VonKatharina Winterschließen
Igel sehen nicht nur niedlich aus, sondern sind auch äußerst nützlich. Damit die Säugetiere sich in unseren Gärten wieder wohlfühlen, brauchen sie unsere Hilfe.
Dunkle Knopfaugen, schwarzes Näschen und ein stacheliges Kleid – so trappelt der Igel durch Deutschlands Gärten. Leider gebe es immer weniger Exemplare, berichtet Barbara Goettler vom Bund Naturschutz. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für Igel und päppelt kranke oder verletzte Tiere in ihrer eigenen Igelstation wieder auf. Die Expertin erklärt, warum Igel auch im Sommer gefährdet sind und was wir tun können, um sie zu schützen.
Igel im Garten: Das mögen die kleinen Stacheltiere
Der Lebensraum von Igeln ist in den vergangenen Jahren immer knapper geworden: Statt großzügiger Gärten, wilder Wiesen, Hecken und Sträucher prägen Betonwüsten das Stadtbild. Gleichzeitig bieten viele Gärten nicht die richtigen Voraussetzungen, damit sich die Tiere wohlfühlen. „Was es braucht, sind naturbelassene Gärten”, weiß Barbara Goettler. „Fangen Sie zum Beispiel mit einem wilden Eck hinterm Haus an. Hier lassen Sie einfach mal alles wachsen: viele Blumen, Brennnesseln und Unkraut.” Die „Igel-Mama” hat noch weitere Tipps für einen igelfreundlichen Garten:
- Eine Schale mit Wasser bereitstellen: Gerade im Sommer ist es wichtig, dass Igel genügend trinken.
- Schattige Plätze und Versteckmöglichkeiten bieten: Igel sind nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich zurück, um sich auszuruhen und vor der Sonne zu schützen. Dazu eignen sich Hecken und Sträucher, Reisighaufen oder Totholz.
- Saatgut (werblicher Link) wählen, das Insekten anlockt: Die stacheligen Säugetiere sind Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen zum Beispiel Ohrwürmer, Schnecken und Spinnen. Wenn Sie diesen Insekten einen Lebensraum bieten, profitieren auch die Igel davon.
- Ein Futterhaus aufstellen: Während langer Trockenperioden finden Igel nicht ausreichend Nahrung. Dabei brauchen gerade Igelmütter und ihre Jungen, die in der Regel ab August zur Welt kommen, viel Futter.
Gefahren für Igel im Sommer
Eine der größten Gefahren für Igel ab dem Frühling bis in den Herbst hinein kommt tatsächlich von Menschenhand: Mähroboter und scharfe Gartengeräte wie Kantenschneider verletzen die kleinen Tiere regelmäßig aufs Schwerste. „Am vergangenen Wochenende habe ich zehn verletzte Igel bekommen, von denen nur einer überlebt hat”, erzählt Igel-Kennerin Barbara Goettler. Die Tiere seien teilweise von der Nase bis über den gesamten Rücken aufgeschlitzt. Da könne sie dann auch nicht mehr helfen. Wie gefährlich die Mähroboter für Igel sind, bestätigt eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Mehr als die Hälfte der Igel, die eine Schnittverletzung durch elektrische Gartengeräte erleide, überlebe diese nicht.
Forschende des Leibniz-Instituts arbeiten gemeinsam mit Unternehmen bereits daran, auf Grundlage der Studienergebnisse igelfreundliche Rasenmähroboter zu entwickeln. Bis diese auf dem Markt sind, rät Barbara Goettler vom Bund Naturschutz zur achtsamen Gartenarbeit: „Igel sind nachtaktiv. Lassen Sie Mähroboter – wenn überhaupt – nur tagsüber fahren und sorgen Sie dafür, dass diese nicht unter Stauden, Sträuchern oder Hecken mähen. Denn das sind potenzielle Verstecke von Igeln. Denken Sie bei der Gartenarbeit daran, welche Plätze Igel eventuell als Rückzugsorte nutzen – und setzen Sie Ihre Gartengeräte umsichtig ein.” Damit sei ein erster wichtiger Grundstein gelegt, um die nützlichen Säugetiere zu schützen.
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Daran erkennen Sie, dass ein Igel Hilfe braucht
Für Laien ist es gar nicht so einfach zu erkennen, ob ein Igel krank oder verletzt ist. Pilz- und Milbenkrankheiten sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Wenn der Igel im Bauchbereich verletzt ist, rollt er sich meistens ein, sodass die Wunde ebenfalls nicht zu sehen ist. Igel-Expertin Barbara Goettler spricht sich deshalb dafür aus, lieber einen Igel zu viel genau anzuschauen.
In jedem Fall braucht ein Igel Hilfe, wenn er:
- weniger als 600 Gramm wiegt,
- tagsüber aktiv ist und durch Ihren Garten läuft oder
- zittert.
Am besten wenden Sie sich dann an eine Igelstation in Ihrer Nähe. Die Verantwortlichen dort wissen, was zu tun ist und unterstützen Sie gerne.
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