VonChristina Denkschließen
Nach dem Wagner-Aufstand sind die Söldner-Gruppe und die russische Regierung geschwächt. Wie geht es für beide Parteien weiter? Prigoschin könnte Putin große Probleme bereiten.
Moskau – Wagner-Chef Prigoschin ist ins Exil nach Belarus geflohen. Putin will die Wagner-Söldner in die Armee eingliedern. Und internationale Experten sprechen von „Rissen“ und weiteren Folgen für das Machtsystem Putin. Die Zukunft nach dem Wagner-Aufstand in Russland sieht für keine der Parteien wirklich rosig aus – weder die Wagner-Gruppe, noch Putin. Was wird aus den beiden Parteien nach dem Putschversuch am Wochenende?
Nach Wagner-Aufstand: Zeichnet sich das Ende der Söldner-Gruppe ab?
Für die Wagner-Gruppe schien der gescheiterte Putschversuch auf den ersten Blick tatsächlich das Ende zu bedeuten. Am Wochenende wurden russlandweit Rekrutierungszentren der Gruppe geschlossen und Prigoschins Geschäftsseite auf VK, einer russischen Plattform für soziale Medien gesperrt, berichtet The Guardian. Am Samstag deutete der Kreml zudem die Auflösung der Truppe an. Die Söldner, die sich nicht am Aufstand beteiligt hatten, sollten Verträge mit dem Verteidigungsministerium schließen und sich der Armee anschließen, hieß es von Kreml-Sprecher Dmitry Peskov.
In einer Ansprache bestätigte Putin das Vorhaben. Er stellte die Wagner-Mitglieder vor die Wahl: Sie könnten einen Vertrag mit der regulären russischen Armee unterzeichnen und „zu ihren Familien und Angehörigen zurückkehren“ oder „nach Belarus gehen“, wie ihr Chef Prigoschin. „Putins Koch“ meldete sich am Montag nach dem Aufstand zu Wort und erklärte, dies sei das Ziel des Marsches auf Moskau gewesen: Eine ohnehin geplante Eingliederung seiner Truppe ins Militär zu verhindern.
Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland




Russlands Wagner-Krise: Prigoschins Truppe will sich Putin nicht beugen – Abhängigkeiten werden deutlich
Wie geht es also mit der Wagner-Gruppe weiter? Die Söldner scheinen weiterhin nicht bereit, sich Putin unterzuordnen. Gegenüber dem Guardian sagte ein früherer Wagner-Kommandant: „Wagner-Truppen werden nicht für die Armee kämpfen.“ Sie seien Prigoschin loyal. „Entweder Wagner oder gar nicht“, so sein Fazit. In Belarus sollen bereits Lager für die Söldner errichtet werden, berichtet The Daily Beast. Es ist also möglich, dass die Truppe Prigoschin ins Nachbarland folgt.
Komplett ohne Wagner zu agieren, dürfte für Putin zudem schwierig werden. In Afrika, wo die Wagner-Truppe für Russland Einsätze vollzieht, sollen die Söldner weiterarbeiten, bestätigte daher am Montag der russische Außenminister Sergej Lawrow. Das Netzwerk, das Prigoschin in Afrika aufgebaut habe, sei für Putin viel zu wichtig, als es einfach aufzulösen, schätzen Fachleute. Ob mit oder ohne den Wagner-Chef: Die Söldner-Gruppe werde wohl in Afrika weiter existieren. Am Montagabend sollen daher auch die Rekrutierungszentren der Wagner-Gruppe in einigen Regionen Russlands wieder geöffnet worden sein. Die Zentrale in St. Petersburg versicherte, sie arbeite „auf normale Art und Weise“ weiter, so dpa.
Russland in der Wagner-Krise: Wie steht es um die Position Putins?
Während die Wagner-Gruppe nach dem beendeten Aufstand also offenbar weiter agiert, könnte genau diese Präsenz Putin weiter zum Verhängnis werden. Prigoschins öffentliche Präsenz, die er durch seinen Social Media Auftritt am Montagabend unterstrich, könnte die Glaubwürdigkeit des Kremls weiter untergraben, berichtet der Guardian. „Putins Koch“ ist als rücksichtslose und ehrgeizige Persönlichkeit bekannt und Beobachter bezweifeln, dass er sich mit einem vorzeitigen Ruhestand in Belarus zufriedengeben wird. Es sieht danach aus, als sei die Wagner-Gruppe zwar kurzfristig ein Verlierer ihres eigenen Aufstands, doch langfristig dürfte Putin verloren haben. Angesichts dieser Unsicherheiten hat Konfliktforscher Marc von Boemcken im Interview mit fr.de darüber gesprochen, wie die Bundesregierung mit der Wagner-Gruppe umgehen sollte. (chd)
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