Igelfreundlicher Garten

Igel im Sommer: So schützen Sie die nützlichen Säugetiere

  • schließen

Igel sehen nicht nur niedlich aus, sondern sind auch äußerst nützlich. Damit die Säugetiere sich in unseren Gärten wieder wohlfühlen, brauchen sie unsere Hilfe.

Dunkle Knopfaugen, schwarzes Näschen und ein stacheliges Kleid – so trappelt der Igel durch Deutschlands Gärten. Leider gebe es immer weniger Exemplare, berichtet Barbara Goettler vom Bund Naturschutz. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für Igel und päppelt kranke oder verletzte Tiere in ihrer eigenen Igelstation wieder auf. Die Expertin erklärt, warum Igel auch im Sommer gefährdet sind und was wir tun können, um sie zu schützen.

Igel im Garten: Das mögen die kleinen Stacheltiere

Der Lebensraum von Igeln ist in den vergangenen Jahren immer knapper geworden: Statt großzügiger Gärten, wilder Wiesen, Hecken und Sträucher prägen Betonwüsten das Stadtbild. Gleichzeitig bieten viele Gärten nicht die richtigen Voraussetzungen, damit sich die Tiere wohlfühlen. „Was es braucht, sind naturbelassene Gärten”, weiß Barbara Goettler. „Fangen Sie zum Beispiel mit einem wilden Eck hinterm Haus an. Hier lassen Sie einfach mal alles wachsen: viele Blumen, Brennnesseln und Unkraut.” Die „Igel-Mama” hat noch weitere Tipps für einen igelfreundlichen Garten:

  • Eine Schale mit Wasser bereitstellen: Gerade im Sommer ist es wichtig, dass Igel genügend trinken.
  • Schattige Plätze und Versteckmöglichkeiten bieten: Igel sind nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich zurück, um sich auszuruhen und vor der Sonne zu schützen. Dazu eignen sich Hecken und Sträucher, Reisighaufen oder Totholz.
  • Saatgut (werblicher Link) wählen, das Insekten anlockt: Die stacheligen Säugetiere sind Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen zum Beispiel Ohrwürmer, Schnecken und Spinnen. Wenn Sie diesen Insekten einen Lebensraum bieten, profitieren auch die Igel davon.
  • Ein Futterhaus aufstellen: Während langer Trockenperioden finden Igel nicht ausreichend Nahrung. Dabei brauchen gerade Igelmütter und ihre Jungen, die in der Regel ab August zur Welt kommen, viel Futter.
Igel freuen sich im Sommer über eine Schale Wasser in Ihrem Garten.

Noch mehr spannende Gartenthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Gefahren für Igel im Sommer

Eine der größten Gefahren für Igel ab dem Frühling bis in den Herbst hinein kommt tatsächlich von Menschenhand: Mähroboter und scharfe Gartengeräte wie Kantenschneider verletzen die kleinen Tiere regelmäßig aufs Schwerste. „Am vergangenen Wochenende habe ich zehn verletzte Igel bekommen, von denen nur einer überlebt hat”, erzählt Igel-Kennerin Barbara Goettler. Die Tiere seien teilweise von der Nase bis über den gesamten Rücken aufgeschlitzt. Da könne sie dann auch nicht mehr helfen. Wie gefährlich die Mähroboter für Igel sind, bestätigt eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Mehr als die Hälfte der Igel, die eine Schnittverletzung durch elektrische Gartengeräte erleide, überlebe diese nicht.

Forschende des Leibniz-Instituts arbeiten gemeinsam mit Unternehmen bereits daran, auf Grundlage der Studienergebnisse igelfreundliche Rasenmähroboter zu entwickeln. Bis diese auf dem Markt sind, rät Barbara Goettler vom Bund Naturschutz zur achtsamen Gartenarbeit: „Igel sind nachtaktiv. Lassen Sie Mähroboter – wenn überhaupt – nur tagsüber fahren und sorgen Sie dafür, dass diese nicht unter Stauden, Sträuchern oder Hecken mähen. Denn das sind potenzielle Verstecke von Igeln. Denken Sie bei der Gartenarbeit daran, welche Plätze Igel eventuell als Rückzugsorte nutzen – und setzen Sie Ihre Gartengeräte umsichtig ein.” Damit sei ein erster wichtiger Grundstein gelegt, um die nützlichen Säugetiere zu schützen.

