GM zieht der Tochter Cruise den Stecker: Robotaxi-Entwicklung wird eingestellt
VonSebastian Oppenheimer
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Herber Dämpfer für das vollautonome Fahren: Der Anbieter Cruise steigt aus dem Robotaxi-Geschäft aus. Der Mutterkonzern GM hatte Milliarden in das Projekt gesteckt.
Vor allem zwei Trends haben die Automobilindustrie im vergangenen Jahrzehnt bewegt: die Elektromobilität und das autonome Fahren. Während jedoch Elektroautos in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht haben, ist die Situation beim autonomen Fahren anders: Viele Hersteller haben in ihren Autos zwar mittlerweile Systeme verbaut, die das Steuer für kurze Zeit in begrenztem Umfang übernehmen können – doch vollautonome Fahrzeuge für den privaten Gebrauch sind noch weit entfernt. So musste kürzlich der Autobauer Tesla mit seinen Versprechungen zum autonomen Fahren deutlich zurückrudern. Jetzt hat GM seine Robotaxi-Pläne beerdigt – die Tochter Cruise wird das Geschäft einstellen.
Frau von Cruise-Robotaxi mitgeschleift: Unfall mit schwerwiegenden Folgen
Im Herbst 2023 kam die Expansion von Cruise nach einem schweren Unfall abrupt zum Stillstand: In San Francisco wurde eine Frau an einer Kreuzung von einem Auto mit einem menschlichen Fahrer angefahren und vor ein fahrerloses Cruise-Fahrzeug geschleudert. Das Robotaxi konnte nicht mehr bremsen und die Frau wurde darunter eingeklemmt. Die Software bemerkte das jedoch nicht und ließ das Fahrzeug an den Straßenrand fahren. Die Frau wurde etwa sechs Meter unter dem Fahrzeug mitgeschleift.
Dieser Unfall hatte schwerwiegende Folgen für Cruise, insbesondere weil das Management ihn zunächst harmloser erscheinen ließ. Cruise verlor seine Beförderungslizenz in San Francisco, die Fahrzeuge wurden stillgelegt und die Unternehmensführung wurde ausgetauscht. Erst vor wenigen Monaten nahm die GM-Tochter wieder Testfahrten auf.
GM zieht dem Robotaxi-Projekt endgültig den Stecker
Jetzt ist jedoch endgültig Schluss: Der US-Autoriese General Motors gibt nach Milliardenausgaben den Traum von selbstfahrenden Robotaxis auf. Stattdessen will das Unternehmen auf Assistenzsysteme setzen, die irgendwann autonomes Fahren in Privatfahrzeugen ermöglichen sollen. Diese Kehrtwende soll laut GM eine Milliarde US-Dollar pro Jahr einsparen. Der Konzern wies darauf hin, dass die Expansion des Robotaxi-Geschäfts Zeit und erhebliche Ressourcen erfordern würde und der Markt zunehmend umkämpft sei. Auch Apple hat sein Programm zur Entwicklung selbstfahrender Autos bereits vor einiger Zeit gestoppt – nach jahrelanger Entwicklung und Milliardenkosten.
Derzeit ist die Google-Schwesterfirma Waymo der erfolgreichste Entwickler von Robotaxis und befördert Passagiere in mehreren US-Städten. Die Waymo-Fahrzeuge machen mittlerweile mehr als 150.000 Fahrten mit Passagieren pro Woche. Ein weiterer Wettbewerber, die Amazon-Tochter Zoox, plant, bald Fahrdienste in Städten wie Las Vegas und San Francisco anzubieten.
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Tesla-Robotaxi Cybercab setzt ausschließlich auf Kameras
Über den aktuellen Anbietern steht der Schatten von Elon Musk: Der Tesla-Chef plant, 2026 bei dem Elektroautohersteller die Produktion eines Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale zu starten. Das im Oktober vorgestellte Cybercab soll zudem nur mit Kameras ausgestattet sein, während Waymo und Zoox zusätzlich auf deutlich teurere Laser-Radare setzen, die die Umgebung abtasten. Dies würde Tesla einen erheblichen Kostenvorteil verschaffen.
Viele Experten bezweifeln jedoch, dass sicheres autonomes Fahren in allen Situationen nur mit Kameras möglich ist. Doch Musk hat durch seine Unterstützung für den zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump viel politisches Kapital gesammelt. Daher können sich Branchenbeobachter in den USA eine lockerere Regulierung vorstellen, von der Tesla profitieren würde. Musk plant, bis zu zwei Millionen Robotaxis pro Jahr zu produzieren. (Mit Material der dpa)