Putins „Sapad“-Übung: USA schicken Beobachter nach Belarus
VonPatrick Mayer
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Unmittelbar nach dem russischen Drohnen-Vorfall über Polen organisiert Wladimir Putins Regime das Militärmanöver „Sapad“ in Belarus. Zweifel werden laut.
Update vom 15. September, 18:19 Uhr: Die USA haben überraschend zwei Beobachter zum russisch-belarussischen Manöver „Sapad-2025“ geschickt. Dies berichteten unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters sowie russische und belarussische Medien. Ein Video im Kurznachrichtendienst Telegram zeigt, wie die US-Beobachter vom belarussischen Verteidigungsminister Viktor Chrenin empfangen werden. Der Minister betonte, die US-Soldaten könnten sich alles anschauen, was für sie von Interesse sei. Neben den USA haben auch die Türkei und Ungarn – ebenso Nato-Mitglieder, zugleich aber enge Partner Russlands – Beobachter entsandt.
Erstmeldung: Minsk - Die Verteidigungsallianz NATO ist an ihrer Ostflanke und darüber hinaus in hellem Aufruhr. Zwischen Brüssel, Berlin und Warschau. Abgeschossene russische Drohnen über Polen stellen eine neue Eskalationsstufe mit dem Moskau-Regime dar. Bedenken werden laut, da Russland an diesem Freitag (12. September) auch noch das riesige Militärmanöver „Sapad“ in Belarus gestartet hat. Plant Wladimir Putin eine heimliche Mobilmachung?
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Zur Einordnung: „Sapad“ heißt aus dem Russischen übersetzt Westen. Die NATO erwartet etwa 13.000 Soldaten in Belarus und weitere 30.000 Soldaten auf russischem Territorium, die an dem umfangreichen Manöver unweit der Ostflanke des westlichen Militärbündnisses teilnehmen. Erst kürzlich hatte die NATO zur Abschreckung Putins unter Anleitung der Bundeswehr im Ostseeraum ihre Übung „Quadriga 2025“ abgehalten.
Russisches Militärmanöver „Sapad“: Sorgen äußern sich im Baltikum und in Polen
Wirkt die Abschreckung? Plant Putin einen erneuten Überraschungsangriff über Belarus auf die Ukraine? Will der Kreml testen, welche Sicherheitsmaßnahmen die NATO-Staaten zwischen Finnland und Polen an ihren Grenzen ergreifen? So hat Lettland seinen Luftraum zu Russland und Belarus gesperrt. Es ist nur ein Beispiel für vorsorgliche Vorkehrungen. Ein weiteres: Laut Nachrichtenagentur Reuters hat Polen 40.000 Soldaten an seine Grenzen zu Russland und Belarus verlegt.
Mancher Experte wähnt in „Sapad 2025“ gar die Gefahr einer verkappten Mobilmachung für den Ukraine-Krieg. So meinte etwa der ukrainische Militärexperte Wasyl Pechnjo laut tagesschau.de im Fernsehsender Espreso: „Die Übung kann für Russland eine Art versteckte Mobilmachung darstellen.“ Die russische Armee könne Reservisten zur Übung schicken, „und danach werden sie dann zum Beispiel an die Front im Osten der Ukraine geschickt“, erklärte Pechnjo.
Ein neuerlicher russischer Überfall über Belarus bleibt Gegenstand von Spekulationen. Ebenso wie eine angeblich reale Gefahr für die NATO-Ostflanke. Der polnische Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk hatte vorsorglich darauf hingewiesen, dass sein Land über Monate eigene Militärübungen abgehalten habe, um auf „Sapad 2025“ vorbereitet zu sein. Am Freitagmorgen wurden Grenzübergänge zu Belarus durch vermummte und schwer bewaffnete Soldaten bewacht, vereinzelt waren riesige Betonblöcke als mutmaßliche Panzersperren zu sehen.
Bedrohung durch Wladimir Putin: Polen sichert Grenzen zu Russland und Belarus mit Soldaten
Die Entsendung zehntausender polnischer Soldaten an die östlichen Grenzen diene dazu, die Ernsthaftigkeit der Bedrohungslage zu unterstreichen, hieß es aus Warschau weiter. Bezeichnend: Laut Welt hatten sich fünf der 19 abgestürzten oder abgeschossenen russischen Drohnen dem ostpolnischen Militärflughafen Rzeszow genähert. Begleitet wird „Sapad 2025“ ohnehin von reihenweise Warnungen innerhalb der NATO-Allianz und aus Kiew.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, erklärte laut dpa jüngst bei einer Presserunde: „Putin schaut auf uns. Seine Pläne gehen über die Ukraine hinaus.“ Und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meinte in diesen Tagen: „Die Russen testen aus, was sie sich erlauben können, wie die NATO-Staaten reagieren. Die Reaktion der NATO zu testen, kann zu den Plänen für diese Militärübung gehören.“ (Quellen: Reuters, tagesschau.de, bild.de, dpa) (pm)