Babyboom bei den Igeln

Igel-Babys schützen: Warum Sie beim Gärtnern jetzt besonders vorsichtig sein sollten

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Im August und September kommen die meisten Igel-Babys zur Welt. Ihr Start ins Leben ist oft alles andere als leicht. Wie Sie dazu beitragen können, die kleinen Stacheltiere zu schützen.

Spätsommer ist Nistzeit bei den Igeln. Doch sie haben es immer schwerer, geeignete Plätze zu finden, an denen sie ihre Babys sicher zur Welt bringen und in Ruhe großziehen können. Denn was wir Menschen schön finden, ist für den Igel meist ein Todesurteil. Gärten sind viel zu sauber und somit unbewohnbar für den kleinen Stachelträger, der übrigens Wildtier des Jahres 2024 geworden ist. Igel finden in vermeintlich gepflegten Gärten weder Futter noch Versteck- und Nistmöglichkeiten.

Die Paarungszeit bei Igeln beginnt zwar schon im Mai, doch im August und September kommen die meisten Igel-Babys zur Welt.

Igel brauchen Laubhaufen, Sträucher und Hecken

Am liebsten nutzen sie heimische Hecken und Sträucher als Kinderstube. Doch in ihrer Verzweiflung weichen sie auf Blumenerde-Tüten oder Wetterschutzhauben für Grills als Nester aus, wie der Verein Pro Igel e.V. berichtet. Mit fatalen Folgen: Wird ein Igel beim Nisten gestört oder das Nest gar umgesiedelt oder zerstört, kann das tödlich für die Igelkinder enden. Deshalb sollten Gartenbesitzer bei ihren Arbeiten im Grünen jetzt besonders vorsichtig sein, um nicht versehentlich ein Nest zu zerstören. Sollte man doch versehentlich ein Igelnest offenlegen, rät der Verein Pro Igel e.V., dieses sofort wieder zuzudecken, ein bis zwei Tage in Ruhe zu lassen und aus der Entfernung zu beobachten. Wer nicht sicher ist, ob alles in Ordnung ist, sollte sich an die örtliche Igelhilfe wenden.

Fotogalerie: Die Tiere des Jahres 2024 – Ist Ihr Lieblingstier dabei?

Europaeischer Igel trinkt aus einer Schale mit Wasser
Wildtier des Jahres 2024: Die Deutsche Wildtierstiftung hat den Igel zum Wildtier des Jahres 2024 gekürt. Der stachelige Insektenfresser hat es immer schwerer, passenden Lebensraum zu finden. Übrigens: Igel freuen sich im Sommer über eine Schale Wasser in Ihrem Garten. © F. Hecker/IMAGO
Ein männlicher Apollofalter auf einer Wiese.
Schmetterling des Jahres 2024. Der Mosel-Apollofalter. Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben die bedrohte Unterart des Apollofalters gemeinsam gekürt.  © blickwinkel/Imago
Der Stierkäfer ist ein Käfer aus der Familie der Mistkäfer mit drei Hörnern.
Zum Insekt des Jahres 2024 wurde der imposante Stierkäfer von der BFA Entomolgoie im Nabu gekürt. Er gilt als talentierter Tunnelbauer und ist als Mistkäfer für das Ökosystem wichtig.  © Steffen Schellhorn/Imago
Eine Blaue Holzbiene auf einer gelben Portulakröschen
Zur Wildbiene des Jahres 2024 wurde die Blauschwarze Holzbiene vom Arbeitskreis Wildbienen-Kataster gewählt.  © imagebroker/Imago
Kiebitz-Männchen bei der Futtersuche auf einer Wiese und beim Fressen eines Regenwurms.
Vogel des Jahres 2024. An der Vogelwahl haben sich fast 120.000 Menschen beteiligt. Sieger ist der Kiebitz, der inzwischen in Deutschland als stark gefährdet gilt. Gekürt wurde er von der Nabu (Naturschutzbund Deutschland e.V.) © imagebroker/Imago
Kabeljau, Dorsch schwimmend im Atlantic
Fisch des Jahres 2024: Der Dorsch. Er gilt als einer der beliebtesten Speisefische. Doch seine Bestände sind durch Klimawandel und Überfischung stark zurückgegangen. Gekürt wurde er vom Deutscher Angelfischerverband (DAFV) © blickwinkel/Imago
Hoehlenspinne sitzt auf einem Stein
Zur Spinne des Jahres und gleichzeitig Höhlentier des Jahres 2024 wurde die Gefleckte Höhlenspinne von der Arachnologische Gesellschaft gewählt.  © blickwinkel/Imago
Kreuzotter zusammengerollt in auffälliger Pose
Reptil des Jahres 2024: Die Kreuzotter. Da diese Art die Kälte besonders liebt, gilt sie als Verliererin des Klimawandels und verdient besonderen Schutz, berichtet die DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde). © imagebroker/Imago

Igelfreundlicher Garten: So geht’s

Um den Igel vor dem Aussterben zu schützen, appelliert der Verein an alle Gartenbesitzer, ihre Grünanlage igelfreundlich zu gestalten. Bedeutet: Laubhaufen liegenlassen, einen Totholzhaufen aufschichten, Blühwiesen anlegen und wenn möglich Obstbäume pflanzen. All das bietet den Igeln Unterschlupf und Nahrung in Form von Insekten. Außerdem sollte man seinen Garten nicht hermetisch abriegeln, sondern Igeln die Möglichkeit geben, rein- und dann auch wieder rauszukommen. In einem Zehn-Schritte-Plan gibt der Verein Tipps, was private Gartenbesitzer, aber auch Kommunen und Kleingartenvereine zum Schutz des Igels tun können. Darauf sollten Sie zudem achten, wenn Sie Wildtieren wie Igeln Wasser anbieten wollen.

Besonders warnt der Verein vor Rasenmähern, Laubsaugern, Motorsensen und Mährobotern, vor allem im Nachtbetrieb. Diese Gartengeräte können Igel schwer verletzen oder töten. Igel stehen bereits in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste und gehören laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Tieren. Erfahren Sie hier, wie zwei Igel-Expertinnen die dramatische Lage des Igels exklusiv gegenüber IPPEN.MEDIA schildern.

Nicht jeder Igel braucht Hilfe: die wichtigsten Anzeichen für Igel in Not

Wegen seines Schutzstatus darf ein Igel nur dann aus der Natur entnommen werden, wenn er wirklich Hilfe braucht. Ist ein Igel tagsüber unterwegs, ist das meist ein Alarmsignal. Weitere Anzeichen dafür, dass der Igel Hilfe braucht, sind:

  • Verletzungen
  • Parasitenbefall, insbesondere Befall mit Fliegeneiern
  • Untergewicht, erkennbar am sogenannten Hungerknick (sichtbare Einbuchtung am Übergang von Kopf und Körper)

Wer einen hilfsbedürftigen Igel gefunden hat, sollte sich sofort an die örtliche Wildtier- oder Igelstation wenden. Dort kann der Igel fachgerecht betreut und gesundgepflegt werden.

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Igel-Babys sind mit sechs Wochen selbstständig

Die Paarungszeit bei Igeln reicht von Mai bis in den August, wobei die meisten Igelkinder im August und September zur Welt kommen. Igelweibchen sind nur 35 Tage tragend und bekommen im Durchschnitt vier bis fünf Babys. Diese sind zunächst taub und blind und wiegen nur rund 20 Gramm. Sechs Wochen säugt die Igelmutter ihren Nachwuchs. Doch schon im Alter von drei Wochen unternehmen die Jungtiere erste Ausflüge allein.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / blickwinkel

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