Fotogalerie: Die Tiere des Jahres 2024 – Ist Ihr Lieblingstier dabei?

Europaeischer Igel trinkt aus einer Schale mit Wasser
Wildtier des Jahres 2024: Die Deutsche Wildtierstiftung hat den Igel zum Wildtier des Jahres 2024 gekürt. Der stachelige Insektenfresser hat es immer schwerer, passenden Lebensraum zu finden. Übrigens: Igel freuen sich im Sommer über eine Schale Wasser in Ihrem Garten. © F. Hecker/IMAGO
Ein männlicher Apollofalter auf einer Wiese.
Schmetterling des Jahres 2024. Der Mosel-Apollofalter. Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben die bedrohte Unterart des Apollofalters gemeinsam gekürt.  © blickwinkel/Imago
Der Stierkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Mistkäfer mit drei Hörnern.
Zum Insekt des Jahres 2024 wurde der imposante Stierkäfer von der BFA Entomolgoie im Nabu gekürt. Er gilt als talentierter Tunnelbauer und ist als Mistkäfer für das Ökosystem wichtig.  © Steffen Schellhorn/Imago
Eine Blaue Holzbiene auf einer gelben Portulakröschen
Zur Wildbiene des Jahres 2024 wurde die Blauschwarze Holzbiene vom Arbeitskreis Wildbienen-Kataster gewählt.  © imagebroker/Imago
Kiebitz-Männchen bei der Futtersuche auf einer Wiese und beim Fressen eines Regenwurms.
Vogel des Jahres 2024. An der Vogelwahl haben sich fast 120.000 Menschen beteiligt. Sieger ist der Kiebitz, der inzwischen in Deutschland als stark gefährdet gilt. Gekürt wurde er von der Nabu (Naturschutzbund Deutschland e.V.) © imagebroker/Imago
Kabeljau, Dorsch schwimmend im Atlantic
Fisch des Jahres 2024: Der Dorsch. Er gilt als einer der beliebtesten Speisefische. Doch seine Bestände sind durch Klimawandel und Überfischung stark zurückgegangen. Gekürt wurde er vom Deutscher Angelfischerverband (DAFV) © blickwinkel/Imago
Hoehlenspinne sitzt auf einem Stein
Zur Spinne des Jahres und gleichzeitig Höhlentier des Jahres 2024 wurde die Gefleckte Höhlenspinne von der Arachnologische Gesellschaft gewählt.  © blickwinkel/Imago
Kreuzotter zusammengerollt in auffälliger Pose
Reptil des Jahres 2024: Die Kreuzotter. Da diese Art die Kälte besonders liebt, gilt sie als Verliererin des Klimawandels und verdient besonderen Schutz, berichtet die DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde). © imagebroker/Imago

Daran erkennen Sie, dass ein Igel Hilfe braucht

Für Laien ist es gar nicht so einfach zu erkennen, ob ein Igel krank oder verletzt ist. Pilz- und Milbenkrankheiten sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Wenn der Igel im Bauchbereich verletzt ist, rollt er sich meistens ein, sodass die Wunde ebenfalls nicht zu sehen ist. Igel-Expertin Barbara Goettler spricht sich deshalb dafür aus, lieber einen Igel zu viel genau anzuschauen.

In jedem Fall braucht ein Igel Hilfe, wenn er:

  • weniger als 600 Gramm wiegt,
  • tagsüber aktiv ist und durch Ihren Garten läuft oder
  • zittert.

Am besten wenden Sie sich dann an eine Igelstation in Ihrer Nähe. Die Verantwortlichen dort wissen, was zu tun ist und unterstützen Sie gerne.

Rubriklistenbild: © F. Hecker/IMAGO

Kommentare