Katzen können mehr als nur Miauen und Fauchen. Manchmal schnattern sie auch wie Geflügel. Warum machen sie das?
Katzenbesitzer kommen im Laufe der Jahre in den Genuss, die lustigsten Geräusche aus ihren Miezen zu hören. Da ist das leidige Miauen, wenn der Stubentiger gefüttert oder aus der Tür gelassen werden will. Oder ein Fauchen, wenn ein Kontrahent ins eigene Revier eindringt. Manchmal vernimmt man auch ein tiefes Grollen, wenn der Tierarzt eine Spritze geben muss. Und sogar Schreie, die wie die eines Babys klingen, entweichen Katzen, wenn sie mit anderen Katzen kämpfen.
Manche Katzen legen darüber hinaus aber noch ein zusätzliches Verhalten an den Tag: Sie keckern. Das Geräusch klingt ähnlich wie das Schnattern eines Vogels und verwirrt Katzenbesitzer beim ersten Hören ungemein. Warum Katzen diese Geräusche machen, ist nicht zu 100 Prozent belegt. Allerdings gibt es verschiedene Theorien.
1. Beutefang üben: Katzen schnattern, wenn sie Beute fangen wollen
Oft fangen Katzen an zu keckern oder schnattern, wenn sie am Fenster sitzen, nach draußen schauen und dort Beute entdecken, die für sie unerreichbar ist. Auch Vögel, die hoch im Baum sitzen, können Katzen diese Geräusche entlocken.
Das soll vermutlich den Hintergrund haben, dass allein der Anblick von potenzieller Beute in Katzen den angeborenen Jagdinstinkt weckt. Wenn sie allerdings keine Möglichkeit haben, diesen tatsächlich auszuleben – etwa, weil es sich um reine Hauskatzen handelt, oder weil der Mensch gerade nicht da ist, um die Tür zu öffnen – dann „üben“ sie das Jagdverhalten in Form von Schnattern und Keckern. Dabei werden Ober- und Unterkiefer ähnlich wie beim Zähneklappern geöffnet und geschlossen, was den Biss in die Beute darstellen kann. Zu den Kieferbewegungen kommen die leicht hechelnden, schnatternden, manchmal auch heiser miauenden Laute, die die Katzen dann von sich geben.
2. Stress und Frust abbauen: Katzen-Keckern, um Energie rauslassen
Wenn Katzen schnattern und keckern sind sie in der Regel rastlos und erscheinen unruhig oder aufgewühlt. Eine weitere Theorie ist, dass die Stubentiger auch dann dieses seltsame Verhalten an den Tag legen, wenn sie gestresst oder frustriert sind. Das kann unter anderem wieder den Grund haben, dass sie ihre Beute nicht erreichen bzw. überhaupt nicht draußen jagen können.
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Die Energie, die die Katze für die Jagd aufbringen würde, staut sich also an und wird vom Stubentiger durch das Keckern abgebaut. In dieser Theorie ist das Schnattern also keine Übung, sondern eher eine Art Stressabbau. Wer bemerkt, dass die eigene Katze am Schnattern ist, kann versuchen, sie mit Spielzeugen zu unterhalten, etwa, indem man sie Dinge an Katzenangeln jagen lässt. Dabei baut das Tier die angestaute Energie ab und kann sich danach wieder beruhigen. Sollte die Katze darauf aber sichtlich keine Lust haben, kann es auch ratsam sein, sie einfach in Ruhe lassen. Jeder Stubentiger ist anders und manche beruhigen sich auch selbst mit einem Nickerchen in einer ruhigen Ecke, bevor sie wieder zu ihrem kuscheligen Selbst werden.
3. Beutetiere imitieren: Schnattern, um Vögel in Sicherheit zu wiegen
Der dritte mögliche Grund, warum Katzen keckern und schnattern, hat ebenfalls mit Beute zu tun. Allerdings geht es in dieser Theorie nicht um einen instinktiven Reflex, der das Verhalten provoziert, sondern um einen bewussten Trick, den Katzen beim Jagen einsetzen.
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Laut Stern.de untersuchten Forscher in Brasilien eine Wildkatzenart, die sich bei der Jagd auf Affen deren Geräuschen anpasst und Schnattergeräusche macht, die denen der Primaten ähnlich sind. Daraus zogen die Forscher den Schluss, dass Katzen mit der Nachahmung der Geräusche ihrer Beute falsche Sicherheit vortäuschen wollen. Wie der Wolf im Schafspelz können sich Katzen so an ihre Beute anschleichen und zunächst unerkannt bleiben, weil sie die gleichen Geräusche machen, was die Jagd vereinfacht. Auch auf europäische Katzen könnte diese Theorie zutreffen, da das Keckern oft überraschend ähnlich klingt wie Vogel-, Enten- oder Hühnergeschnatter.
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