Entspannter Jahreswechsel

Hilfe von Katzenprofi Birga Dexel: So meistern Katzen die Silvesternacht

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Laute Böller und helle Lichter lösen bei den meisten Katzen Panik aus. Doch Katzenprofi Birga Dexel ist sich sicher: „Man kann Katzen beibringen, dass sie das Feuerwerk spannend finden.“

Der Jahreswechsel bereitet Katzenhaltern schon Wochen vorher große Sorgen. Lautes Feuerwerk macht vielen Katzen große Angst. Im schlimmsten Fall kann es die sensiblen Tiere sogar traumatisieren. Viele Hunde und Katzen verstecken sich in der Silvesternacht vor Angst, werden panisch oder verschwinden gar. Die Silvesternacht wird alljährlich zum Stresstest.

Eine Umfrage unter 652 Haustierbesitzern von Weenect ergab, dass Feuerwerk erhebliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Haustieren hat. Viele Tiere haben auch Tage oder Wochen später noch mit den Folgen zu tun. Doch mit ein bisschen Training und den richtigen Vorbereitungen kann die Silvesternacht für Samtpfoten entspannt sein. Mehr sogar: „Bei vielen Katzen ist es möglich, ihnen beizubringen, dass Feuerwerk auch etwas Spannendes sein kann“, sagt Katzenexpertin Birga Dexel im Interview mit IPPEN.MEDIA. In 20 Jahren Katzentraining hat sie schon vielen Tieren mit Verhaltens- oder Angststörungen helfen können. Besonders im Januar habe sie in ihrer Beratungspraxis regelmäßig mit traumatisierten Katzen zu tun.

Mit dem richtigen Training kann man Katzen beibringen, Feuerwerk spannend zu finden. Doch nicht jede Katze ist so selbstbewusst (Symbolbild).

Oberste Regel: Katzen an Silvester nicht alleine lassen

Voraussetzung sei, dass die Katze unvoreingenommen und neugierig ist und in der Vergangenheit keine schlechten Erfahrungen gemacht hat, so Dexel. Sie nennt die oberste Regel: „Die Katze an Silvester nicht alleine lassen und sich selbst normal verhalten.“ Ist der Mensch voll Sorge, merkt die Katze das und ist verunsichert, denn: „Viele Katzen orientieren sich sehr an ihrem Menschen.“

Ist der Stubentiger am Silvesterabend generell neugierig, was die Knallerei und die bunten Lichtblitze am Himmel angeht, kann der Halter dies durch Lob verstärken. Sitzt die Katze auf beispielsweise auf der Fensterbank und schaut nach draußen, kann man mit ihr sprechen und sie verbal in ihrer Neugierde bestärken. „Das funktioniert besonders gut, wenn die Katze sehr auf ihren Halter fixiert ist“, verdeutlicht Birga Dexel.

Doch längst nicht alle Katzen sind so gestrickt. Deshalb sollte man im Vorfeld genügend Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten schaffen. „Man sollte seine Katze gut beobachten, um zu wissen, wohin sie geht, wenn sie Angst hat. Diesen Ort kann man dann besonders gemütlich machen“, rät die Katzenexpertin.

Silvester-Training für Katzen braucht viel Erfahrung

Am besten sei es, die Katze im Vorfeld mit gezieltem Training auf die Silvesternacht vorzubereiten, um Stress bei Katzen möglichst zu vermeiden. Desensibilisierung lautet das Stichwort. Selbst bei traumatisierten Katzen habe Birga Dexel damit in der Vergangenheit Erfolge gefeiert. Nicht zuletzt bei ihrem eigenen Kater Mylo, der aus dem Auslandstierschutz kommt und mit lauter Knallerei schlechte Erfahrungen gemacht hat. „Mittlerweile findet er es spannend“, berichtet Dexel.

Am besten funktioniert das mit dem Clicker, also positiver Verstärkung. Im Prinzip geht es darum, die Katze Schritt für Schritt an laute, unerwartete Geräusche zu gewöhnen. Das Ziel ist es, dass die Katze die Geräusche nicht mehr als bedrohlich empfindet und sich nicht mehr aufregt. Desensibilisierungstraining braucht viel Erfahrung. Bei Katzen mit Angstthemen sollte man das Training optimalerweise durch eine erfahrene Katzenverhaltenstherapeutin begleiten lassen, da man sonst Gefahr läuft, die Angst zu verstärken.

