Sechsstellige Summen

Woher hat die Letzte Generation ihr Geld?

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Kleber und Sprühfarbe sind nicht umsonst. So finanzieren die Klima-Schützer:innen ihren Protest.

Die Letzte Generation hat sich 2022 vor allem auf Straßen, aber auch auf Flughäfen festgeklebt, um für das Klima den Verkehr zu blockieren. Einige Monate später verlagert sich der Aktivismus der „Klima-Kleber“ verstärkt auf die Menschen, denen sie viel Schuld beim Thema Klimawandel geben: die Reichen. Die Letzte Generation besprüht Luxusyachten auf der Insel Sylt, Juweliere und 5-Sterne-Hotels. Doch woher nehmen die Klima-Aktivist:innen das Geld für solche Aktionen?

NameLetzte Generation
Gründung2021
Anzahl Mitglieder500 - 600 (Stand: Mai 23)
ZielZiviler Ungehorsam für mehr Klimaschutz
ForderungenTempolimit, 9-Euro-Ticket, Gesellschaftsrat
ProtestaktionenStraßenblockaden, Störungen von Veranstaltungen, Beschmierungen von Gebäuden, Verkehrsmitteln oder Kulturdenkmälern
Bekannte PersonenCarla Hinrichs, Klima-Shakira, Aimée van Baalen
Beteiligte LänderDeutschland, Österreich und Italien
DachorganisationA22 Network
FinanzierungSpenden

Wie finanziert sich die Letzte Generation?

Klimaschützer:innen der Letzten Generation finanzieren sich über Spenden. Wer auf der Website der Aktivist:innen auf den Spenden-Button klickt, kann über Telefon, gofundme, Paypal oder als Überweisung spenden. Spenden gingen standardmäßig an das „KUEÖ Network“ – das verwalte die Spenden, schreibt die Klimaschutz-Gruppe. Spendenbescheinigungen könne man leider keine ausstellen.

Seit den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München, die auch die Website der Letzten Generation sperrte, habe man aktuell kaum Geld bei der KUEÖ und nutze lieber direkte Spenden, schreiben die Aktivist:innen. Die wirft sieben Mitgliedern nämlich die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor und hat im Ermittlungsverfahren mehrere Konten gesperrt, auf denen sich ein mittlerer sechsstelliger Betrag befunden habe, berichtet der BR.

Seit April 2022 ist die Gruppe außerdem Teil eines internationalen Netzwerks ziviler Widerstandsprojekte namens „A22 Network“. Dieses Netzwerk wird vom Climate Emergency Fond (CEF) finanziert. „Die Letzte Generation erhält einen Großteil der Mittel für Recruitment, Training und Weiterbildung aus dem Climate Emergency Fund“, schreiben die Aktivist:innen auf ihrer Website.

Direkte Zuwendungen erhalte man von der Organisation CEF jedoch keine. Das Geld fließe erst an eine Initiative, die das Geld in Kooperation mit der Letzten Generation in gemeinnützige Bildungsarbeit investiere. Insgesamt seien das um die 50.000 Euro, die aber – so betonte die Klima-Gruppe – direkt über die Initiative abgerechnet werden, weshalb „für uns keine Geldflüsse entstehen“.

Wie finanzieren sich die „Klima-Kleber“?

Wie viel Geld kommt über Spenden zusammen?

In einem Transparenzbericht von 2022 legt die Letzte Generation (die sich echt krass festklebt) offen, wie viel Geld sie mit Spenden eingenommen und wofür sie es ausgegeben hat. Insgesamt betrugen die Einnahmen in dem Jahr über 900.000 Euro. Die meisten Spenden (214.000 Euro) kam über Direktüberweisungen, etwa 10.000 Euro über Darlehen. Ausgegeben hat die Letzte Generation 2022 laut Bericht knapp 534.000 Euro.

Das meiste ging für die Miete von Vereinsräumen drauf (254.000 Euro), der zweitgrößte Posten war Material für die Protestaktionen (98.000 Euro), also Sekundenkleber, Druckpapier, Spezialkleber, Banner, Warnwesten, Sitzkissen oder Handwärmer. Personalkosten sind nicht aufgezählt, obwohl etwa 70 Menschen bei der Vereinigung laut Süddeutscher Zeitung (SZ) Geld für ihren Aktivismus verdienen – etwa 950 Euro netto im Monat.

Mit einem Startbudget von rund 16.000 Euro kamen die Aktivist:innen der Letzten Generation laut Transparenzbericht 2022 auf eine positive Bilanz von etwa 383.000 Euro. Sie machten mit ihren 900.000 Euro Spenden also sogar Gewinn, weil sie nicht alles für ihren Protest ausgeben mussten.

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Geht der Letzten Generation das Geld aus?

Wie es im Jahr 2023 mit Einnahmen und Ausgaben steht, bleibt bis zur Jahresbilanz jedoch unklar. So locker wie 2022 dürfte das Geld nicht sitzen. Ende Mai 2023 berichten verschiedene Medien, dass der Letzten Generation (die viele Menschen nervt) das Geld ausgehe. „Trotz tausender Kleinspenden jeden Monat leeren sich unsere Kassen. Denn der Widerstand wächst immer schneller. Und mehr Widerstand braucht auch mehr Geld“, schreibt die Gruppe am 18. Mai auf Twitter (siehe unten)

Schon im April habe man Kosten in Höhe von 170.000 Euro gehabt – fast halb so viel, wie man 2022 im ganzen Jahr ausgegeben habe. Dass die Generalstaatsanwaltschaft München Razzien bei der Letzten Generation durchgeführt habe, helfe nicht. Rücklagen befänden sich in den Händen der Ermittler:innen, schreibt die Klimaschutzgruppe ihren Mitgliedern Anfang Juni. Sie müssten die Kosten für den Protest bis auf Weiteres selbst bezahlen, heißt es laut einer Recherche der Berliner Morgenpost.

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Rubriklistenbild: © Letzte Generation Collage

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