VonLisa Kleinschließen
Aktivrente, Frühstartrente, Mütterrente – die Merz-Regierung hat viel vor. Was hinter den großen Renten-Plänen steckt und was es laut Experten darüber hinaus braucht.
Die neue Bundesregierung um Kanzler Friedrich Merz (CDU) plant eine Rentenreform – an verschiedenen Punkten soll angesetzt werden. So soll etwa eine „Frühstart-Rente“ ab sechs Jahren geben, Steuervorteile für eine „Aktivrente“ und die sogenannte Mütterrente soll ausgeweitet werden. Laut Renten-Experten braucht es allerdings mehr für eine echte Reform.
Die Renten-Pläne der Merz-Regierung im Überblick
- Frühstartrente ab 2026
- Aktivrente: Bis zu 2000 Euro steuerfrei für arbeitende Rentner
- Mütterrente 3
- Stabilisierung des Rentenniveaus
Merz-Regierung plant „Frühstart-Rente“: Zehn Euro pro Monat für Kinder
Die neue Regierung möchte für künftige Generationen richtig früh ansetzen – und zwar mit der „Frühstartrente“: „Wir wollen für jedes Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung in Deutschland besucht, pro Monat zehn Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes und privatwirtschaftlich organisiertes Altersvorsorgedepot einzahlen“, heißt es im Koalitionsvertrag. Starten soll die „Frühstart“-Rente schon 2026.
Rentner können durch die „Aktivrente“ bis zu 2000 Euro steuerfrei bekommen
Künftig soll es sich auch lohnen, im Rentenalter weiterhin zu arbeiten: Menschen im Rentenalter, die freiwillig weiterarbeiten, sollen bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei erhalten können. Auch wer von Teilzeit auf Vollzeit aufstockt, soll steuerlich belohnt werden. Die CDU will mit der sogenannten „Aktivrente“ den Fachkräftemangel in Deutschland bekämpfen.
Wer sein Renteneintrittsalter erreicht hat und darüber hinaus weiter arbeitet, verdient sich übrigens schon jetzt einen Rentenzuschlag – und zwar 0,5 Prozent pro Monat.
Mütterrente 3 geplant: Wer davon profitiert
Die Mütterrente soll erneut ausgeweitet werden. Wie die Tagesschau berichtet, planen Union und SPD eine Reform, die allen Eltern – unabhängig vom Geburtsjahr ihrer Kinder – drei Rentenpunkte gewähren soll.
Ziel ist es, für die Zeit, in der Eltern wegen der Kindererziehung nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätig waren, Rentenpunkte gutzuschreiben. Damit soll die finanzielle Lücke geschlossen werden.
Merz-Regierung will das Rentenniveau in Deutschland stabilisieren
Das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent soll bis 2031 stabilisiert werden. Das Rentenniveau beschreibt, wie hoch eine Standardrente im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen ist. Die Rechengröße sagt aus, wie viel Prozent des aktuellen Durchschnittslohns jemand als Rente erhält, der exakt 45 Jahre lang immer zum Durchschnittslohn gearbeitet hat. echo24.de berichtet, wie hoch die Rente nach 45 Arbeitsjahren aktuell im Schnitt ist.
Um die Rentenkassen zu füllen, hat Arbeitsministerin Bärbel Bas bereits einen konkreten Vorschlag genannt: Die Ministerin fordert die Einzahlung in die Rentenkassen auch durch Beamte und Selbstständige.
Kritik von der Rentenversicherung: Bundeszuschuss könnte Beiträge drücken
Von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hagelt es allerdings Kritik: Aus dem Bundeshaushalt fließen sehr hohe Milliardensummen an die Rentenversicherung. Doch der Bund zahlt bei weitem nicht für alles, was er bestellt. Die Renten könnten nach Darstellung der Rentenversicherung deutlich höher oder die Beiträge niedriger sein, wenn der Bund konsequent alle politisch gewünschten Leistungen aus Steuermitteln begleichen würde.
Konkret seien die Bundeszuschüsse allein 2023 um rund 40 Milliarden Euro zu gering ausgefallen, erklärten Fachleute der DRV in Berlin. Der Beitragssatz von derzeit 18,6 Prozent könnte „um zwei Prozentpunkte niedriger liegen, wenn wir diese 40 Milliarden jetzt rausbekommen würden“, sagte die Finanzfachfrau der Rentenversicherung, Imke Brüggemann-Borck.
Oder das von der Merz-Regierung angesprochene Rentenniveau von heute 48 Prozent könnte laut DRV um vier Punkte höher sein: „Die Faustformel lautet, ein Prozentpunkt beim Rentenniveau sind 0,5 Prozentpunkte beim Beitragssatz“, sagte sie.
Zuschüsse braucht es etwa für politisch gewünschte Leistungen, für die keine Beiträge gezahlt wurden – wie Anrechnungszeiten für schulische Ausbildung oder die Kosten für abschlagsfreie Frührenten aus der Vergangenheit. Dabei können inzwischen nur noch wenige Jahrgänge früher in Rente gehen.
Renten-Experte fordert härtere Reform – Eintrittsalter müsse mit der Lebenserwartung weiter steigen
Was sich übrigens vorerst nicht ändern soll, ist das Renteneintrittsalter in Deutschland – das soll planmäßig bis 2031 auf 67 Jahre schrittweise steigen. Dennoch könnte langfristig den ersten Jahrgängen sogar die Rente ab 70 drohen.
Laut Wirtschaftsweise Martin Werding braucht es eine massive Rentenform über die Pläne der Merz-Regierung hinaus. Dazu gehört auch eine „langsame Anpassung der Regelaltersgrenze“, wie er gegenüber echo24.de erklärt. Werding kritisiert im Interview generell: „Die Politik hat nicht deutlich genug die Wegweiser für die Zukunft aufgestellt“.
Höhere Abschläge für Frührentner: Experte fordert weitere Maßnahmen
Martin Werding kritisiert gegenüber echo24.de außerdem die Rente mit 63 – viele würden durchaus noch in der Lage sein zu arbeiten, „wollen aber nicht“. Der Wirtschaftsweise betont gegenüber echo24.de: „Wir brauchen einen anderen Blick auf das Thema Rente – nicht nur die Haltung: „Ich habe mir das verdient”, sondern auch ein grundlegendes Verständnis dafür, wie das System funktioniert und wer dafür bezahlen muss.“ Wer früher in Rente gehen will, sollte höhere Abschläge zahlen müssen.
Die Zeit für eine effektive Rentenreform wird knapp. Ohne Reformen droht ein Kollaps des Umlagesystems. Der Renten-Experte Werding warnt: Für eine Altersgruppe wird es eng – ihr sei finanziell „nur schwer zu helfen“.
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