Schnell geht das gut gemeinte Training nach hinten los und die Katze verbindet eine Angst auslösende Situation mit dem Clicker. Das macht das wertvolle Trainingstool zunichte. Hier finden Sie zehn Tipps für ein erfolgreiches Training mit der Katze. Hinzu kommt, dass die Körpersprache bei Katzen sehr subtil ist. „Viele Katzenhalter können ihre eigene Katze nicht lesen.“ Birga Dexel rät daher, sich rechtzeitig Unterstützung von einem erfahrenen Katzentrainer zu holen und ist sicher: „In vier Wochen kann man noch viel reißen.“ Hier finden Sie weitere Tipps für einen entspannten Jahreswechsel mit Ihrem Vierbeiner.

Kein Freigang an Silvester und Neujahr

Je nachdem, wie erfolgreich das vorangegangene Training war, sollte man an Silvester die Jalousien herunterlassen oder die Gardinen zuziehen, um Geräusche zu dämpfen und Lichtblitze von draußen abzuschirmen. Gewohnte Geräusche, zum Beispiel Musik oder der Fernseher, können den Stubentiger zusätzlich beruhigen. Wird es nach Mitternacht ruhiger, könne man seiner Samtpfote noch einen besonderen Leckerbissen anbieten. Leckerlis während des Feuerwerks seien weniger sinnvoll, schätzt Birga Dexel ein: „Man kann es versuchen, allerdings wird die Katze es vermutlich nicht fressen, wenn sie aufgeregt ist.“

Katzen und Kälte: Zehn wichtige Fakten, die Sie im Winter unbedingt wissen müssen

Katze liegt auf Fell unter Heizkörper.
Wärmesuchende Instinkte: Katzen suchen instinktiv nach warmen Plätzen, beispielsweise in der Nähe von Heizkörpern, unter Decken oder in der Sonne. © Pond5 Images/Imago
Katze sitzt im Winter auf einem Holzzaun.
Schützendes Winterfell: Katzen entwickeln im Herbst ein dichteres Winterfell, das sie vor Kälte schützt. © Panthermedia/Imago
Hauskatze hebt ihre Pfote, während sie im Schnee steht.
Resistente Pfoten: Das Binde- und Fettgewebe an den Pfoten sorgt dafür, dass Katzen im Winter draußen nicht so schnell frieren. Haben Sie einen Freigänger zu Hause, sollten Sie seine Pfoten nach dem Freilauf mit lauwarmem Wasser abspülen, um mögliche Reste von Streusalz zu entfernen. Sind die Pfötchen strapaziert, schaffen Vaseline oder Melkfett Abhilfe. Mit frisch eingecremten Pfoten sollten Sie Ihren Stubentiger allerdings nicht gleich wieder vor die Tür lassen, sondern abwarten, bis die Pflege gut eingezogen ist. © blickwinkel/Imago
Tierarzt behandelt kranke Katze.
Kälteempfindliche Miezen: Bei sehr niedrigen Temperaturen können sich Katzen allerdings an den Ohren, Schwanzspitzen, Pfoten, Pfotenballen und Zehen Erfrierungen zuziehen – zu erkennen an einer rötlichen oder bläulichen Verfärbung. Katzenhalter sollten ihre Tiere daher regelmäßig ins Haus lassen, damit sich das Tier wieder aufwärmen kann. Energiereiches Futter hilft der Katze dabei, ihre Körpertemperatur zu halten. Für Freigängerkatzen kann ein geschütztes, isoliertes Katzenhäuschen oder ein Korb im winterlichen Garten lebensrettend sein. © ingimage/Imago
Drei Hauskatzen im Schnee.
Hart im Nehmen: Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius sind laut purina.de für Katzen aber durchaus zu verkraften – vorausgesetzt, die Katze ist gesund und an den Aufenthalt im Freien gewöhnt. © blickwinkel/Imago
Nacktkatze eingekuschelt in ein Handtuch.
Haut ohne Fell: Eine Ausnahme stellen Nacktkatzen dar – Rassen wie die Sphynx benötigen im Winter Schutzkleidung, da sie keine wärmende Fellschicht haben. Auch die Orientalisch Kurzhaar und Siamkatzen gelten als kälteempfindlich. © Dreamstime/Imago
Norwegische Waldkatze im Schnee.
Schneekatzen: Andere Rassen, wie die Norwegische Waldkatze (im Bild), die Sibirische Katze oder die Maine Coon, sind hingegen besonders gut an winterliche Temperaturen angepasst. © Dreamstime/Imago
Katze versteckt sich auf Reifen.
Autofahrer aufgepasst: Katzen verstecken sich im Winter gerne unter oder sogar in warmen Autos. Ein Klopfen auf die Motorhaube kann sie vertreiben, bevor das Auto gestartet wird. © Depositphotos/Imago
Schlafende Katze mit Kuscheltier.
Zugluft vermeiden: Durch kalte Zugluft können sich Katzen leicht erkälten. Ein zugluftfreier Platz ist daher ein Muss für die Samtpfoten. Ist ihnen kalt, ziehen sie sich gerne in warme, geschützte Höhlen zurück, zum Beispiel in Katzenhäuser oder Kartons mit Decken. © Zoonar/Imago
Junge Katze trinkt aus Schüssel.
Katzen und warme Getränke? Im Winter eine gute Idee! Viele Katzen trinken im Winter gerne lauwarmes Wasser – das unterstützt die Hydration und wärmt von innen, besonders wenn die Katze lange draußen war. © imagebroker/Imago

