Wissenschaftliche Studien

Erhöhtes Cholesterin: Eine Darmflora im Gleichgewicht schützt vor Schlaganfall

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Wer einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, riskiert langfristig Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine gesunde Ernährung kann das Risiko aber deutlich minimieren.

Milliarden Bakterien bilden gemeinsam das menschliche Mikrobiom im Darm. Diese sind nicht nur am Stoffwechsel beteiligt, sondern beeinflussen auch viele andere Abläufe in unserem Körper. Forscher haben nun herausgefunden, dass das Mikrobiom oder auch Darmflora genannt, ebenfalls mit dem Cholesterinspiegel in Zusammenhang steht. Ist das Darmmikrobiom im Gleichgewicht und damit auch das LDL-Cholesterin, sinkt Studien zu folge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Infarkte oder Schlaganfall.

Ernährung beeinflusst das Mikrobiom: Darmflora schützt vor Krankheiten

Cholesterine sind Fette, die über die Nahrung aufgenommen werden. Sie können sich an den Innenwänden der Blutgefäße ablagern und die Gefäße gefährden.

Jeder Mensch verfügt über ein einzigartiges Mikrobiom. Gene, Umweltfaktoren und die individuelle Krankheitsgeschichte prägen dabei die Zusammensetzung der Bakterien im Darm. Je größer die Vielfalt der dort ansässigen Darmbakterien, desto gesünder scheint die Darmflora – und damit auch der gesamte Körper. So gibt es beinahe kein Organ mehr, welches nicht mit dem Darmmikrobiom in Zusammenhang gebracht wird.

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Cholesterinspiegel ist zu hoch: Zehn Lebensmittel, die Sie jetzt besser vermeiden sollten

Tiefkühlpizza
Fertiggerichte, wie zum Beispiel Pizza, enthalten einen sehr hohen Anteil an Transfetten. Diese erhöhen den Gehalt von LDL-Cholesterin im Blut und können zu Ablagerungen an den Gefäßwänden führen, wodurch wiederum das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. © Jens Büttner/dpa
Butter in einer Verpackung.
Butter besteht zu zwei Dritteln aus gesättigten Fettsäuren. Menschen mit Übergewicht sollten daher auf Butter weitgehend verzichten. Ist der LDL-Wert über lange Zeit erhöht, steigt das Thromboserisiko und somit die Gefahr eines Blutgerinnsels, das – je nachdem, wo es auftritt – zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen kann.  © agefotostock/Imago
windbeutel
Aber bitte ohne Sahne – bei einem zu hohen Cholesterinspiegel. Sahne hat einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die den LDL-Spiegel nach oben treiben.  © Csh/Imago
Eine Fertigpizza und ein Glas Cola vor einem Laptop.
Auch Getränke wie Cola und Limo sollten Sie bei einem hohen LDL-Cholesterin-Spiegel vermeiden. Sie enthalten zwar wenig Fett, allerdings sehr viel Zucker. Wird diese zusätzliche Energie nicht verbrannt, erhöht dies die Fettwerte.  © imagebroker/Imago
Eine beliebte Chips-Sorte wird zurückgerufen.
Damit Chips richtig knackig, knusprig werden, kommen sie in die heiße Fritteuse. Die Industrie verwendet zum Frittieren Transfette, die günstig in der Herstellung, aber schlecht für den Cholesterinspiegel sind. Die sogenannten Transfette erhöhen den LDL-Wert und sind insbesondere für Menschen, die unter Diabetes leiden, gefährlich. © Daniel Karmann/dpa
Verschiedene Würste in einer Fleischtheke
Wurst und Fleisch sollten auch gesunde Menschen nur in Maßen genießen. Denn sie enthalten eine hohe Menge an gesättigten Fettsäuren, die sich negativ auf den LDL-Cholesterinspiegel auswirken.  © Imago stock&people/Imago
Ein Kohlegrill, auf dem Fleischpatties braten.
Vielen lieben gegrilltes Fleisch. Personen mit hohen Cholesterinwerten, sollten sich die Freude allerdings nicht zu häufig machen. Denn die gesättigten Fettsäuren, die im Fleisch enthalten sind, treiben den LDL-Wert in die Höhe.  © Oksana Nazarchuk/Imago
Aufgeschnittene Mini-Cordon bleu aus denen der Käse tropft.
Fleisch mit Wurst und Käse – Cordon bleu. Dieses Gericht beinhaltet drei Lebensmittel, auf die Personen mit einem hohen Cholesterinspiegel besser verzichten sollten. Denn auch Käse lässt das schlechte LDL-Cholesterin im Blut ansteigen, was die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßverkalkung, Demenz und Typ-2-Diabetes fördern kann. © Einfach Tasty
Blick von oben auf bunte Nikolaus-Kekse auf einem Kuchengitter. Die Dekoration passt zum Advent.
Industriell hergestellte Kekse schmecken zwar lecker, bestehen aber vor allem aus Zucker und Transfetten. Vor allem Transfette wirken sich negativ auf Ihren LDL-Cholesterinspiegel aus. (Symbolbild) © Einfach Tasty
Gefüllte Croissants sind auf einem Teller serviert.
Ein Croissant enthält im Schnitt, laut ndr.de, ein Gramm Transfette. Wer sich zu oft oder zu viel der französischen Leckerei hingibt, überschreitet daher schnell den Höchstwert von 2,6 Gramm Transfette, den ein Mensch pro Tag nicht überschreiten sollte.  © Anneleven/Imago

