VonSandra Barbara Furtnerschließen
Für Menschen eine Freude, für Tiere der blanke Horror: Silvester. Wenn es blitzt und kracht, rennen sie um ihr Leben. Auch Tage danach sind die Auswirkungen spürbar. Die traurige Bilanz einer Partynacht.
Uns Menschen ist es oft nicht bewusst, aber wenn der Himmel in Flammen steht, rennen die meisten Tiere um ihr Leben. Die Rede ist von Silvester. Der größten Partynacht des Jahres. An der wir gerne und zurecht auch Spaß haben wollen und auch sollten. Doch muss das neue Jahr wirklich mit Böllern und Raketen eingeläutet werden?
So zieht die Tierschutzorganisation Tasso e.V., die Europas größtes und kostenloses Heimtierregister betreibt, in einer Pressemitteilung traurige Bilanz. Während des Jahreswechsels – zwischen dem 31.12.2023 und dem 01.01.2024 – sind in Deutschland mehr als 457 Hunde entlaufen und wurden von ihren Menschen getrennt. Eine davon ist Hündin Nala. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie in einem kleinen Ort nahe München. Der Abend sollte eigentlich entspannt unter Freunden stattfinden. Alles war vorbereitet. Doch dann der Schock. Als gegen 20 Uhr die Gäste eintreffen, kracht in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses ein lauter Böller. Die entspannte Stimmung der eigentlich angstfreien Hündin änderte sich binnen eines Sekundenbruchteils in blinde Panik. Alles Rufen und Suchen hilft nichts. Die kleine Havaneserhündin ist verschwunden.
Zahlen sind jedes Jahr erschreckend
„Wenn man sich vorstellt, dass hinter diesen Zahlen jedes Mal ein ähnliches Schicksal wie das von Nala steckt, ist es wirklich erschreckend“, sagt Heike Wempen-Dany, Leiterin der Tasso-Notrufzentrale. Dazu kommen abertausende Tiere, die zwar nicht entlaufen, aber dennoch schlimmste Stunden in großer Angst verbringen.
Auch Wildgänse leiden unter der Böllerei
Nicht zu unterschätzen ist auch die Angst von Wildtieren. So sind Wildgänse, laut einer Studie, noch Tage danach gestresst und verängstigt, und die schlimmen Folgen deutlich sichtbar, wie dpa berichtet. So fliehen die Gänse regelrecht in der Silvesternacht von ihren gewohnten Schlafgewässern und fliegen in Gebiete, in denen es ruhiger ist. Forschern des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz und des Niederländischen Instituts für Ökologie zufolge fliegen sie bis zu 16 Kilometer weiter und bis zu 150 Meter höher als üblich. Auch weitere Distanzen von mehr als 500 Kilometer nehmen manche Tiere in Kauf. Doch von den Strapazen erholen sie sich – den Auswertungen nach – nur langsam, schreibt dpa weiter.
„Es ist schockierend zu sehen, wie viel weiter die Vögel in der Silvesternacht flogen“, so Studienautorin Andrea Kölzsch vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie gegenüber dpa. „Einige Tiere legten Hunderte von Kilometer in einer einzigen Winternacht zurück, Distanzen, die sie normalerweise nur während des Zuges absolvieren“, erklärt die Wissenschaftlerin.
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Doch zurück zu Hündin Nala: Sie hatte großes Glück im Unglück. Am darauffolgenden Morgen wurde sie rund 13 Kilometer von ihrem Wohnort von Spaziergängern entdeckt. Verängstigt hatte sie sich in einem Laubhaufen verkrochen. Spaziergänger wurden auf sie aufmerksam und meldeten sie direkt bei Tasso. „Nalas Fell war schmutzig, sie sah abgekämpft und erschöpft aus, war aber weitestgehend unverletzt“.
Welches Fazit lässt sich daraus ziehen? Keine Silvesterfeier mehr und nicht mehr böllern? Dazu sagen die Forscher laut dpa: „Statt einem generellen Böllerverbot sei es sinnvoller, Partyfeuerwerk in der Nähe von Nationalparks, Vogelschutzgebieten und anderen wichtigen Ruhegebieten zu verbieten“.
Rubriklistenbild: © Tasso e.V./privat