Freigänger sollten möglichst schon ein paar Tage vor Silvester ins Haus geholt werden: „Spätestens ab dem Tag, an dem Feuerwerk verkauft wird“, nennt Birga Dexel als Stichtag. Wichtig: alle Fenster und Türen gut verschließen. „Katzen, die es gewohnt sind, draußen zu sein, finden jedes Schlupfloch.“ Der Stubenarrest wird den freiheitsliebenden Samtpfoten zwar missfallen, jedoch sollte die Sicherheit der Katze vorgehen. Auch an den ersten Januartagen sei Freigang noch gefährlich, etwa wenn die Katze durch Scherben läuft, sich Rückstände vom Feuerwerk von den Pfoten schleckt oder vor einem Böller erschrickt und davonläuft. So können Sie ein tierfreundliches Silvester feiern.

GPS-Tracker sind sinnvoll – aber auch gefährlich?

Ein Halsband mit GPS-Tracker kann für Freigänger sinnvoll sein. Moderne Geräte sind klein und leicht, sodass auch Katzen sie tragen können. Im Zweifel kann eine vermisste Katze dank des Trackers schneller gefunden werden. Jedoch sind Halsbänder für viele Katzenhalter ein rotes Tuch. Schließlich wird überall vor den Gefahren gewarnt, die ein Halsband birgt: Die Katze könne damit hängenbleiben und sich strangulieren. Selbst Sicherheitsverschlüsse würden sich nicht zuverlässig lösen.

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Dazu hat das Haustierregister Tasso eine Studie bei der veterinärmedizinischen Universität Wien in Auftrag gegeben, die 2022 erschienen ist. Das Ergebnis: Das Risiko von Verletzungen durch Tragen eines Halsbandes ist weitaus geringer als die Risiken des Freigangs generell. Lediglich 2,7 Prozent der über 5.000 Katzen, die ein Halsband trugen, verletzten sich damit, 0,4 Prozent starben. Wobei die Todesfälle mindestens vier Jahre zurücklagen. Wichtig sei, dass die Katze ein Halsband mit Sicherheitsverschluss trägt und dass dieses zur Größe und zum Gewicht der Katze passt. Diese Katze zeigt dem Internet mit einer Kamera, was sie auf ihren Streifzügen erlebt.

Dexel warnt: Finger weg von Psychopharmaka

Von Beruhigungsmitteln an Silvester rät Birga Dexel ausdrücklich ab. „Psychopharmaka kommen aus dem Humanbereich und dürfen nur vom Tierarzt verordnet werden. Dafür muss eine Indikation vorliegen und andere Mittel nicht geholfen haben, da die Humanpräparate umgewidmet werden müssen“, erklärt sie. Aufgrund der Umwidmung sind die Mittel nicht speziell an Katzen getestet worden, was unerwünschte Nebenwirkungen bedeuten kann. Die Katzenexpertin ist sicher: „Der Trainingsweg bringt einen immer weiter und schenkt der Katze zusätzlich Selbstbewusstsein.“

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