israels Armee (IDF) kontrolliert derzeit etwa 75 Prozent des Gazastreifens, nach Netanjahus neuem Plan soll sie nun auch das verbleibende Gebiet besetzen – wodurch die gesamte Enklave unter israelische Kontrolle käme. Es ist unklar, was ein solcher Schritt für die Millionen Zivilpersonen im Gazastreifen und die humanitären Organisationen bedeuten würde.
Schon seit Monaten spitzt sich die Lage im Gazastreifen dramatisch zu. Die Hungersnot in dem kriegsgebeutelten Gebiet hat unter anderem Deutschland und Frankreich dazu veranlasst, eine Luftbrücke für Lebensmittellieferungen zu initiieren.
Am Sonntag berichtete der israelische Sender Channel 12, dass es innerhalb des Sicherheitskabinetts zu Differenzen in der Frage zu einer erweiterten Besetzung gekommen sei. Hunderte israelische Ex-Sicherheitsbeamte, darunter ehemalige Geheimdienstchefs, hatten zuvor US-Präsident Donald Trump aufgerufen, den Druck auf Netanjahu für eine Beendigung des Gaza-Kriegs zu erhöhen.
„Es ist unsere professionelle Beurteilung, dass die Hamas keine strategische Gefahr mehr für Israel darstellt“, hieß es in dem Brief, der in der Nacht zum Montag veröffentlicht wurde.
Israel: Hunderte Ex-Sicherheitsbeamte sprechen sich gegen Gaza-Krieg aus
Auch das israelische Militär hat sich in der Vergangenheit gegen eine Komplett-Besatzung des Gazastreifens ausgesprochen. Die Beseitigung sämtlicher Hamas-Tunnel und -Bunker könne Jahre dauern, beschrieb die Times of Israel die Bedenken der Armeeführung. Auch könnten demnach Geiseln in Gefahr geraten und getötet werden, sollten israelische Truppen den Orten ihrer Gefangenschaft zu nahe kommen.
Den Medienberichten zufolge würde aber Netanjahu nunmehr dieses Risiko eingehen. „Es wird Militäreinsätze auch in Gebieten geben, in denen Geiseln festgehalten werden“, zitierte Ynet den Offiziellen weiter. „Wenn der Generalstabschef (Ejal Zamir, Anm. d. Red) damit nicht einverstanden ist, dann soll er zurücktreten.“
„Wir befinden uns inmitten eines intensiven Kriegs, in dem wir sehr bedeutende, historische Erfolge erzielt haben“, sagte der Ministerpräsident weiter. „Wir müssen weiter vereint bleiben und gemeinsam kämpfen, um unsere Kriegsziele zu erreichen: den Feind zu besiegen, unsere Geiseln zu befreien und sicherzustellen, dass der Gazastreifen keine Bedrohung mehr für Israel darstellt“, sagte Netanjahu am Montag. Zuletzt hatten von der Hamas verbreitete Propaganda-Videos mit zwei ausgehungerten israelischen Geiseln für Entsetzen und Empörung gesorgt.
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