Gibt es nur sehr wenige Arten oder herrscht ein spezieller Bakterienstamm im Darm vor, wirkt sich dies dagegen eher negativ auf die Gesundheit aus. Folgende Krankheiten werden mit einem veränderten Mikrobiom in Zusammenhang gebracht:

  • Multiple Sklerose
  • Übergewicht
  • Diabetes
  • Allergien und Asthma
  • Demenz und Alzheimer
  • Parkinson

Beeinflusst wird das Mikrobiom im Darm maßgeblich über die Ernährung. Welche Lebensmittel wir zu uns nehmen, kann sich daher auf die Darmgesundheit auswirken. Verarbeitete Lebensmittel, viel Fett und Zucker scheinen eher einen negativen Einfluss zu haben. Besonders gut ist dagegen eine gesunde, ballaststoffreiche Kost. Frisches Obst und Gemüse sollte aufgrund der enthaltenen Ballaststoffe regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.

Ernährung beeinflusst das Mikrobiom und Cholsterin: Studien findet Zusammenhang

Ballaststoffreiche Lebensmittel wirken sich positiv auf das Mikrobiom aus. Aber auch bei einem erhöhten Cholesterinwert kann eine Ernährungsumstellung hilfreich sein. Cholesterine sind Fette, die über die Nahrung aufgenommen werden. Einmal im Blutkreislauf angelangt, können sie sich an den Innenwänden der Blutgefäße ablagern und die Gefäße gefährden. Gerade das LDL-Cholesterin wird mit einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in Zusammenhang gebracht. Die in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthaltenen Ballaststoffe scheinen das schlechte LDL-Cholesterin dagegen zu senken.

Warum sich eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen positiv auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirkt, war lange unklar. Forschungen zeigen allerdings, wie wichtig der Darm dabei ist. „Es gibt schon länger Beobachtungen, dass Stoffwechselprodukt aus dem Darm Einfluss auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. In den letzten Jahren haben wir uns mehr mit der bakteriellen Flora des Darms und deren Stoffwechselprodukten beschäftigt und beobachtet, dass bestimmte Stoffwechselprodukte protektiv sind, also schützend“, erklärt Arash Haghikia von der Charité Berlin gegenüber dem SWR.

Proprionsäure wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus

Hinter der cholesterinsenkenden Wirkung der Ballaststoffe steckt die sogenannte Proprionsäure, welche durch die Darmbakterien produziert wird, wenn diese Ballaststoffe verdauen, wie Wissenschaftler der Ruhr Universität Bochum herausfanden. Das Forschungsteam um Alexander Duscha untersuchte im Rahmen der Studie, welchen Einfluss die Einnahme von Proprionsäure auf Patienten mit Multiple Sklerose hat. Die Wissenschaftler stellten dabei fest, dass Präparate mit Proprionsäure sich nicht nur positiv auf die Beschwerden auswirkten. Die Präparate verbesserte auch den LDL-Cholesterinwert über einen langen Zeitraum. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine kardiologische Studie der Charité Berlin.

Die Darmbakterien produzieren aus ihrem eigenen Stoffwechsel verschiedene Botenstoffe, die direkten Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Dazu gehört die sogenannte Proprionsäure, die den Darm veranlasst, weniger „ungesunde“ Fette wie Cholesterin aufzunehmen. Die von den Darmmikroben hergestellte Proprionsäure senkt die Cholesterinaufnahme und damit auch den Cholesterinwert direkt. Da bei einer ballaststoffreichen Ernährung mehr Proprionsäure freigesetzt wird, wirkt daher auch eine Ernährungsumstellung cholesterinsenkend.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Science Photo Library/Imago

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