Ein Skelett schaufelt sein Grab – Geisel-Video setzt Israel weiter unter Druck
VonMaria Sterkl
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Die Hamas beweist ihre Schändlichkeit mit einem neuen Video einer abgemagerten Geisel. Israel im Krieg soll damit unter Druck gesetzt werden.
Gaza – Auf einem Zettel führt er Tagebuch darüber, was er an Mahlzeiten zu sich genommen hat. Am Samstag: Linsen. Am Sonntag: nichts. Montag: Linsen, Dienstag: nichts. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: drei Tage in Folge ebenfalls nichts.
Bis aufs Skelett abgemagert sieht man die israelische Geisel Eviatar David, wie er in einem Tunnel in die Kamera spricht. Wie oft er den Text aufsagen musste, bis die Terroristen, die ihn gefangen halten, mit dem Ergebnis zufrieden waren, weiß man nicht. Eines durfte wie in allen Propagandavideos der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) auch in diesem Horrorvideo nicht fehlen: Der Vorwurf an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, er habe die Geiseln aufgegeben. Der Text für dieses Video stammt von jenen Terroristen, die die Geiseln seit dem 7. Oktober 2023 gefangen halten und schwerer Folter aussetzen.
„Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzt“ – Geisel-Video soll Druck auf Israel ausüben
Die zwei Videos von Eviatar David und ein weiteres von der deutsch-israelischen Geisel Rom Braslavski wurden im Abstand von drei Tagen veröffentlicht. Beide zeigen junge Männer am Ende ihrer Kräfte – seelisch und körperlich. Eviatar David, 23 Jahre alt, wird gezwungen, vor laufender Kamera sein eigenes Grab zu schaufeln.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
„Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzt“, sagt Avishai David, nachdem er das Video gesehen hat, auf dem sein Sohn alle Kraft zusammennehmen muss, um sprechen zu können. „Ich hätte nie gedacht, Eviatar eines Tages so sehen zu müssen“, sagt David im Interview mit dem Radiosender Kan Reshet B. „Er ist mein Sohn, ich spüre jede seiner Zellen.“
Teil der psychologischen Kriegsführung der Hamas gegen Israel im Krieg
Seit fast 22 Monaten befindet sich David in der Gewalt der Terroristen in Gaza. Er hatte am 7. Oktober 2023 das Nova-Festival im Süden Israels besucht und war von dort mit seinem Freund Guy Gilboa-Dalal nach Gaza verschleppt worden. Rom Braslavski hatte bei dem Festival als Ordner gearbeitet.
Die Videos sind Teil der psychologischen Kriegsführung der Hamas: Sie sollen dazu beitragen, Israels Gesellschaft zu verunsichern und zu spalten und die israelische Führung unter Druck zu setzen.
Benjamin Netanyahu unter Druck von USA, Hamas und Koalitionspartnern
Es ist kein Zufall, dass die Hamas ihre psychologische Manipulation ausgerechnet jetzt intensiviert. Der ausländische Druck auf Israel, den Krieg in Gaza zu beenden, ist angesichts des Hungers im Gazastreifen so groß wie nie zuvor. Das Video des Deutsch-Israelis Rom Braslavski wurde am Donnerstag veröffentlicht – an jenem Tag, als sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul in Israel befand.
Zudem stocken die Gespräche für ein neues Waffenruhe-Übereinkommen zwischen Israel und der Hamas. Die Geiseln sind der stärkste Trumpf der Hamas in diesen Verhandlungen. Während ihre Eltern in Israel um das Leben ihrer Söhne fürchten, setzen die Terroristen deren Leben oder Sterben ein, um das zu erreichen, was sie wollen: ein Ende der Kämpfe in Gaza und einen Abzug der israelischen Truppen – mithin also ihren Sieg.
Kriegslage
Israels Generalstabschef Eyal Zamir hat vor einer Fortsetzung der Kämpfe im Gazastreifen gewarnt, falls die verbliebenen Geiseln nicht bald befreit werden: Er gehe davon aus, „dass wir in den nächsten Tagen erfahren werden, ob wir eine Einigung (...) erzielen können“, sagte er am Samstag. Andernfalls werde „der Kampf ohne Unterbrechung weitergehen“.
Verhandlungen unter Vermittlung der USA, Ägyptens und Katars waren im Juli gescheitert. Noch immer werden 49 Israelis festgehalten, mindestens 27 von ihnen sind laut Armee bereits tot. afp
Israels Regierungschef Netanjahu hat nun die Vorgaben für die Verhandlungen geändert: Anstatt eines Deals in mehreren Etappen setzt er sich – wohl auf Druck der USA – für ein Übereinkommen ein, in dem alle Geiseln auf einmal freigelassen werden. Das würde jedoch voraussetzen, dass der Krieg beendet wird – und dem stellen sich seine rechtsextremen Koalitionspartner Smotritsch und Ben Gvir entgegen.
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