VonJulia Cuprakowaschließen
Die Bundesbank sieht die Frührente als finanzielle Belastung. Sie fordert eine Anpassung der Abschläge.
Die Diskussion um die Frührente in Deutschland gewinnt erneut an Fahrt: Laut aktuellem Monatsbericht der Bundesbank sind die derzeitigen Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt zu niedrig angesetzt und machen den vorgezogenen Ruhestand für viele Versicherte besonders attraktiv.
Die Folge: Das Rentensystem wird finanziell zusätzlich belastet, da immer mehr Menschen früher in Rente gehen und dabei nur geringe Einbußen hinnehmen müssen. Die Bundesbank fordert daher eine Überprüfung und Anpassung der Abschlagsregelungen, um das Rentensystem langfristig zu stabilisieren und die Altersgrenzen stärker an die gestiegene Lebenserwartung zu koppeln. Auch laut Wirtschaftsweise Martin Werding sind die Abschläge zu niedrig, er forderte im echo24-Interview höhere Abschläge für ein früheren Renteneintritt.
Bundesbank kritisiert Renten-Pläne der Regierung: Zweifel an Effektivität und Abschlägen
Die Merz-Regierung plant weitreichende Reformen im Rentensystem, die erhebliche finanzielle Auswirkungen auf breite Teile der Bevölkerung haben könnten. Doch der Widerstand gegen die Renten-Pläne wächst. Nach der Deutschen Rentenversicherung, die kürzlich die Ausweitung der Mütterrente kritisierte, äußert nun auch die Deutsche Bundesbank Zweifel an der Wirksamkeit der Aktivrente.
Laut Handelsblatt kritisiert sie in ihrem Monatsbericht Juni, das Konzept sei wenig durchschlagskräftig. Für längere Erwerbsphasen sei es entscheidend, das gesetzliche Renteneintrittsalter sowie die Altersgrenze für den frühestmöglichen Rentenstart an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. echo24.de berichtete bereits, welchen Jahrgängen die Rente ab 70 als Erstes treffen könnte, bei einer Koppelung des Eintrittsalters an die Lebenserwartung. Zudem kritisiert die Bundesbank die derzeit zu niedrigen Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn.
Bundesbank fordert Reform der Rentenabschläge bei Frühverrentung
Die Deutsche Bundesbank hält die aktuellen Abschläge bei einem vorzeitigen Rentenbeginn für zu niedrig und fordert eine Neuberechnung. Der pauschale Abschlag von 0,3 Prozent pro Monat mache einen frühen Renteneintritt für Versicherte finanziell attraktiver.
Das geht zulasten der gesetzlichen Rentenversicherung, die dadurch mit zusätzlichen Kosten belastet werde. Gleichzeitig seien die Zuschläge von 0,5 Prozent pro Monat für einen späteren Renteneintritt nach Berechnungen der Bundesbank derzeit zu hoch angesetzt.
Bundesbank schlägt gestaffelte Rentenabschläge je nach Rentenbeginn vor
Kritisiert wird zudem, dass Abschläge und Zuschläge unabhängig vom genauen Zeitpunkt des Rentenbeginns gelten. Aus Sicht der Bundesbank wäre es sachgerechter, diese monatlichen Anpassungen am individuellen Abstand zum gesetzlichen Renteneintrittsalter auszurichten.
So könnte etwa bei Versicherten des Geburtsjahrgangs 1964 der Abschlag zwischen dem 63. und 64. Lebensjahr bei 0,37 Prozent pro Monat liegen, zwischen dem 66. und 67. Lebensjahr sogar bei 0,42 Prozent.
Aktivrente in der Kritik: Bundesbank bezweifelt steuerliche Anreize für längeres Arbeiten
Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, dass Beschäftigte mit 45 Beitragsjahren weiterhin abschlagsfrei früher in Rente gehen dürfen. Wie hoch die Rentenzahlungen dabei ausfallen können, zeigt eine Übersicht von echo24.de. Gleichzeitig will die Ampel-Koalition erreichen, dass mehr ältere Menschen freiwillig länger im Beruf bleiben. Ein zentrales Instrument: die sogenannte Aktivrente.
Doch ausgerechnet die Deutsche Bundesbank äußert Zweifel an der Wirksamkeit des Modells. Finanzielle Anreize seien laut Umfragen nur ein nachgeordneter Grund für längere Erwerbstätigkeit. Viel häufiger gaben ältere Beschäftigte an, aus Freude an der Arbeit oder wegen sozialer Kontakte im Job zu bleiben. Die Bundesbank warnt deshalb vor Mitnahmeeffekten: Wer ohnehin länger arbeiten würde, profitiere zwar von Steuererleichterungen – das Rentensystem selbst werde dadurch aber nicht spürbar entlastet.
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