VonFlorian Naumannschließen
Eine ernste Warnung an Deutsche äußerte Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Werner-Holzer-Preis. Auch indirekte Kritik an die USA formulierte er.
Frankfurt am Main – Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei der Verleihung des Werner-Holzer-Preises für Auslandsjournalismus die Menschen in Deutschland eindringlich zu Engagement für die Demokratie gemahnt. Artikel 1 des Grundgesetzes erkläre die Würde des Menschen für unantastbar, sagte der SPD-Politiker in seiner Festansprache im Frankfurter Römer. „Ja, das sollte sie sein – aber wer heute in die Welt guckt, in Deutschland, selbst in die Parlamente, der sieht demokratisch gewählte Mandatsträger und Funktionsinhaber, die sich nicht scheuen, die Würde des Menschen jeden Tag einmal in den Schmutz zu ziehen.“ Ippen.Media ist Medienpartner des Werner-Holzer-Preises.
Dabei habe insbesondere in Deutschland niemand mehr eine Ausrede, wegzusehen, betonte Pistorius. Die Großeltern-Generation habe womöglich nicht gewusst, was mit dem Zweiten Weltkrieg und den Verbrechen der Nationalsozialisten bevorstehe, „wenn man nicht aufpasst“. „Diese Ausrede, meine Damen und Herren, hat keiner von uns hier im Saal“, sagte er. Zugleich sei klar: Die Weimarer Republik sei nicht „zugrunde gegangen an der übermächtigen Stärke ihrer Gegner, sondern an der Schwäche, der Feigheit, der Müdigkeit ihrer Anhänger“.
Pistorius setzt Seitenhieb gegen Trumps USA: Folgen für den Frieden
Pistorius rügte auch Entwicklungen in Donald Trumps USA. Die große Gefahr sei, desinteressiert und unempathisch auf diese Welt zu schauen und sich in Isolationismus oder Nationalismus zu verlieren – das erlebe man gerade „bei einem der großen Alliierten jenseits des Atlantiks“. Das habe gravierende Folgen für die internationale Ordnung und letztlich „unseren Frieden“. Auch Michel Friedman, Publizist und Vorstandsvorsitzender des Werner-Holzer-Instituts, warnte in seinem Grußwort eindringlich vor Gefahren für die Demokratie.
Pistorius zeigte sich zugleich über Entwicklungen in den Medien und der politischen Debatte besorgt. Demokratie brauche „offene Debatten und nicht orchestrierte Zustimmung“. Propaganda sei immer schwerer von Fakten zu unterscheiden, zugleich sei Differenzierung aus der Mode gekommen. „Ich spüre jeden Tag, wie diese Entwicklung Auswirkung auf die Politik hat.“ Nur wer polarisiert und schwarz-weiß male, finde Zugang zu Schlagzeilen. Sich konstruktiv zu streiten, werde schwieriger, „sei es das Thema Migration, das Thema Wehrdienst oder ganz viele andere Debatten.“
Werner-Holzer-Preis 2025 – die Fotos von der Preisverleihung in Frankfurt




Unterdessen gehe die Ukraine in den vierten Kriegswinter. Russland beantworte alle Annäherungen zu Verhandlungen und Gesprächen „mit einer erhöhten Angriffswelle mit Drohnen und Marschflugkörpern“, die mittlerweile zu fast 80 Prozent zivile Ziele treffe. „Da schaudert es mich angesichts des Zynismus, mit dem einige in Europa unterwegs sind.“ „Das ist kein Konflikt, das ist ein Angriffskrieg“, betonte Pistorius.
Werner-Holzer-Preis 2025: Pistorius lobt „Neugier, Mut und Resilienz“
Umso wichtiger sei angesichts all dieser Probleme guter Journalismus und Auslandsjournalismus, sagte Pistorius mit Blick auf den Werner-Holzer-Preis. Nötig sei „Neugier, Mut und Resilienz“. Resilienz heiße dabei nicht „unberührt zu bleiben“, „sich berühren zu lassen und trotzdem weiterzumachen“.
Die Auszeichnung wurde 2022 von der Familie des verstorbenen Journalisten Werner Holzer (1926-2016) ins Leben gerufen. Werner Holzer war von 1973 bis 1991 Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und zuvor langjähriger Auslandskorrespondent. Der Werner-Holzer-Preis ehrt außergewöhnliche Leistungen im Auslandsjournalismus. Die Jury unter dem Vorsitz von Thomas Kaspar besteht aus den Journalistinnen Dr. Melanie Amann, Antje Pieper und Jennifer Wilton.
Mit dem ersten Preis zeichnete sie in diesem Jahr Juliane Schäuble, USA-Korrespondentin der Zeit, aus. Einen gleichberechtigten zweiten Preis erhielten Susanne Koelbl, die für den Spiegel seit Langem aus Kriegs- und Krisengebieten berichtet und Katharina Willinger, die für die ARD unter anderem in der Türkei und dem Iran arbeitet. Zudem ging ein Sonderpreis posthum an die Anfang 2025 verstorbene Welt-Korrespondentin Christine Kensche. Sie war Reporterin in Israel, befasste sich mit der Hamas und berichtete nach dem 7. Oktober über die Massaker an israelischen Zivilisten. Die Auszeichnung nahmen ihre Eltern entgegen. (fn)
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